Idee von André Lösekann soll Innenstädte beleben – digitale Chance für den Handel in Bielefeld

Läden vor Ort verhelfen Kunden per App zum Look

Bielefeld (WB)

Die Sorge ist groß, dass die Kunden nach der Corona-Pandemie die Geschäfte der Innenstadt nicht wieder in dem Maße aufsuchen werden, wie vor der Krise. Ohnehin leidet der örtliche Handel unter der Konkurrenz aus dem Internet. Eine neue App soll jetzt Anreize schaffen, trotzdem wieder in die Geschäfte zu kommen. „Get it local“, heißt die App – eine Bielefelder Entwicklung –, die Kunden einen neuen Service und Händlern eine Chance bieten soll.

Peter Bollig

Mit der in Bielefeld entwickelten App „Get it local“ zeigen Kunden, was sie gerne anziehen möchten, und lassen sich von teilnehmenden Geschäften ein Angebot machen. Foto: Thomas F. Starke

Das Prinzip: Der Kunde entdeckt Kleidungsstücke, einen Look, der ihm gefällt. An einem anderen Menschen, in einer Zeitschrift oder einem Katalog beispielsweise. Er macht ein Foto und lädt es in die App. Örtliche Schuh- und Textilhändler, die sich ebenfalls angemeldet haben, machen daraufhin Angebote, schicken über die App Bilder von Produkten, die dem Look entsprechen. Wenn dem Kunden davon etwas gefällt, kann er die Stücke reservieren, einen Termin zur Anprobe oder zum Kauf vereinbaren. „Angebote kommen per Push-Nachricht an den Kunden“, erklärt Entwickler Mirco Stickan von der Bielefelder Web- und App-Entwicklungsagentur WAPP. Wer sich anmeldet, kann sein Profil angeben: „Männlich, weiblich, divers“ und seine Größe. Weiterer Personendaten bedürfe es nicht. Händler wiederum können sich in der App mit einem Bild, Adresse und Öffnungszeiten präsentieren. Das sei für alle kostenlos.

Hinter der Idee steckt der Bielefelder Modehändler André Lösekann, der damit einen Trend weitergedacht hat, der sich in seinen Geschäften ohnehin abzeichnete: „Schon vor Corona waren Kunden mit unseren Mitarbeitern digital vernetzt, haben ihnen Fotos mit Kleidungsstücken gezeigt.“ Die Mitarbeiter hätten dann aus ihrem Angebot etwas Passendes ausgesucht, abfotografiert und an den Kunden geschickt.

André Lösekann

Lösekann sieht darin die Chance, „Kunden ins Geschäft zu bekommen. Auch nach Corona“. Weil er damit den Einkaufsstandort insgesamt stärken möchte, bietet er die App kostenlos auch anderen örtlichen Händlern an. Nach einer Woche seien bereits 17 mit dabei. 52 Suchanfragen seien schon eingestellt worden. „Wir wollen das erst einmal in Bielefeld stark machen“, sagt André Lösekann. Er hält es für denkbar, dass später auch andere Städte und Gemeinden mitmachen. Zielgruppe sei allerdings der örtliche Einzelhandel, nicht „der große Filialist“.

Martin Knabenreich, Chef der Bielefeld Marketing, ist von der Idee auch deshalb begeistert, weil sie aus den Reihen der Händler kommt. Die Digitalisierung werde mit der Get-it-local-App nicht zur Konkurrenz, sondern zur Ergänzung der ortsansässigen Geschäfte. „Und wir wollen die Menschen ja dafür begeistern, nach Corona die Innenstadt wieder zu besuchen.“

Mit dieser Zielsetzung hat auch das Digitalisierungsbüro der Stadt Bielefeld die Entwicklung begleitet, die Idee zuvor im Gespräch mit André Lösekann vorangebracht, wie Matthias Eichler, Leiter des Digitalisierungsbüros, sagt. Dessen Ziel sei es, die Digitalisierung der Stadtgesellschaft voranzubringen. Und sich in diesem Fall dem Kaufverhalten vor allem der jüngeren Kunden anzupassen. Dazu gehöre der tägliche Einkaufsbummel in der digitalen Welt. Eichler: „Da setzt die App an.“

Erhältlich ist sie in den App-Stores und unter www.get-it-local.de.

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