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Im Sinne der Nachhaltigkeit – Studentin der FH Bielefeld wird kreativ

Lampenschirm aus Baumrinde

Bielefeld

Ein Tisch, der aus Schalen von 600 gepressten Orangen hergestellt wurde und ein Lampenschirm aus Blättern und Stängeln: Das, was das „Cara Cara Collective“ bereits umsetzt, hat auch Isabel Niemann, Mode-Studentin am Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule (FH) Bielefeld, inspiriert. Sie konnte das Unternehmen in einem virtuellen Rundgang während einer digitalen „Summer School“ an der Hochschule XAMK in Finnland kennenlernen.

Die Natur auf nachhaltige Weise in städtische Wohnungen bringen: Niemanns Lampenschirm besteht nur aus Baumrinde und einem selbstgemischten Dextrin-Buchbindekleber. Foto: B. Zimmermann (FH Bielefeld)

Inspiriert durch ihre Eindrücke während des Kurses „Nordic Product Design“ entwarf die Studentin dann selbst zwei Produkte: einen nachhaltigen Lampenschirm aus Baumrinde und Badelatschen aus einer alten Badematte.

„Die virtuelle Tour durch die Werkstatt und die Ausstellungsräume des Cara Cara Collectives haben mich extrem beeindruckt“, berichtet die 27-jährige Studentin. Das nachhaltige Unternehmen arbeitet vor allem mit Orangenschalen, da der weitreichende Konsum von Orangensaft jährlich etwa 16 Millionen Tonnen davon zurücklässt. Bei lokalen Supermärkten eingesammelt, produziert das Unternehmen daraus Tische, Lampenschirme und vieles mehr. „Das, was für uns einfach nur Abfall ist, wird hier für die Möbelproduktion verwendet. Dem Müll wird sozusagen wieder Leben eingehaucht. Das ganze Konzept ist von Grund auf nachhaltig gedacht. Daher war ich sehr glücklich, dass wir den geplanten Rundgang zumindest virtuell miterleben konnten.“

Praktische Übungen

Denn aufgrund der Corona-Pandemie konnte die zweiwöchige „Summer School“ an der XAMK in Finnland, eine der über 160 Partnerhochschulen der FH Bielefeld, im August letzten Jahres nur digital stattfinden. Obwohl die Umstellung von Präsenz auf Digital sehr spontan erfolgte, lobt Niemann die Organisation: „Ehrlich gesagt war ich mir erst unsicher, ob eine digitale Teilnahme wirklich sinnvoll ist, schließlich hat man während der Pandemie schon genug Zeit vor dem Bildschirm verbracht. Zum Glück hat sich meine Sorge nicht bewahrheitet: Wir haben trotzdem sehr viel praktisch gearbeitet. Zum Beispiel mussten wir innerhalb von fünf Minuten eine Vase skizzieren und uns danach in Gruppen über unsere Ergebnisse austauschen. Solche praktischen Übungen haben das Ganze sehr aufgelockert.“

Für ihr Abschlussprojekt der Summer School begab Niemann sich schließlich in die heimischen Wälder, um dort nach geeigneten Materialien zu suchen. So entstand ein Lampenschirm, den sie aus der abgefallenen Rinde verschiedener Bäume kreierte. Dazu mixte sie einen Dextrin-Buchbindekleber aus gerösteter Stärke, Traubenzucker und Wasser in einem Wasserbad zusammen, um die Rinde zu einem Zylinder-förmigen Lampenschirm zusammenzukleben. Niemann erklärt: „Ich wollte die Natur auf nachhaltige Weise in städtische Wohnungen bringen, ohne, dass dafür Bäume gefällt werden müssen. Der Lampenschirm ist natürlich erst einmal nur ein Prototyp und hat sich über die Wochen ziemlich stark verändert. Der Kleber ist leider porös geworden und auch die Rinde hat ihre Farbe etwas verändert – aber so ist das eben mit Natur.“

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