1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Lastenräder erhalten nur einen Auftrag

  8. >

Aktionsstart in der Bielefelder Altstadt lässt die Kunden kalt – »Wir machen trotzdem weiter« – mit Video

Lastenräder erhalten nur einen Auftrag

Bielefeld (WB). Die nackten Zahlen sind ernüchternd: Nur eine Kundin lässt sich am Samstag mit einem Lastenrad beliefern. Doch die Initiatoren der Aktion in der Altstadt lassen sich davon nicht beirren. »Wir wollten vor allem ein Zeichen für die Umwelt setzen und für Aufmerksamkeit sorgen«, betont Henner Zimmat, Chef der Altstadt-Kaufleute. »Wir machen also trotzdem weiter.«

Stefan Biestmann

Sie engagieren sich für die Lastenräder-Aktion (hinten von links): Uwe Hartmann, Thomas von Sehlen, Michael Schem, Bernd Küffner, Peter Dreschmeier, Miriam Schem, Pip Cozens und Nils Jeschky sowie (vorne von links) Henner Zimmat und Marcus Langer. Foto: Bernhard Pierel

Und so geht das Versuchsprojekt an den nächsten beiden Samstagen in die Verlängerung. Zimmat betont, dass die Bewerbung der Aktion erst kurz vor Beginn erfolgte. Er weiß aber auch, dass noch »Luft nach oben« ist. Dabei hat am Samstag zunächst alles nach Plan begonnen. 21 Geschäfte beteiligen sich an der Aktion – vom Optiker bis zum Feinkostladen. Und acht Lastenräder stehen bereit, um die Waren in einen Umkreis von fünf Kilometern zu verteilen.

Die Kaufmannschaft Altstadt und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) gehören ebenso zu den Initiatoren wie das Transportrad-Netzwerk, die Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen (BGW) sowie die Unternehmen »Last Abnahme«, »Flott weg« und das Projekt »Bisela«. »Das ist ein großes Gemeinschaftsprojekt von Ehrenamtlichen. Wir wollen dazu beitragen, die Schadstoffbelastungen in der Stadt zu reduzieren«, sagt Zimmat.

Auch Sabine Schwarz, Inhaberin des Biofeinkostladens Löwenzahn an der Welle ist angetan von dem Projekt. Trotzdem entscheidet sich keiner ihrer Kunden für ein Lastenrad. »Viele Kunden finden die Aktion zwar toll, aber nehmen die Ware dann doch lieber selbst mit. Denn bei uns werden meistens kleinere Einkäufe getätigt«, berichtet sie. Sabine Schwarz meint aber auch, dass die Kunden die Aktion noch nicht verinnerlicht hätten. »Das geht nicht von heute auf morgen.«

Mitinitiator Thomas von Sehlen (Transportradnetzwerk) sieht das auch so. »Man braucht für solche Aktionen immer einen langen Atem. Alles was neu ist, ist immer ungewohnt«, sagt er. Ziel sei es, die Lastenräder als alternative Lieferart zu etablieren – und die Zahl der Lieferlastwagen in der Innenstadt zu reduzieren. Über diese regt sich auch Hans-Jürgen Dick auf. Er ist Geschäftsleiter des Schuhhauses Degen. Doch auch in seinem Geschäft entscheidet sich kein Kunde für ein Lastenrad. »Schuhkartons sind nicht besonders sperrig, sondern handlich – die nimmt man einfach selbst mit«, erklärt er. »Zudem haben wir viele Kunden aus anderen Städten.«

Thomas von Sehlen (Transportradnetzwerk) brieft die Lastenradfahrer. Doch die bleiben später weitgehend beschäftigungslos. Foto: Bernhard Pierel

Zumindest eine Kundin der Apotheke am Alten Markt lässt sich schließlich ihre bestellten Medikamente per Lastenrad liefern. Doch sie bleibt bis zum späten Nachmittag die Ausnahme. »Man darf nicht vergessen, dass die Aktion experimentellen Charakter hat«, sagt Bernd Küfner (VCD). »Vielleicht haben wir noch nicht das perfekte Angebot – oder die Aktion kommt zu früh.« Trotzdem sei grundsätzlich die Hälfte der Waren in Innenstädten für Lastenräder geeignet, rechnet er vor. »Und gerade bei telefonischen Bestellungen bietet es sich an.«

Und aufgeben wollen die Initiatoren nicht. »Wir wollen die politische Diskussion mit unserer Aktion anheizen«, sagt Henner Zimmat. Er verweist darauf, dass die Stadt ein Pilot-Projekt für den innerstädtischen Transport von Waren vorstellen kann – mit einem Güterumschlagplatz auf dem Gelände des ehemaligen Containerbahnhofs. Und dann sollen E-Lastenräder systematisch die Belieferung der Innenstadt einzusetzen. Und so hofft auch Zimmat: »Irgendwann sollen die Lastenräderin der City selbstverständlich sein.«

Startseite