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Gebürtige Bielefelderin (46) hat Blutkrebs und braucht innerhalb der nächsten zwei Wochen eine Stammzellenspende

Lebensretter dringend gesucht

Bielefeld

Immer optimistisch und aktiv, jemand der anpackt und hilft. Und das, obwohl sie einen schweren Start ins Leben hatte. Doch jetzt ist Susanne schwer krank. Die 46-Jährige hat eine besonders schwere Form von Blutkrebs und ist dringend auf einen Stammzellenspender angewiesen. „Die Ärzte sagen, dass sie innerhalb der nächsten 14 Tage einen Spender braucht, wenn das noch Sinn ergeben soll“, sagt Susannes Pflegemutter Ilse Fagard, die in Jöllenbeck lebt.

Hendrik Uffmann

Wieder glückliche Momente wie diesen beim Urlaub in den Bergen erleben zu können, das wünscht sich Susanne (46). Foto: Privat

Deshalb haben sie und ihre Familie eine Online-Aktion gestartet, um mit Hilfe der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) einen passenden Spender zu finden. „Wir sind in den sozialen Netzwerken aktiv, versuchen überall, Menschen zu erreichen“, erzählt Ilse Fagard. Bislang hätten schon mehr als 1000 Menschen reagiert.

Nochmals schwieriger wird die Suche nach einem Lebensretter für Susanne durch die aktuelle Corona-Pandemie. Ilse Fagard: „Eine Aktion, bei der sich zum Beispiel vor Ort alle in eine Turnhalle kommen, um sich registrieren zu lassen, ist momentan eben nicht möglich.“

Und das, wo die Zeit knapp wird – und die Sorge bei Susanne und ihrer Familie immer größer. „Derzeit ist sie völlig verzweifelt, kann nachts nicht mehr schlafen und zählt die Stunden“, berichtet ihre Pflegemutter.

Auch in ihrem bisherigen Leben habe Susanne schon einiges durchstehen müssen. In ihren ersten Lebensjahren wohnte sie in Baumheide, im Alter von drei Jahren wurden sie und ihre Schwestern von den leiblichen Eltern jedoch so heftig misshandelt, dass Susanne schwere Kopfverletzungen erlitt. Nach dem Krankenhausaufenthalt und einer Betreuung durch die van Laar-Stiftung nahm Ilse Fagard die beiden Schwestern dann bei sich auf.

Heute lebt Susanne im niedersächsischen Hameln. In einem Nachbarort arbeitet sie bei einem Unternehmen, das Bremsen herstellt, sie mag die Natur und ist nach einem Urlaub im Allgäu begeistert von den Bergen.

Bis vor einem Jahr spendete Susanne selbst noch Blut, zuletzt im Januar 2020. Doch im Februar 2020 bekam sie Fieber und Kopfschmerzen. Im März des vergangenen Jahres wurde sie von Ihrem Arzt ins Krankenhaus geschickt, damit dort alles abgeklärt werden kann.

Die Diagnose, die sie dann erhielt, war für Susanne und ihre Familie, ein Schock: akute myeloische Leukämie (AML). Die 46-Jährige ließ fünf Blöcke mit Chemotherapie über sich ergehen und erhielt dann die Nachricht, dass der Krebs besiegt ist.

Susanne fing wieder an, ihr Leben wieder zu genießen, war viel in der Natur unterwegs und schätzte jeden kleinen Moment mit Freunden und Familie. Nach einer Reha fing sie wieder an zu arbeiten, freute sich auf den Alltag und die Kollegen, die sie vermisst hatte. Und an Silvester stieß sie mit ihrer Familie auf ein frohes und gesundes neues Jahr 2021 an.

Doch am 12. Januar kam dann mit den aktuellen Blutwerte die erschütternde Nachricht: Der Krebs ist zurück. Aggressiver als zuvor. Laut Aussage der Ärzte blieben Susanne von da an nun nur noch sechs Wochen Zeit, ihren Stammzellspender und damit Lebensretter zu finden. „Davon sind nun aber nur noch zwei Wochen übrig“, sagt Ilse Fagard.

Dieses Bild zeigt Susanne am 21. Januar bei einem Besuch in Jöllenbeck. Foto: Privat

Am 21. Januar hatte die 71-Jährige ihre Pflegetochter zu sich und ihrer Familie nach Jöllenbeck geholt – auch dies sei in Coronazeiten alles deutlich schwerer als ohnehin schon, sagt Ilse Fagard. In Hameln habe Susanne inzwischen eine weitere Chemotherapie durchlaufen alle zwei Tage ist sie im Krankenhaus, erhält dort Thrombozyten – Blutplättchen, die wichtig sind für die Blutgerinnung.

Für eine Stammzellentransplantation in der Klinik in Göttingen stehe alles bereit – „wir warten nur noch auf den Spender“, sagt Ilse Fagard. Und Susanne versuche, trotz allem positiv zu sein. „Aber das fällt ihr immer schwerer, obwohl sie sonst voller Lebenslust war.“

Unterstützung für die 46-Jährige und die Aktion kommt auch von Bielefelds Oberbürgermeister Pit Clausen. Er verbreitet den Hilferuf der Familie auf seiner Facebook-Seite. Und auch Susannes Nichte Luna richtet sich mit einem dringenden Appell an alle potenziellen Spender. „Meine Tante Susanne möchte wieder auf Berge klettern, das einmalige Gefühl von Euphorie und Glück spüren. Doch dafür braucht sie den passenden genetischen Zwilling, ihren Stammzellspender. Bitte registriert euch. Helfen kann ganz einfach sein.“

So funktioniert die Registrierung:

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahre alt ist, kann sich die Registrierungsunterlagen nach Hause bestellen. Dies geht auf der Homepage der DKMS unter www.dkms.de/susanne.

Mithilfe von drei medizinischen Wattestäbchen und einer genauen Anleitung sowie einer Einverständniserklärung kann jeder nach Erhalt des Sets selbst einen Wangenschleimhautabstrich vornehmen und anschließend per Post zurücksenden, damit die Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können.

Spender, die sich bereits registriert haben, müssen nicht erneut teilnehmen. Besonders wichtig ist es, dass die Wattestäbchen nach dem Wangenschleimhautabstrich zeitnah zurückgesendet werden.

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