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Todesfälle: Gesundheitsamt überprüft erneut AWO-Einrichtung – noch keine Entscheidung über Obduktionen

Legionellen: Stadt beginnt Ursachenforschung

Bielefeld (WB). Nach Bekanntwerden der zwei Todesfälle im Zusammenhang mit Legionellen im AWO-Seniorenzentrum Bielefeld-Baumheide haben am Donnerstag Mitarbeiter des Gesundheitsamtes erneut die Einrichtung besucht. »Das Thema hat für uns oberste Priorität. Wir forschen nach den Ursachen«, berichtete Sozialdezernent Ingo Nürnberger. »Ich bin sehr betroffen, dass so etwas passieren kann«.

Stefan Biestmann und Christian Bröder

Die Ergebnisse der Analyse des Gesundheitsamts im AWO-Seniorenheim werden erst in einigen Tagen erwartet. Foto: Pierel

Es sei klar, dass man nach solch »tragischen Vorfällen« vieles hinterfragen müsse, sagt Nürnberger, der derzeit vertretungsweise auch für das Gesundheitsamt zuständig ist. Auch wenn nach Angaben der Heimaufsicht im Sozialamt die technischen Standards im AWO-Seniorenzentrum wieder im »grünen Bereich« und »sicher« seien, werde alles erneut überprüft. Das gelte für die Technik ebenso wie für Abläufe und Kommunikationswege, betont Nürnberger. »Bis Ergebnisse dieser Analyse vorliegen, kann es aber einige Tage dauern.«

Kripobeamte untersuchen Krankenhausunterlagen und Arztberichte

Ein Bewohner (86) und eine Mitarbeiterin (52) waren im Juli gestorben, eine weitere Mitarbeiterin erkrankt – alle waren positiv auf Legionellen getestet worden. Auch bei der Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Kripobeamte sammeln derzeit Beweise, sichten Krankenhausunterlagen und Arztberichte der betroffenen Personen. »Erst wenn wir die Erkenntnisse daraus gewonnen haben, können wir entscheiden, ob Obduktionen vorgenommen werden müssen«, sagte Staatsanwalt Christoph Mackel.

Das Gesundheitsamt hatte bereits im April bei einer routinemäßigen Kontrolluntersuchung zu hohe Legionellenwerte im Trinkwasser der AWO-Einrichtung festgestellt. Die Behörde ordnete damals nach eigenen Angaben eine Kette von Gegenmaßnahmen an. Ein unabhängiger Gutachter sei mit der Erstellung einer Gefährdungs­analyse beauftragt worden. Anfang Juli habe sich der Wert dramatisch verschlechtert. Somit sei am 15. Juli ein Duschverbot ausgesprochen worden. Zu diesem Zeitpunkt seien die Mitarbeiterin und der Bewohner längst infiziert gewesen. Beide Personen starben.

Ursächlich könnten Zapfstellen wie Waschbecken, Spülen, Duschen oder Badewannen innerhalb der Einrichtung gewesen sein, die nicht häufig genutzt wurden.

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