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Persönliche Zeugnisübergabe stößt auf viel Zuspruch bei Schülern und auch bei Eltern

Lehrer auf Hausbesuch

Bielefeld (WB).

Nach drei Wochen im Home-Office haben Kerstin Wittler und Julian Froböse ihren Arbeitsplatz auf die Straße verlegt: Die beiden Klassenlehrer der Gesamtschule Rosenhöhe brachten am Freitag die Zeugnisse persönlich bei ihren Schülern vorbei – und trafen, ganz unabhängig von den Schulnoten, auf fröhliche Gesichter.

Kerstin Sewöster 

Klassenlehrer Kerstin Wittler und Julian Froböse bringen Marlon (13) persönlich sein Zeugnis nebst Schullektüre. Mama Nina Menzel findet den Besuch toll. Foto: Bernhard Pierel

Von den 631 Schülern in der Sekundarstufe I, die die Klassen 5 bis 10 umfasst, haben die allermeisten ihr Zeugnis persönlich überreicht bekommen. „Wir haben sehr viele positive Reaktionen bekommen, von Eltern, aber auch von Kollegen“, resümiert Gesamtschulleiterin Claudia Hoppe, die mit ihrer Initiative bundesweite Resonanz ausgelöst hatte. Fernseh- und Radiosender hatten sich angekündigt, um zu berichten.

Ein bisschen schüchtern öffnet Marlon Menzel aus Sennestadt um Punkt 9.45 Uhr die Haustür, um seine Klassenlehrer zu begrüßen. Die gegenseitige Freude über das Wiedersehen ist trotz Maske an den Augen zu erkennen. Gesehen hat der 13-Jährige Gesamtschüler seine Lehrer zwar täglich – allerdings nur im Miniformat auf dem Tablet. Deshalb tut es gut, sie einmal wieder leibhaftig zu erleben und ihre Stimmen nicht nur über den Computer zu hören.

Mutter Nina Menzel erscheint ebenfalls im Türrahmen. „Ich finde es toll, dass die Lehrer persönlich vorbeikommen. So können sie auch mal sehen, wie es den Schülern wirklich geht“, sagt sie. Sie hat an diesem Zeugnistag schon einmal die Haustür für Lehrer der Gesamtschule Rosenhöhe geöffnet: Marlons Zwillingsbruder Leon geht in eine andere Klasse und hat ebenfalls das Zeugnis von seinen Lehrern persönlich gebracht bekommen, und das, obwohl die Brüder in Dalbke, also dem südlichsten Zipfel von Bielefeld leben.

Persönliche Telefonate folgen noch

All zu viel Zeit bleibt allerdings nicht für das persönliche Schüler-Lehrer-Gespräch. „Zehn Minuten haben wir uns für jeden Schüler vorgenommen“, sagt Kerstin Wittler. Sie und ihr Kollege verteilen insgesamt 24 Zeugnisse an ihre Sechstklässler. Eines muss mit der Post verschickt werden, weil die Schülerin in Quarantäne ist.

Im Gepäck haben Wittler und Froböse nicht nur die Zeugnisse, sondern auch ein Buch, das sich die Schüler vorher aussuchen konnten. Es wird Thema im Unterricht sein, der ja auf jeden Fall noch bis Mitte Februar digital verlaufen wird.

Mit der Zeugnisübergabe alleine ist es jedoch nicht getan. „Natürlich haben wir im Vorfeld mit den Schülern über ihre Noten gesprochen“, erzählt Wittler. Und am Montag, wenn noch schulfrei ist, finden persönliche Telefonate statt, um Stärken und Schwächen sowie Möglichkeiten im nächsten Schuljahr auszuloten.

Marlon freut sich übrigens am meisten über seine Eins in Sport. Ja, auch dieses Fach wird via Computer unterrichtet. „Zur Zeit jonglieren wir gerade – mit Geschirrhandtüchern und Socken“, erzählt Kerstin Wittler, die neben Mathe und Religion auch Sport in ihrer Klasse unterrichtet.

Mit dem Zeugnis verteilen die Klassenlehrer den neuen Stundenplan. Auch in Zeiten des Home-Schoolings wird nach Stundenplan unterrichtet. „Das ist wichtig“, meint Klassenlehrer Julian Froböse, „weil er den Schülern Struktur gibt.“ Zeugnisse gab es am Freitag natürlich auch für alle anderen Schüler ab Klasse 3. Die Schulen nutzten ganz unterschiedliche Wege, um die Dokumente zu verteilen. Einige Einrichtungen verschickten Kopien, andere die Originale auf postalischem Weg. In vielen Schulen konnten sich die Kinder und Jugendlichen ihre Zeugnisse auch persönlich abholen.

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