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Toter in der Tonne: Georgier wollte Drogenkumpan angeblich in Klinik bringen

Leichentransport bleibt ungeklärt

Bielefeld (WB). Der Prozess um den Leichentransport in einer Papiermülltonne geht juristisch in die nächste Runde. Am Dienstag konnte vor dem Amtsgericht noch nicht geklärt werden, ob der Litauer Sergej K. (32) tot durch die Stadt gerollt worden war und ob das seine drogenabhängigen Kumpane bemerkt haben mussten.

Uwe Koch

Ein Kripoermittler sichert im Mai 2016 Spuren, nachdem in der Papiertonne am Real-Markt eine Leiche gefunden wurde. Foto: dpa

Unter Anklage steht der Georgier Dimitrij K. (47). Der Mann muss sich wegen des seltenen Deliktes der »Störung der Totenruhe« verantworten. Er hatte mit dem späteren Opfer und einem flüchtigen Komplizen (27) in einer Wohnung an der Ravensberger Straße über mehrere Tage im Mai 2016 harte Drogen konsumiert. In der Nacht zum 22. Mai soll der Litauer K. dann aufgrund eines Rauschgift-Cocktails aus Kokain, Methadon, Alkohol und eventuell auch Heroin kollabiert sein.

Flaschensammler fand die Leiche

Dieses Geschehen gab der angeklagte Georgier am Dienstag vor dem Amtsgericht auch zu. Er sei dann erwacht und habe den schlechten Zustand seines Bekannten bemerkt. Gemeinsam habe man den Litauer dann zum »Krankenhaus tragen wollen«. Weil der Körper unterwegs jedoch »so schwer« geworden sei, habe man an der Oststraße eine am Gehweg stehende Papiermülltonne genommen und den Litauer hineingewuchtet. »Auf halber Höhe« zum Krankenhaus sei den Männern die Kraft ausgegangen, so habe man die 1100-Liter-Tonne kurzerhand an einer Rampe des »Real«-Marktes an der Teutoburger Straße stehen lassen. Am 23. Mai fand ein Flaschensammler die Leiche, deren Verwesung schon so weit fortgeschritten war, dass der Litauer nur aufgrund von Fingerabdrücken identifiziert werden konnte.

Amtsrichterin Ingrid Kohls versuchte den Angeklagten gestern noch zu einem weitergehenden Geständnis zu bewegen. Die Ex-Ehefrau des Opfers und seine Mutter hätten ein Anrecht zu erfahren, wie der Mann seine letzten Tage verbracht habe. Dazu war der Georgier nicht bereit. Staatsanwältin Stefanie Lange hingegen lehnte es kategorisch ab, das Strafverfahren einstellen zu wollen.

Termin am 7. September

Nun soll in einem neuem Termin am 7. September ein Rechtsmediziner klären, ob der Drogenabhängige noch lebend oder bereits tot in die Papiertonne verfrachtet worden war. Richterin Kohls und Staatsanwältin Lange waren gestern der Ansicht, dass nach bisherigen Erkenntnissen die Leichenstarre schon eingesetzt hatte. Zudem sei der Körper wohl kopfüber in die Papiermülltone gesteckt worden.

Gehört werden soll obendrein eine Anwohnerin der Oststraße. Die Zeugin soll angeblich den Diebstahl der Tonne über einen längeren Zeitraum beobachtet haben. Der Angeklagte sitzt derzeit wegen Diebstahls 16 Monate in Strafhaft in der Vollzugsanstalt Brackwede. Der Georgier hatte auch einen Asylantrag gestellt, der aber abgelehnt worden war. Dagegen klagt der Mann vor dem Oberverwaltungsgericht Münster.

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