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Amtsgericht hält sich nicht für zuständig – Auch versuchter Totschlag möglich

Leichentransport: Fall fürs Landgericht

Bielefeld (WB). Der Transport eines Junkies in einer Mülltonne könnte für einen georgischen Asylbewerber zum Desaster werden. Das Amtsgericht Bielefeld hat den eigentlich als »Störung der Totenruhe« angeklagten Fall zum Schwurgericht des Landgerichts abgegeben – wegen des Verdachts des versuchten Totschlags.

Uwe Koch

Grausiger Leichenfund am »Real«-Markt: In dieser Papiertonne wurde Viktor K. in der Nacht transportiert. Foto: dpa

In der Nacht zum 21. Mai hatten der Georgier Dimitri K. (47) und ein noch flüchtiger Komplize (27) den Körper des Litauers Sergej K. (32) von der Ravensberger Straße weggekarrt. Das Trio hatte zuvor in einer Wohnung Drogen konsumiert. Dabei soll der Litauer kollabiert sein. Man habe ihn ins Krankenhaus bringen wollen, sagte Dimitri K. später aus.

Dafür stahlen sie an der Oststraße eine Papiermülltonne, weil man den Körper nicht habe tragen können. Nach späteren Ermittlungen wurde Viktor K. kopfüber in die Tonne geworfen. Dann fuhren die beiden Komplizen die Tonne aber zur Laderampe des »Real«-Marktes, also weit weg vom nahen Klinikum Bielefeld-Mitte, und stellten die Tonne dort ab.

Georgier nimmt Geständnis zurück

Die Staatsanwaltschaft ging bisher davon aus, dass Viktor K. zum Zeitpunkt des Transports bereits tot war, klagte also den wegen Diebstahls inhaftierten Dimitri K. nur wegen der »Störung der Totenruhe« an. In seinem bisherigen Geständnis bestritt der Georgier das jedoch, um eine Verurteilung zu vermutlich nur wenigen Monaten Haft zu vermeiden: Viktor K. habe gelebt, man habe ihm ja helfen wollen, da er infolge des Drogenkonsums kollabiert sei.

Gerichtsmediziner Dr. Bernd Karger (53) von der Universität Münster konnte gestern nicht sagen, wann der Mann gestorben sei und ob er in der Tonne noch lebte. Als er den Toten untersucht habe, sei die Leichtenstarre bereits wieder gelöst gewesen. Rückschlüsse könne er auf das Ableben nicht ziehen. Er könne auch nicht erklären, woran der Litauer gestorben sei.

Ans Landgericht verwiesen

Amtsrichterin Ingrid Kohls verwies das Strafverfahren nach Antrag von Staatsanwalt Benjamin Scheffler danach zum Landgericht. Bevor das Opfer in die Tonne gepfercht worden sei, sei es dem Mann »schlecht gegangen«. Wenn Dimitri K. und der Komplize ihm hätten helfen wollen, hätten sie ihn in der verschlossenen Tonne an einem belebteren Ort als an der Rampe des Supermarktes abstellen müssen. Ingrid Kohls: »In der Hoffnung, dass er gefunden wird . . .« So komme nun auch die Verurteilung des Georgiers wegen eines versuchten Totschlages durch Unterlassen in Betracht, und dafür sei allein ein Schwurgericht des Landgerichts zuständig.

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