Schwerer Unfall am Bielefelder Berg – 24-Jähriger übersieht Stauende

Lkw-Fahrer auf der A2 tödlich verletzt

Bielefeld (WB)

Bei einem schweren Lkw-Unfall auf der A2 bei Bielefeld ist am Mittwochabend ein 24-jähriger Lkw-Fahrer aus Polen tödlich verletzt worden. Der Mann hatte den Stau an einer Baustelle am Bielefelder Berg zu spät bemerkt und krachte nahezu ungebremst in das Heck eines Sattelzuges. Die A2 in Fahrtrichtung Dortmund wurde für mehrere Stunden gesperrt.

Christian Müller 

Mit zahlreichen Kräften rückte die Bielefelder Feuerwehr zum Einsatzort aus, für den Fahrer des 7,5-Tonners kam jedoch jede Hilfe zu spät. Foto: Christian Müller

Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei wurden gegen 20.50 Uhr alarmiert. Der Lkw-Fahrer befuhr den rechten Fahrstreifen der A2 in Richtung Dortmund. Zwischen den Anschlussstellen Bielefeld-Ost und Bielefeld-Süd staute sich der Verkehr aufgrund einer Baustelle am Bielefelder Berg. An der Steigungsstrecke in Höhe des Blitzers bemerkte der Fahrer des Lasters den Stau offenbar zu spät und krachte mit voller Wucht in das Heck eines 40-Tonners, an dessen Steuer ein 22-Jähriger saß.

Für den im Fahrzeugwrack schwer eingeklemmten Mann kam jede Hilfe der Feuerwehr zu spät, berichtete Einsatzleiter Jörn Bielinski. „Die Mitarbeiter des Rettungsdienstes stellten bei Eintreffen den Tod des Mannes fest. Um zu dem Eingeklemmten zu gelangen, mussten wir mit einer Seilwinde des Rüstwagens den Lkw, der unter dem Sattelauflieger verkeilt war, zurückziehen.“

Mit schwerem hydraulischem Rettungsgerät konnten sich die Wehrleute Zugang zu dem Lkw-Fahrer verschaffen und ihn aus der völlig havarierten Fahrerkabine bergen. Da eine Gefahrguttafel und die Ladepapiere des Sattelzuges auf eine gefährliche Fracht hinwiesen, überprüften Feuerwehrkräfte den 40-Tonner auf explosive Stoffe. Glücklicherweise traten keine Gefahrstoffe in Folge des Auffahrunfalls aus.

Drei Rettungswagen und ein Notarzteinsatzfahrzeug waren an der Unfallstelle. Zwei weitere Personen mussten ärztlich betreut werden, berichtete Jörn Bielinski weiter. „Der Fahrer des Sattelzuges blieb unverletzt, ein Augenzeuge und Ersthelfer am Unfallort erlitt einen Schock.“ Für den mutigen Einsatz des Ersthelfers gab es Lob von der Feuerwehr, so der Einsatzleiter weiter.

Lob für Ersthelfer

„Früh eingeleitete Erste-Hilfe-Maßnahmen können Leben retten. Selbst die psychische Betreuung kann sehr wertvoll sein, wenn die Rettungskräfte noch auf der Anfahrt sind.“ Bis Feuerwehr und Rettungsdienst eintreffen, können mehrere Minuten vergehen. „Eine lebensbedrohliche Blutung kann durch das einfache Anlegen eines Druckverbandes lebensrettend sein. Ich als Feuerwehrmann möchte jeden ermutigen, den Erste Hilfe-Maßnahmen nachzukommen“, sagte Jörn Bielinski.

Feuerwehr und Rettungsdienst waren bis in den späten Abend mit 45 Kräften im Einsatz. Die Brandbekämpfer der Hauptwache wurden von den Freiwilligen der Löschabteilungen Hillegossen und Ubbedissen tatkräftig unterstützt. Neben den Rettungsarbeiten stellten den Brandschutz sicher und leuchteten die Unfallstelle aus, bis die Polizei mit ihren Unfallermittlungen beginnen konnte.

Mit einem 3D-Laserscan hatte Mirko Malarz von der Polizei die Unfallstelle vermessen. „Das ist für die Rekonstruktion des Unfalls und unsere Ermittlungen sehr wichtig. Mit den digitalen Daten können wir anhand der Verformung der Fahrzeuge und den Brems- und Blockierspuren die Kollisionsstelle ermitteln und die Unfallursache nachvollziehen.

Kritik an Gaffern

Nach etwa zweieinhalb Stunden ließen Autobahnpolizisten die Verkehrsteilnehmer im Stau an der Unfallstelle vorbeifahren. Immer wieder verlangsamten Auto- und Lkw-Fahrer ihr Fahrzeug an der Unfallstelle. Pannenhelfer Kilian Nordbrock kann das Verhalten nicht nachvollziehen und wurde deutlich: „Pure Wut ist untertrieben, da empfinde ich blanken Hass. Das können die eigenen Angehörigen sein, die dort liegen. Aber es muss gegafft werden, was das Zeug hält. Die Fahrer provozieren damit weitere Unfälle oder selbst von der Fahrbahn abzukommen und bringen die Einsatzkräfte in Gefahr, die an der Unfallstelle arbeiten. Hauptsache man bekommt noch einen Blick an die Stelle, an der vor kurzer Zeit ein Mensch auf tragische Weise ums Leben gekommen ist.“

Die Ermittlungen der Polizei zur Unfallursache dauern an. Die A2 blieb in Fahrtrichtung Dortmund bis in die Nachtstunden gesperrt. Die havarierten Laster wurden abgeschleppt und sichergestellt. Wie hoch der Sachschaden liegt, wurde nicht abgeschätzt.

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