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Chatbots revolutionieren den Geschäftsablauf in Lager und Spedition

Logistik wird digital

Bielefeld(WB). Nach außen hin herrscht der Eindruck vor, dass vor allem ein künftiger Drohnenverkehr und das automatisierte Fahren die Logistikbranche tiefgreifend verändern werden. Indessen hält die digitale Revolution bereits auf anderen Wegen Einzug in die Unternehmen – zum Beispiel mit Hilfe sogenannter Chatbots.

Bernhard Hertlein

Zukunfstmusik: Blick in das Cockpit eines autonom fahrenden Lkw. Foto: dpa

Der Begriff Chatbot setzt sich aus den Wörtern „Chat“ und „Robot“ zusammen. Basis ist eine Software für den Dialog zwischen Mensch und Maschine. Der Chatbot bearbeitet und beantwortet in kürzester Zeit Anfragen auf Textbasis oder durch Spracherkennung. In der Logistik übernimmt er zudem unter Hinzuziehung weiterer Software-Anwendungen Verwaltungs- und Organisationsaufgaben, die bislang von Menschen wahrgenommen werden.

Verkehrsforum: Statement Nottmeyer

Prof. Jörg Nottmeyer, Studiengangsleiter Digitale Logistik am Campus Gütersloh der Fachhochschule Bielefeld, hat am Donnerstag zu Beginn des Verkehrsforums der IHK Ostwestfalen geschildert, wie Beschaffung und Logistik heute beim Staat noch zum großen Teil organisiert seien. Bestellungen würden demnach weiterhin per Fax abgeschickt, „und wenn das Gerät mal nicht funktioniert, per Briefpost“. Rechnungen, die als E-Mail einträfen, würden ausgedruckt, gestempelt und in Aktenordnern abgeheftet. Doch nicht nur beim Staat, auch in der Wirtschaft würden den Lkw-Fahrern oft noch Lieferpapiere mitgegeben. Dabei habe Amazon schon vor vier oder fünf Jahren auf Digital umgestellt. Nottmeyer: „Und es funktioniert.“

Statement Jaschinski-Schürmann

Bernd Jaschinski-Schürmann, Managementberater beim Bertelsmann-Unternehmen Arvato Systems in Gütersloh, beschrieb, was Chatbots darüber hinaus schon jetzt leisten. Demnach kann fast die gesamte Lagerlogistik mit Hilfe einer Software, die auch die fahrerlosen Transportsysteme steuert, automatisiert werden. Am Ende registriere der Computer den Eingang einer Bestellung, überprüfe die Verfügbarkeit und sende dem Absender die Bestätigung. Der „Formularbot“ ersetze den Papierwust. Ein „Terminbot“ organisiere den Liefervorgang inklusive Abholung im Lager, Buchung der Ladezeit an der Rampe, Fahrt und Übergabe an den Empfänger. Alle Beteiligten, vom Lkw-Fahrer bis zum Pförtner, erhielten die entsprechenden Daten automatisch auf ihr Handy. Und wenn sich die Lieferung beispielsweise wegen eines Verkehrsstaus verzögere, regle der Chatbot sämtliche Vorgänge einfach neu.

Jaschinski-Schürmann präsentierte weitere digitale Hilfsmittel für die Logistik: Inventurbots, die den Lagerbestand regelmäßig aktualisieren, Bestellbots, die selbstständig Nachschub ordern, und Infobots, die den Mitarbeitern überall Auskunft über Lagerbestand sowie Ein- und Abgänge geben. Auch die Beladung auf Lkw oder Schiff könnte automatisiert organisiert und durchgeführt werden. Vorteile seien niedrigere Kosten und eine geringer Fehleranfälligkeit.

Wie der Wissenschaftler Kottmeyer geht auch der Arvato-Praktiker Jaschinski-Schürmann davon aus, dass Lasten-Transportdrohnen und autonom fahrende Lkw erst in gut zwei oder drei Jahrzehnten in größerer Zahl eingesetzt werden. Jedoch, so Kottmeier, kommen Entwicklungen manchmal schneller als prognostiziert. Vor 20 Jahren etwa hätten auch Experten fahrerlose Transportsysteme noch für unmöglich gehalten. Inzwischen setzten sie sich überall durch.

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