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450 Eisenbahnfreunde erleben Rundfahrten mit der historischen Lokomotive »01150«

Mächtig unter Dampf 

Bielefeld/Paderborn (WB). Ein eisiger Wind weht in den Führerstand, aus der Feuerluke quillt beißender Qualm, die Arbeit ist anstrengend und dreckig. Eisenbahnromantik ist manchmal nur etwas für Hartgesottene. So wie gestern bei den Fahrten der historischen Dampflok »01150« von Bielefeld nach Paderborn.

Hendrik Uffmann

Dampf und Rauch steigen auf, als Jochen Pook die 1935 gebaute Lokomotive aus dem Bielefelder Hauptbahnhof steuert. Viel Fingerspitzengefühl ist dabei gefordert, damit die mächtigen Räder der 169 Tonnen schweren Lok nicht durchdrehen. Foto: Hans-Werner Büscher

 Zumindest für Jochen Pook und seine Mitstreiter, die die mächtige Lokomotive vorbereiten und steuern und schon 24 Stunden vor der ersten Abfahrt mit den Vorbereitungen beginnen, damit mehr als 450 Eisenbahnfreunde die Fahrt in den angenehm geheizten Wagen genießen können.

 Dabei schafft die Dampflokomotive die ersten Meter nur mit fremder Hilfe. Fast zwei Wochen stand sie in dem Schuppen der Bielefelder Eisenbahnfreunde direkt neben der Drehscheibe des Ringlokschuppens. Um 8.45 Uhr am Samstag nimmt eine Rangierlok sie an den Haken, zieht die 169 Tonnen schwere Schnellzuglokomotive ins Freie.

 Damit es keine Frostschäden gab, waren alle Wasserleitungen geleert worden. Die füllt Jochen Pook – er steuert auch die Museumseisenbahn in Minden, ist bei den Touren mit Start in Bielefeld als Heizer im Einsatz – zunächst auf, bevor es an das »Herz« der Lok geht. Gemeinsam mit Olaf Teubert entfacht er das Feuer im Brennraum unter dem Kessel – zunächst mit Holz. »Das kostet nichts im Gegensatz zur Kohle«, erklärt Pook und blinzelt durch den Feuerrauch, der in den Führerstand dringt. Immer wieder muss er mit langen Schürhaken nachhelfen – und die verkannten sich gern einmal.

 Etwa neun Stunden dauerte es, bis das Wasser eine Temperatur von 204 Grad Celsius hat und der nötige Druck von etwa 16 bar aufgebaut ist. Behutsam muss dies gehen – steigt die Hitze zu schnell, verzieht sich der metallene Kessel. Damit die Dampfmaschine auch über Nacht auf Betriebstemperatur bleibt, sorgt das Team am Samstagabend für ein so genanntes Ruhefeuer – auch das ist eine Kunst für sich. »Es darf nicht ausgehen, aber auch nicht zu heiß sein, sonst gibt es einen Überdruck, und man wird von der Signalpfeife geweckt«, erklärt der erfahrene Eisenbahner schmunzelnd.

 Zum ersten Mal klingt dieser Ton aus einer vergangenen Epoche weit hörbar schon früh am Sonntag durch die frostklare Morgenluft. Um 7 Uhr beginnen die Eisenbahnfreunde damit, die sieben Wagen an die Lokomotive anzukoppeln. Denn erst dann kann die mit Dampf betriebene Heizung für die Passagierabteile eingeschaltet werden.

 Im nach hinten offenen Führerstand der Lok gibt es diesen Luxus nicht. »Der Kessel strahlt Wärme ab. Nur beim Rückwärtsfahren wird's unangenehm«, erläutert Pook. Und auch das steht dem dreiköpfigen Team aus Lokführer, Heizer und Lotse, das dort im Einsatz ist, noch bevor. Denn den Abschnitt der Strecke zwischen Altenbeken und Paderborn wird die »01150« genau so zurücklegen – mit dem Tender voran.

 Pünktlich um 9.47 Uhr startet die Dampflok dann zur ersten Fahrt. Das Anfahren, erläutert Jochen Pook, ist mit der für Schnellfahrten konstruierten Lok knifflig. Die Räder mit einem Durchmesser von zwei Metern können da leicht durchdrehen, wenn die Dampfmaschine ihre volle Kraft von 2240 PS entwickelt. Über Lage, Detmold und Altenbeken geht es nach Paderborn, von dort über die Strecke der Sennebahn wieder zurück.

 Um 15.45 Uhr – mit leichter Verspätung durch eine Signalstörung – startet die zweite Rundfahrt, nachdem zuvor Wasser nachgetankt wurde. Denn die 1935 gebaute Lok hat mächtigen Durst, 1000 Liter verbraucht die Maschine auf zehn Kilometern.

 Im vordersten Waggon sitzt Lars Hackenberg mit seinen Kindern Isabel (13) und Christopher sowie Ramona Follwarski, die aus Münster gekommen sind. »Ich bin schon lange Eisenbahnfan und fahre einmal im Jahr mit einer Dampflok. Aber dies ist etwas besonderes, weil diese Lok so selten ist.«

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