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Kommentar zum Corona-Jahr in Bielefeld

Mal nach Rostock schauen

Bielefeld

Mit mehr Corona-Tests, der Handy-App Luca für Handel und Gastronomie sowie einem neuen Ampelsystem will Rostocks rühriger dänischer Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen seine Stadt zur Modellregion für Lockerungen machen. Ein Jahr nach den ersten Corona-Infektionen braucht auch Bielefeld einen Plan, wie es aus der Pandemie kommt. Doch in Sicht ist der bislang nicht.

Michael Schläger

Mit unkonventionellen Maßnahmen hält Rostocks OB Claus Ruhe Madsen (parteilos) das Corona-Virus in seiner Heimatstadt in Schach. Foto: dpa

Madsen weiß nicht, ob die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern seine Ideen überhaupt genehmigt. Aber er hat einfach mal gemacht. Wie schon in der Vergangenheit. Vielleicht auch deshalb sind die Inzidenzwerte in der Ostseestadt dauerhaft so niedrig.

Der Lockdown ist bis 7. März verlängert, die Perspektive bleibt angesichts der Mutationen unklar. Die Herausforderungen an die Stadtgesellschaft werden aber immer größer. Das merken Bielefelds Ordnungsamts-Mitarbeiter, wenn sie zunehmend Probleme haben, städtische Allgemeinverfügungen in der Bevölkerung durchzusetzen. Das ist in den Schulen der Stadt ablesbar, wo immer mehr Kinder zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling auf der Strecke bleiben. Auch der Unmut im Handel wird immer größer. Warum dürfen Friseure nächste Woche öffnen, der Schuhhändler in der Altstadt aber nicht?

Natürlich kann man argumentieren, die Corona-Regeln machen Bund und Land und nicht die Stadt. Die müsse sie nur umsetzen.

Aber auch das Rathaus kann noch mehr tun. Und das ist beileibe nicht nur Sache des Krisenstabs. Neben Rostock haben Tübingen, Böblingen oder Oldenburg ebenfalls mit eigenen Teststrategien oder unkonventionellem Verwaltungshandeln dazu beigetragen, dass dort die Coronazahlen niedrig bleiben. Warum soll das nicht auch in Bielefeld gelingen?

„Das Gesundheitsamt sind wir alle“, sagt Rostocks OB und nimmt damit auch seine Bürger in die Verantwortung, durch Einhaltung der Coronaregeln das gefährliche Virus im Griff zu behalten. Das ist wichtig. Wenn dann Hilfsmittel wie die besagte App Luca zur lokalen Kontaktnachverfolgung hinzukommen, wären schon mal wichtige Voraussetzungen für den eigenen Weg raus aus der Lockdown-Endlosschleife geschaffen.

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