Friseure in Bielefeld machen sehr unterschiedliche Erfahrungen mit der Coronatest-Pflicht

Manchmal bleibt die Matte lang

Bielefeld (WB)

Es ist ein „seltsam unterschiedliches Phänomen“. So nennt es Markus Turri, Obermeister der Bielefelder Friseurinnung. Er meint die Art und Weise, wie sich die neue Hygieneregel, dass Kunden beim Friseurbesuch einen maximal 24 Stunden alten, negativen Coronatest vorlegen müssen, auf die Branche auswirkt.

Markus Poch

Verbringt mehr Zeit am Telefon als ihr lieb ist: Friseurmeisterin Jennifer Ganzer (32) in ihrem Salon an der Stapenhorststraße. Foto: Thomas F. Starke

„Es gibt Kollegen, für die ist die neue Verordnung kein Problem. Es gibt Kollegen, für die ist die neue Verordnung ein kleines Problem. Und es gibt Kollegen, die haben damit ein großes Problem“, urteilt Turri nach vielen Gesprächen mit anderen Salons. Generell sei das Problem am Stadtrand wohl größer, weil dort eine geringere Dichte an Testmöglichkeiten herrsche.

Dort komme es vor, dass Kunden sagen: „Ich gehe nicht zum Testen, weil meine Familie und ich Angst haben vor einem positiven Ergebnis und der anschließenden Quarantäne.“ Solche Leute hielten sich in der Folge tatsächlich fern vom Friseur. Ihre Matte bleibt also vorerst lang.

„Die Haarpflege ist in NRW derzeit nun mal nicht ohne Test erlaubt“, betont Turri. „Deshalb appellieren wir an unsere Kunden: Geht schnell zum Test, es ist doch kein Drama.“ Nur in Ausnahmefällen bei Menschen, die aufgrund massiver Mobilitätseinschränkungen keinen bescheinigten Coronatest vorlegen können, werde ein Selbsttest akzeptiert.

„Wir verbringen neuerdings mehr Zeit am Telefon als beim Frisieren“, berichtet Friseurmeisterin Jennifer Ganzer (32). Zusammen mit ihrer Geschäftspartnerin Savina Hinrichs (28), ebenfalls Meisterin, führt sie seit Oktober 2019 den kleinen Laden „Haarmomente Salon Ganzer“ an der Stapenhorststraße 38. Beide kennen praktisch ausschließlich die Krisenzeiten.

Nach dem Ansturm und dem „positiven Stress“, den sie im März und April erlebten, als die Friseure nach langer Schließung wieder hatten öffnen dürfen, gebe es derzeit erneut viel zu viele Lücken im Terminkalender. „Unser Umsatz ist in den vergangenen Tagen um mindestens 50 Prozent zurückgegangen“, schätzt Jennifer Ganzer. „Die Laufkundschaft bleibt aus, und viele unserer Kunden wissen nicht Bescheid um die aktuellen Regeln.“

So sei eine Kundin wie selbstverständlich nur mit der nicht mehr erlaubten OP-Maske und ganz ohne Corona-Test erschienen. Eine andere Frau, sogar Stammkundin, kam zwar mit vorgeschriebener FFP2-Maske und Corona-Test, doch letzterer war älter als 24 Stunden. Beide Frauen seien pampig geworden, als sie deshalb direkt wieder nach draußen gebeten wurden. „Dabei sind die Regeln doch klar, und auch für Stammkunden dürfen wir keine Ausnahmen machen“, sagt die Friseurmeisterin.

Um sicher zu stellen, dass feste Termine auf diese Weise nicht doch noch platzen, haben Jennifer Ganzer und Savina Hinrichs zuletzt alle Kunden telefonisch über die neuen Vorschriften informiert. Dabei mussten sie prompt auch spontane Absagen hinnehmen – von Leuten, die sagten, sie wollten erst dann wieder zum Friseur gehen, wenn die Testpflicht nicht mehr gilt.

Etwas weniger nervenaufreibend aber neuerdings „arg ruhig“ läuft der Betrieb im Salon Glückssträhne an der Viktoriastraße 40. „Wir hatten zuletzt mehr Absagen als Termine“, vermeldet Friseurmeisterin Anita Krüger. Wegen der Verunsicherung ihrer Kunden müsse sie unverhältnismäßig viel Zeit in telefonische Beratungsgespräche und Terminvergaben investieren.

„Aber in der Stadt gibt es jetzt ja immer mehr Testmöglichkeiten“, sagt die 56-Jährige. „Ich denke, bei meinen Kunden spielt sich das schnell ein.“ Positiv auf das Geschäft der Friseure wird sich auch eine neue Bundesverordnung auswirken: Corona-Geimpfte und -Genesene brauchen aktuell keinen Test mitzubringen.

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