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Polizei fahndet nach mutmaßlichem Mörder

31-Jähriger in Bielefeld erschossen

Bielefeld 

Nach den tödlichen Schüssen im Brackweder Ortszentrum ist die Polizei weiter auf der Suche nach dem Täter. Am Donnerstagabend veröffentlichte die Mordkommission das Foto eines 28-Jährigen, der dringend tatverdächtig ist.

Von Jens Heinze, Christian Müller und Peter Bollig

Gedenkstätte auf dem Parkplatz hinter der Bushaltestelle Brackwede Kirche. Foto: Christian Müller/Westfalennews

Gesucht wird der Bielefelder Sinan K.  Staatsanwaltschaft und Polizei bitten um Hinweise zum Aufenthaltsort. Sie weisen  darauf hin, dass Sinan K. bewaffnet sein könnte. Wer ihn sieht, soll daher sofort die Polizei unter Tel. 0521/5450 oder Notruf 110 alarmieren und eine direkte Konfrontation mit  Sinan K. vermeiden.

Im Zentrum von Bielefeld-Brackwede sind am späten Mittwochabend auf offener Straße mehrere Schüsse gefallen, ein Mann (31) aus Bielefeld wurde lebensgefährlich verletzt und starb im Krankenhaus. Das Opfer ist Inhaber einer türkischen Teestube in Brackwede. Freunde sprachen später von einer regelrechten Hinrichtung mit einer Faustfeuerwaffe. Der Täter soll sieben Mal geschossen haben. Es soll um Geld und Betrug gegangen sein.

Die ersten Notrufe gingen gegen 21.50 Uhr ein. Zahlreiche Polizisten eilten nach Brackwede. Tatort ist ein Parkplatz neben der Bushaltestelle Brackweder Kirche. Eine Menschentraube hatte sich, nachdem die Schüsse fielen, um den am Boden liegenden Mann gebildet.

An der Hauptstraße in   Brackwede leben viele Menschen mit türkischen Wurzeln, die Teestube des 31-Jährigen Memo K. gilt als einer der Treffpunkte. Nach Informationen dieser Zeitung soll vor der Bluttat ein Streit um Geld eskaliert sein. Der 31-Jährige hat demnach zu vermitteln versucht –  ein Freund des Teestubenbesitzers soll vom mutmaßlichen Täter bei einem Geschäft um 3000 Euro betrogen worden sein.

Busfahrerin leistete Erste Hilfe

Eine 59-jährige Busfahrerin fuhr gerade mit ihrem Bus der Linie 94 die Haltestelle an und öffnete die Türen für einige Fahrgäste. „Plötzlich knallte es sieben Mal hintereinander. Ich habe mich total erschrocken und dachte erst an Feuerwerkskörper. Plötzlich sah ich, wie ein blutverschmierter Mann auf einer Bank zusammenbrach.“

Das Opfer ist ein 31 Jahre alter Mann. Der Bielefelder soll sich zuvor einige Meter zu der Bank geschleppt haben und verlor dabei viel Blut. Die 59-jährige Busfahrerin reagierte geistesgegenwärtig. „Um mich herum habe ich auf einmal nichts mehr mitbekommen. Ich rannte zu dem Mann und brachte ihn in die stabile Seitenlage. Bis die Retter eintrafen, habe ich ihn immer wieder angesprochen, damit er die Augen aufhält.“

Notarzt und Sanitäter versorgten das Opfer erst vor Ort und brachten den lebensgefährlich Verletzten dann umgehend in ein Krankenhaus. Dort erlag der 31-Jährige noch in der Nacht  seinen schweren Schussverletzungen.

Polizisten sperrten den Tatort ab und befragten Zeugen. Die Polizeispürhunde Steiger, ein sechsjähriger belgischer Schäferhund, und Jette, eine dreijährige deutsche Schäferhündin, suchten mit ihren Polizeihundeführern den Bereich ab. Dabei sollen Patronenhülsen gefunden worden sein.

Die Busfahrerin ließ eine Linienfahrt ausfallen. Zu sehr beschäftigte die Frau das Geschehene. Während sie sich noch um den angeschossenen Mann kümmerte, wurden bereits alle Bus- und Bahnfahrer in Bielefeld über Betriebsfunk von der Schießerei informiert. Die Fahrer mögen die Augen aufhalten und verdächtige Beobachtungen sofort der Polizei melden.

Mordkommission "Haupt" ermittelt

Die Obduktion des Opfers soll am Donnerstagnachmittag stattfinden. Die Polizei hat die Mordkommission "Haupt" unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Norbert Freier eingerichtet. Ermittler der Kriminalpolizei untersuchten am Abend und in den Nachtstunden den Bereich rund um die Bushaltestelle und sicherten Spuren.

Opfer (31) war "polizeibekannt"

Bei dem Opfer soll es sich nach Informationen dieser Zeitung um einen türkischstämmigen Mann handeln, der nach Angaben von Polizeisprecher Dominik Schröder "polizeibekannt" gewesen sei. Dieser 31-Jährige soll bereits diverse Straftaten begangen haben. Auch die Bielefelder Justiz hatte immer wieder mit dem Mann zu tun. Es soll wegen diverser Gewalttaten vorbestraft und dafür in Haft gewesen sein. Vor zwei Jahren soll er auf Bewährung entlassen worden sein.

Bei der Kriminalpolizei werden auch die Bilder der Videoüberwachung aus dem Bus ausgewertet. Die Ermittler erhoffen sich daraus wichtige Erkenntnisse zum Tötungsdelikt. Der mutmaßliche Täter, nach dem die Polizei fahndet, soll in einem Auto geflohen sein.

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