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Wissenschaftsrat nimmt im Auftrag der Landesregierung die Hochschulmedizin in NRW unter die Lupe

Medizinische Fakultät in Bielefeld: Ministerium will am Zeitplan festhalten

Düsseldorf/Bielefeld (dpa).  Das dicke Lob kam vorneweg: Die an sieben Universitäten in NRW verankerte Hochschulmedizin steht aus Sicht des Wissenschaftsrates »gut bis sehr gut, in Teilen absolut herausragend da«, sagte Professor Ingo Autenrieth, Vorsitzender der Gutachterkommission, am Montag in Düsseldorf. Nach 20 Jahren hat der Wissenschaftsrat die einzelnen Standorte unter die Lupe genommen – dazu die beiden geplanten neuen Hochschulstandorte Bielefeld und Siegen.

Hilmar Riemenschneider

Das Innovationszentrum »Campus Bielefeld« (ICB) der Wohnungsgesellschaft BGW an der Morgenbreede ist im Juli 2019 erföffnet worden und soll von der medizinischen Fakultät an der Universität übernommen werden. Foto: Thomas F. Starke

Das Ergebnis indes ist keine Lobhudelei, sondern ein langer Katalog von Handlungsempfehlungen und auch handfester Kritik. Zentraler Punkt: Alle bestehenden Uni-Kliniken leiden unter einem immensen Investitionsstau, an dem auch der Transfer zwischen Wissenschaft und Praxis leidet, wie Autenrieth sagte. NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen will aus dem 1500-seitige Gutachten nun konkreten Handlungsbedarf samt Zeitplan erarbeiten. »Das wird uns lange beschäftigen.« Die Hochschulautonomie bleibe aber unangetastet. Und die zunächst auf 2,4 Milliarden begrenzten Investitionsmittel für die Unikliniken will die Ministerin verstetigen.

Bielefeld: Die Pläne für eine neue medizinische Fakultät für Ostwestfalen-Lippe hält der Wissenschaftsrat zu ehrgeizig und empfiehlt, den für Herbst 2021 vorgesehenen Studienstart zu verschieben. Es brauche mehr Zeit, ein zustimmungsfähiges Curriculum und ausreichend Personal zu finden. In Augsburg habe dieser Prozess zehn Jahre gedauert, sagte Autenrieth. Zumindest sei zu prüfen, 2021 nur das Grundstudium und nicht auch noch ein Hauptstudium anzubieten. Das in Bielefeld geplante Konzept werde aber inhaltlich als »innovativ und originell« bewertet. Staatssekretärin Annette Storsberg betonte, am Zeitplan wolle das Ministerium aber festhalten.

Siegen: Das Vorhaben, 25 Medizinstudenten der Uni Bonn in Siegen zu Landärzten auszubilden, hält der Wissenschaftsrat für ineffizient und »nicht überzeugend«. Das Land solle die Pläne begraben. Storsberg betonte, nun werde geprüft, wie das Konzept anders verfolgt werden kann.

Münster: Der Sanierungsstau am Universitätsklinikum Münster sei – auch wenn er nicht beziffert wird – der höchste im Land, konstatierte Autenrieth. Zugleich steht die Universitätsmedizin vor grundsätzlichen Herausforderungen. So müssten das Max-Planck-Institut für Molekulare Biomedizin enger eingebunden und weitere Institute angeworben werden. Zu wenig integriert sei die in Münster starke Zahnmedizin. Überdies mahnte Autenrieth einen notwendigen Generationenwechsel in der Professorenschaft an, mit 17,3 Prozent gebe es zu wenig Frauen.

Bochum: Das Bochumer Modell, bei dem entfernt liegende Kliniken als Lehrkrankenhäuser an die Uni angedockt werden, hakt aus Sicht des Wissenschaftsrates daran, dass die Universitätsmedizin keinen Einfluss auf Forschung und Lehre in diesen Häusern hat. Das Land müsse hier einen Prozess moderieren, bei dem es zu verbindlichen Absprachen kommt. Mustergültig, sagte Autenrieth, sei der erst später mit Bielefelder Kliniken geschlossene Vertrag.

Stimmen zur medizinischen Fakultät in Bielefeld

Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld : »Der Wissenschaftsrat hat uns insgesamt ein sehr gutes Zeugnis ausgestellt und ist mit dem vorgelegten Konzept für die Medizinische Fakultät grundsätzlich einverstanden. Dass diese hochrangige Gutachter*innengruppe sich so positiv äußert und unseren Weg grundsätzlich bestätigt, bedeutet Rückenwind für die weiteren Planungen.«

Gründungsdekanin Professorin Dr. Claudia Hornberg : »Die Hinweise der Gutachterinnen und Gutachter sind hochwillkommen und sehr hilfreich für die weitere Konkretisierung unseres innovativen Konzeptes. Sie geben uns Sicherheit und Orientierung. Gegenüber dem Stand unseres Selbstberichts, den der Wissenschaftsrat im September letzten Jahres erhalten hat, sind wir mittlerweile schon einige Schritte weiter – ohne dass sich hier Widersprüche zu den Empfehlun-gen ergeben hätten: Wir sind auf einem sehr guten Weg.«

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann: »Die grundsätzlich positive Bewertung des Bielefelder Konzeptes zeigt, dass wir mit der Medizinischen Fakultät OWL auf dem richtigen Weg sind. Die Landesregierung und die Universität Bielefeld ziehen bei der Umsetzung an einem Strang. Nicht zuletzt aufgrund des großen Engagements der Verantwortlichen vor Ort sind wir überzeugt, dass die ersten Studierenden in einem qualitativ hochwertigen Studiengang zum Wintersemester 2021/22 beginnen können. Das ist ambitioniert, aber wie dringend wir gute Medizinerinnen und Mediziner in den ländlichen Regionen brauchen, wird bereits heute deutlich – vor allem bei den Hausärztinnen und Hausärzten. Ich bin überzeugt, dass wir mit der Medizinischen Fakultät OWL viele gute und engagierte Medizinerinnen und Mediziner dazugewinnen werden, die hoffentlich in der ärztlichen Versorgung in ländlichen Regionen tätig werden.«

NRW-Wissenschaftsministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen: »Der Universität Bielefeld ist es gelungen, innerhalb kurzer Zeit ein Konzept für eine Universitätsmedizin in Ostwestfalen-Lippe zu erstellen und weiterzuentwickeln, das vom Wissenschafts-rat grundsätzlich positiv eingeschätzt wird. Wir teilen diese Auffassung und sind allen Beteilig-ten für das bisher gezeigte große Engagement sehr dankbar. Die jetzt vorliegenden Empfehlungen werden helfen, das bisherige Konzept noch zu verbessern und einen in Forschung, Lehre und Krankenversorgung leistungsfähigen Medizinstandort aufzubauen.«

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