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Bildung in Bielefeld: Lernreport schlüsselt Stärken und Schwächen auf

Mehr Abiturienten, aber auch viele Sitzenbleiber

Bielefeld (WB). Immer mehr Schüler machen in Bielefeld Abitur. Aber der Anteil derer, die die Schule ohne Abschluss verlassen, gilt nach wie vor als (zu) hoch.

Burgit Hörttrich

Der neue Lernreport weist mehr Abiturienten, aber auch mehr Schulabbrecher aus. Foto: dpa

Die Quote derer, die die Allgemeine Hochschulreife zum Schulabschluss in der Tasche haben, liegt 2012 noch bei 37,8 Prozent, 2016 schon bei 41,4 Prozent. Ohne Abschlusszeugnis verließen 2016 5,2 Prozent des Abschlussjahrganges die Schule. Das sind Ergebnisse des kommunalen Lernreports der Stadt, der am Dienstag im Schul- und Sportausschuss und im Sozial- und Gesundheitsausschuss vorgestellt wurde. Der Bericht weist aber noch viel mehr Zahlen aus, die sich auf das lebenslange Lernen beziehen, nämlich von der Kita bis zum Studium oder zur Ausbildung.

Dr. Udo Witthaus als zuständiger Dezernent sagt, die Schuleingangsuntersuchung, der sich alle Kinder stellen müssten, böte einen Frühbefund zum Entwicklungsstand. Und der ist in Bielefeld höchst unterschiedlich. So zeige die Koordination von visueller Wahrnehmung und Bewegungsapparat große Auffälligkeiten etwa in den Grundschuleinzugsbereichen von Bückardt-, Stieghorst- und Josefschule auf (jeweils mehr als 20 Prozent der Kinder).

Damit lägen diese Werte, so erklären Niels Jösting und Susanne Beckmann (Kommunales Bildungsbüro) mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Einzugsbereiche. Beide machen darauf aufmerksam, dass inzwischen jeder vierte Erstklässler nicht an der Grundschule angemeldet würde, die eigentlich am nächsten liege. Diese Entwicklung wirke sich negativ auf das soziale Gefüge vieler Schulen aus.

Offener Ganztag

Die Stadt strebt bis 2020 an, dass 75 Prozent der Grundschüler den Offenen Ganztag besuchen sollen. Heute liege die Quote bei 60 Prozent. Auffällig sei, dass in Dornberg 76 Prozent der Mädchen und Jungen für einen OGS-Platz angemeldet sind, in Senne aber nur 39 Prozent. Witthaus sagt, dass die Entscheidung, einen Betreuungsplatz für ein Kind zu nutzen, in erster Linie mit der Berufstätigkeit der Eltern zusammenhänge.

Je höher die soziale Belastung, desto geringer sei auch die Quote derer, die von der Grundschule aufs Gymnasium wechseln würden. Diese Quote liegt im Durchschnitt bei knapp 47 Prozent, 40 Prozent der Grundschüler wechseln nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium, 33,4 Prozent auf eine Realschule.

Der Lernreport (alle Zahlen stammen aus dem Jahr 2017) weist aus, dass die Zahl der Sitzenbleiber ansteigt. Besonders in den Klassen sieben bis neun gebe es auffällig viele Wiederholer – quer durch alle Schulformen. Mehr als 600 Kinder und Jugendliche müssten pro Jahr eine Klasse wiederholen (einschließlich freiwillige Wiederholer). Mehr als 17.000 Jugendliche besuchen die Bielefelder Berufskollegs, mehr als die Hälfte von ihnen (54,4 Prozent) pendeln nach Bielefeld.

Weniger Vereinssport

In Bielefeld studieren rund 40.000 junge Menschen, 53 Prozent sind Frauen: Allerdings: Während Frauen an der Universität die Mehrheit der Studenten stellen, sind sie an der Fachhochschule klar in der Minderheit.

Zufrieden ist Witthaus mit dem sogenannten informellen Lernen, der Nutzung kultureller Institutionen und Veranstaltungen: 200.000 Theaterbesucher, 190.000 Besucher von Kunsthalle, Historischem Museum, Kunstverein und anderen Museen, 5300 Anmeldungen für die Kurse der Musik- und Kunstschule.

Sorge dagegen mache ihm die Mitgliedschaft in den 217 Bielefelder Sportvereinen. Von den Kindern bis sieben Jahren ist jedes Vierte in einem Sportverein angemeldet – auch ein Erfolg der Aktion »Sport4Kids«, die jedem Kind zu seinem vierten Geburtstag einen Jahresgutschein für die Mitgliedschaft in einem Sportverein schenkt. Das ist ein Plus von drei Prozent innerhalb von acht Jahren. Alle anderen Altersgruppe (Ausnahme » 61 Jahre und älter« mit plus 1,5 Prozent) weisen Rückgänge auf, den größten von 6,6 Prozent die Altersgruppe der Sieben- bis 15-Jährigen. Dennoch sei der Organisationsgrad mit 62 Prozent immer noch relativ hoch.

Der Lernreport, der dritte nach 2012 und 2014, solle, so Witthaus, nicht nur ein Datenkonvolut sein, sondern »über Daten zu Taten« führen: »Am Ende der Debatte sollen Handlungsempfehlungen stehen, die gemeinsames, lebenslanges Lernen für alle möglich machen.«

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