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Naturschutzverbände stellen Forderungen an Politik und Verwaltung

Mehr „Naturnähe“ im Wald

Bielefeld (WB). Der Beschluss des Umweltausschusses zum Bielefelder Waldkonzept geht nach Auffassung der vier Umweltverbände NABU-Stadtverband, BUND-Kreisgruppe, Naturwissenschaftlicher Verein sowie „Pro Grün“ zwar in die richtige Richtung, aber nicht weit genug.

Vier Naturschutzverbände plädieren für die Zukunft eines naturnahen und widerstandsfähigen Stadtwaldes. Foto: Bernhard Pierel

Einstimmig beschlossen worden war, im Stadtwald sowohl Freizeitnutzungen zuzulassen, wie auch aufzuforsten und naturnahe Flächen zu schaffen; außerdem soll eine zusätzliche Förster-Stelle eingerichtet werden.

Wenn sich der Bielefelder Kommunalwald zu mehr Naturnähe weiterentwickeln soll, gelte es, bestimmte Grundsätze einzuhalten, kritisieren die Verbände. Sie fordern eine Zertifizierung nach den Standards und Richtlinien des FSC (Forest Stewardship Council) und Naturland.

Die Verbände weisen hin auf das „Naturwaldkonzept Bielefeld“, das sie im Jahr 2012 vorgelegt hätten und zu dessen Umsetzung sich die Paprikakoalition laut Koalitionsvertrag 2014 bekannt habe. Dieses Konzept enthalte weitere quantitative Kriterien für eine konsequente kommunale Naturwaldwirtschaft, die nach Auffassung der Verbände ebenfalls im neuen städtischen Naturwaldkonzept enthalten sein müssten.

Kriterien

Die Kriterien betreffen Lage und Größe der Referenzflächen, die Erhaltung aller Bäume über 140 Jahre, das bis zum Beschluss des Konzepts befristete Moratorium zur Erhaltung aller Bäume über 100 Jahre, die Anzahl und Verteilung von definierten Altholzinseln, die gesteuerte Entwicklung von Vorratsbäumen zum Ersetzen natürlicherweise abgängiger Biotopbäume sowie die räumliche und zeitliche Gliederung von Horstschutzzonen. Im Sinne der Umsetzung der Biodiversitätsstrategie von Bund und Land fordern die Umweltverbände, schrittweise zehn Prozent des stadteigenen Waldes aus der forstlichen Nutzung zu nehmen und als Referenzflächen auszuweisen.

Eine erste Maßnahme des guten Willens sehen die Verbände die Kennzeichnung von privat gestifteten Patenbäumen, um auf diese Weise das Engagement der Baumpaten zu würdigen und zu stärken.

Der städtische Umweltbetrieb werde aufgefordert, die Ziele und Maßnahmen des „zukunftsfähigen Naturwaldkonzepts“ auch im aktuell zu erstellenden Forsteinrichtungswerk zu verankern und dieses öffentlich bekannt zu machen. Zudem müsse es als Baustein in die zu erstellende Biodiversitätsstrategie der Stadt aufgenommen werden.

Beteiligung

Die Naturschutzverbände erwarteten eine Verbände- und Bürgerbeteiligung bei der Aufstellung des Naturwaldkonzepts und des Forsteinrichtungswerks, so wie dies derzeit bei der Entwicklung des Labels „Stadtgrün naturnah“ der Abteilung Grünunterhaltung des Umweltbetriebes erfolge. Die späteren Erfolge der naturnahen Waldbewirtschaftung sollten regelmäßig erfasst, bilanziert und veröffentlicht werden, lautet ein weiterer Wunsch.

Die Naturschutzverbände fordern die Verwaltung auf, die oben genannten Kernpunkte bei der Aufstellung des „Zukunftsfähigen Naturwaldkonzepts“ zu berücksichtigen, und erwarten von der Politik, die zeitnahe Erfüllung dieser Kernpunkte einzufordern und zu beobachten.

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