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Umwelthilfe fordert die Stadt Bielefeld auf, die Mobilitätswende durch Pop-Up-Spuren als Provisorien zu beschleunigen

Mehr Platz für Fahrradfahrer

Bielefeld (WB)

Um die Mobilitätswende zu beschleunigen und Radlern kurzfristig mehr eigene Fahrspuren zu bieten, könnten in Bielefeld demnächst an vielen Stellen im Stadtgebiet so genannte Pop-Up-Radwege entstehen. Der Verein Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die Stadt jetzt aufgefordert, diese Provisorien einzurichten und Straßenflächen zu Fahrradspuren und Fußwegen umzuwidmen.

Peter Bollig

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Stadt aufgefordert, mehr Pop-Up-Radwege (hier ein Test des ADFC 2020 in der Elsa-Brändström-Straße) einzurichten. Foto: Bernhard Pierel

Zumindest für zwei Stunden hatte die Bielefelder Ortsgruppe des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) im Juni 2020 gezeigt, wie so etwas aussehen kann: Wie einen roten Teppich hatte der ADFC auf einer der vier Fahrspuren der Elsa-Brändström-Straße eine Stoffbahn als Markierung ausgerollt, die den Radlern eine 2,5 Meter breite und 150 Meter lange, gleichberechtigte Spur lieferte. Was damals nur eine kurzzeitige Aktion war, soll nach dem Wunsch der Umwelthilfe jetzt an vielen Stellen längerfristig umgesetzt werden.

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Umwelthilfe, sieht einen großen Bedarf, „den dringend notwendigen, grundlegenden Umbau der städtischen Mobilität zu beschleunigen“. Die Corona-Pandemie habe die Tendenz noch verstärkt, dass immer mehr Menschen aufs Auto verzichten und Wege lieber zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen wollten. Resch: „Bielefeld muss diese Entwicklung für mehr Klimaschutz, weniger Lärm und Unfälle sowie bessere Luftqualität durch eine bessere Infrastruktur für Rad- und Fußverkehr unterstützen.“

In Bielefeld, aber auch in 235 anderen Städten hat die Umwelthilfe vor wenigen Tagen die Umsetzung zunächst dieser provisorischen Radwege beantragt. Weil sie sehr kurzfristig im Straßenraum eingerichtet werden und somit plötzlich auftauchen, heißen sie „Pop-Up-Radwege“. Ebenso fordert die DUH eine Begrenzung der Höchstgeschwindigkeit im gesamten Nebenstraßennetz auf 30 Stundenkilometer oder weniger.

Nahmobilitätsbeauftragte Barbara Choryan

Der Umwelthilfe geht die Mobilitätswende nicht schnell genug. In der Regel nähmen sich Städte zwei bis zehn Jahre Zeit, um Fahrradwege zu planen und zu bauen. Dass es auch schneller gehe – innerhalb weniger Wochen oder Monate – hätten Städte gezeigt, die Pop-Up-Radwege schon eingerichtet hätten.

Dass das nicht immer so einfach ist, machte die Bielefelder Nahmobilitätsbeauftragte Barbara Choryan klar. Um sichere Radwege hinzubekommen, müssten oft Ampeln umprogrammiert werden. „Die Kreuzungen sind oft die Knackpunkte“, sagt sie dem WESTFALEN-BLATT, da seien Provisorien schwierig. Gleichwohl dürfte es auch in Bielefeld geeignete Strecken geben. Barbara Choryan sieht eine mögliche Auswahl in denjenigen Strecken, die unlängst in Abstimmung mit Radfahrverbänden wie dem Bielefelder Radentscheid im neuen Radverkehrskonzept benannt wurden. „Das könnte eine Grundlage sein“, möglicherweise könnten daraus Abschnitte im Rahmen eines Provisoriums vorgezogen, vielleicht noch in diesem Jahr eingerichtet werden.

Allerdings muss zuvor die Politik zustimmen, der man entsprechende Vorschläge für konkrete Strecken machen wolle. Wie ein provisorischer Radweg aussehen könnte, sei aber noch nicht klar, sagt Barbara Choryan. „Wir wollen in anderen Städten sehen, wie der Rad- vom Autoverkehr sicher getrennt werden kann.“ Es müsse gewährleistet sein, dass Trennungen nicht verschoben werden können. Sie müssten also fest eingebaut oder aufgeklebt werden.

Die Deutsche Umwelthilfe hat die Stadt Bielefeld aufgefordert, bis zum 12. März Stellung zu nehmen. Eine schnelle Umsetzung, so wie die Umwelthilfe sich das vorstelle, sagt die Nahmobilitätsbeauftragte, gehe aber wohl nicht.

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