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DAK-Report weist auf regionale Unterschiede hin – Kosten ein Problem

Mehr stationäre Pflege in OWL als im Rheinland

Bielefeld (WB). Wer pflegebedürftig wird, bekommt seit 25 Jahren Unterstützung durch die Pflegeversicherung. Ob nun stationäre Pflege oder eine Betreuung in den eigenen vier Wänden – es gibt in NRW regionale Unterschiede. So ist in Ostwestfalen-Lippe der Anteil der Pflegebedürftigen, die im Heim versorgt werden, deutlich höher als im Rheinland.

Paul Edgar Fels

Über 50 Prozent der Pflegebedürftigen werden ausschließlich durch An- und Zugehörige in ihrem eigenen Haushalt versorgt. In OWL ist dieser Anteil abgesehen vom Kreis Höxter niedriger. Dafür ist hier der Anteil der stationären Pflege höher als im Rheinland. Foto: dpa

Das geht aus dem aktuellen Pflegereport der Krankenkasse DAK hervor, den die Kasse auf Basis einer Umfrage sowie einer Datenauswertung ihrer 1,1 Millionen Versicherten in NRW am Montag veröffentlichte. Die Zahlen – hier vor allem bezogen auf die Jahre 2016 bis 2019 – gelten als repräsentativ.

Kreis Höxter ist eine Ausnahme

Im Norden und Nord-Osten von NRW sei der Anteil der stationären und teilstationären Pflege wesentlich höher, heißt es in dem Bericht. „So werden beispielsweise im Kreis Lippe 42 Prozent, in Heinsberg hingegen nur 24 Prozent in Heimen und Einrichtungen betreut“, berichtete die DAK. Im Rheinland würden insgesamt deutlich mehr Pflegebedürftige im eigenen Haushalt durch Angehörige versorgt, als etwa in Westfalen-Lippe – mit einer Ausnahme: Im Kreis Höxter wird fast jeder zweite Bedürftige (47 Prozent) durch Angehörige gepflegt. Im NRW-Schnitt sind es knapp 50 Prozent. In Bielefeld und den Kreisen Gütersloh und Lippe liegt dieser Anteil zwischen 26 und 40 Prozent. Exakte Zahlen liefert der Bericht nicht.

Gründe für die Differenzen werden in dem Report nicht genannt. Ein Aspekt aber dürften die unterschiedlich hohen Kosten der vollstationären Pflege sein. So liegt die finanzielle Belastung eines Pflegebedürftigen monatlich in OWL im Schnitt zwischen rund 1800 und 2300 Euro und damit unterhalb des NRW-Durchschnitts von etwa 2500 Euro. Im Rheinland und der Region Aachen betragen die Kosten dagegen bis zu 3200 Euro. Im Bundesdurchschnitt sind es 1940 Euro. Dabei liegt der Eigenanteil der Betroffenen in NRW bei monatlich rund 780 Euro.

„Die Kosten der Pflege sind in NRW, dem Bundesland mit denvergleichsweise höchsten Belastungen in den stationären Einrichtungen, aus Sicht der Bevölkerung ein Problem“, stellte die DAK fest. Zwei Drittel der Befragten gaben an, die Pflege selbst zu übernehmen, da sie sich Hilfe von außen nicht leisten könnten. Nur 24 Prozent meinten, dass Kinder für die Pflegekosten der Eltern aufkommen müssten. In NRW meinte knapp die Hälfte der Befragten, dass die Pflegebeiträge steigen werden, aber nur ein Viertel sei bereit, diese auch zu zahlen.

Qualität von Pflegeheimen und Pflegediensten als „gut“ bezeichnet

Laut der von dem Pflegeexperten Prof. Thomas Klie verfassten Studie werden in NRW gut 74 Prozent aller auf Pflege angewiesenen Menschen in der eigenen häuslichen Umgebung von Pflegern, Angehörigen oder beiden versorgt. „Damit liegt Nordrhein-Westfalen recht hoch im Grad der häuslichen Versorgung“, heißt es in der Studie des Wissenschaftlers von der Evangelischen Hochschule Freiburg. Bei der Qualitätseinschätzung der Pflege vor Ort sähen die Bürger dort den Mangel an Fachkräften als Problem. Die Qualität von Pflegeheimen und Pflegediensten werde von knapp der Hälfte der Bevölkerung als „gut“ bezeichnet.

Die 1995 eingeführte Pflegeversicherung soll unterstützen, wenn Menschen pflegebedürftig werden. Dies sieht der Leiter der DAK-Landesvertretung in NRW, Klaus Overdiek, aber kritisch. „Aktuell verfehlt die Pflegeversicherung ihren Gründungsgedanken, die Menschen im Pflegefall vor einem Armutsrisiko zu bewahren und die Kosten der Pflege fair zwischen Beitragszahlern, Steuerzahlern und Pflegebedürftigen zu verteilen“, meinte Overdiek und mahnte bei der Politik weitere Maßnahmen an. Es gebe genug Ansatzpunkte für Reformen.

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