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Neues Theaterfest der Freien Theater Bielefelds feiert gelungene Premiere

Menschenhandel und Leierkästen

Bielefeld (WB). Militante Tierschützer, einsame Schatten, gegen Windmühlen kämpfende Helden und seltsame Ehepaare begegneten den Besuchern am Wochenende bei der Premiere von »Außer Haus«.

Kerstin Panhorst

Die Abenteuer des legendären Don Quichotte bringen die Canaillen-Bagage auf die Openair-Bühne vor dem Theaterhaus. Foto: Panhorst

15 Jahre lang präsentierten sich die Freien Theater Bielefelds zuvor mit der »Nachtreise«, nachdem die Stiftung der Sparkasse ihre Förderung des Projektes einstellte, riefen sie mit »Außer Haus« kurzerhand ein neues Theaterfest ins Leben.

Mehr als 200 Karten gingen bereits im Vorverkauf weg, an der Abendkasse nutzten noch einmal so viele Besucher die Möglichkeit sich die verschiedenen Freien Theater Bielefelds einmal außerhalb ihrer gewohnten Spielstätten anzusehen. Im und um das Tor-6-Theaterhaus herum spielten gleichzeitig auf mehreren Bühnen draußen, in den Studios 1 und 2, im Foyer und im Saal verschiedene Ensembles Ausschnitte ihrer aktuellen Inszenierungen.

Mit den verschiedenen Formen von Angst und dem großen Thema Menschenhandel beschäftigte sich die Jugendtheaterproduktion »Hautnah« des Alarmtheaters während Dagmar Selje von den Bielefelder Puppenspielen in »Ophelias Schattentheater« nicht nur Schatten, sondern auch die Puppen tanzen ließ.

Nur wenige Schritte auseinander

Modernes Schauspiel, Musik-, Tanz-, Straßen- und Figurentheater, Kindertheater, Walkacts, Performances und Comedy lagen dank der Ausschnitte auf verschiedenen Bühnen nur wenige Schritte auseinander, von schweren Inhalten bis witzigen Lachnummern wurde den Zuschauern alles geboten.

Draußen kämpfte Don Quichotte in einer Inszenierung der Canaillen-Bagage gegen Windmühlen, drinnen bot Thomas Behrend vom Theaterlabor mit »Einer der ganz Großen« seine Karikatur eines schlechten Menschen. Die Niekamp Theater Company sang in der »Bettleroper« schmissige Lieder am Leierkasten, das Mobile Theater entzündete mit »Die italienische Nacht« unterdessen ein Feuerwerk der Opernliteratur.

In der theatralen Intervention »The time is now« des Theaterlabors zogen die mitwirkenden Bewohnerinnen des Mutter-Kind-Hauses der Fürstin Pauline Stiftung in Detmold die Zuschauer in ihren Bann, während das Kleine Theater im »Rotkäppchen-Report« Rotkäppchen und den Wolf als Paar präsentierte.

Menschen und Meinungen treffen aufeinander

Mit menschlichen Paarungen setzte sich das Tunneltheater in seinen »Erfrischenden Betrachtungen über die Ehe« auseinander, und das Volxtheater der Theaterwerkstatt Bethel vollzog den Befreiungsschlag in »Über_Grenzen« und ließ in der Volxperformance »Kollision« Menschen und Meinungen aufeinanderprallen.

Zudem machte auch Heinz Flottmann seine Aufwartung, das Forum für Kreativität und Kooperation widmete sich mit dem preisgekrönten Stück »Kaspar Häuser Meer« dem irrwitzigen Alltag von drei Sozialarbeitern, und das Trotz-Alledem-Theater nahm das Publikum mit »In 80 Tagen um die Welt«.

Kürzer ging es hingegen mit dem neuen Festival durch die Vielfalt der Freien Theaterszene, bei dem die Besucher in nur wenigen Stunden eine kurzweilige Reise durch 14 Inszenierungen machen und sich einen guten Überblick über das in Bielefeld auch jenseits der städtischen Bühnen herrschende kreative Angebot verschaffen konnten.

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