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Auseinandersetzung bei Konzert in Bielefeld

Messerstecherei auf dem Kesselbrink

Bielefeld

Während eines Livekonzertes unter dem Motto „Nazifrei in den Mai“ ist es am Samstagabend auf dem Bielefelder Kesselbrink zu einer blutigen Auseinandersetzung gekommen, in dessen Verlauf ein 21-Jähriger eine Schnittwunde erlitt. Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art auf dem zentralen Platz.

Von Jens Heinze und Christian Müller

Der Kesselbrink (links im Bild das Polizei-Hochhaus) gilt nicht als "die gute Stube" Bielefelds und sorgt immer wieder für Negativ-Schlagzeilen. Foto: Thomas F. Starke

Die Rettungskräfte wurden gegen 21.10 Uhr alarmiert. Während des Konzertes, das etwa 2000 bis 2500 Menschen besuchten, soll es zu einer Schlägerei zwischen etwa 20 Personen gekommen sein. Ein Mann ging dabei zu Boden. Notarzt und Sanitäter fanden den verletzten 21-Jährigen  mit einer Schnittwunde vor.

Er wurde medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus gebracht. Lebensgefahr sei ausgeschlossen, so ein Polizeisprecher.

Polizisten sperrten den Tatort mitten auf dem Kesselbrink ab. Von einem Tatverdächtigen und den Beteiligten der Schlägerei fehlt jede Spur. Eine Fahndung ergab am Samstagabend keine Hinweise.

Das Motiv der Tat ist Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Die Kriminalpolizei bittet Zeugen, sich bei der Bielefelder Polizei unter Tel. 0521/5450 zu melden.

Der Kesselbrink hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Messerstechereien und Schlägereien für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Der zentrale Platz in der Bielefelder Innenstadt gilt neben dem Hauptbahnhof als Treffpunkt der Drogen- und Alkoholikerszene.

Dagegen hatte Bielefelds ehemalige Polizeipräsidentin Dr. Katharina Giere (seit einem Monat im Ruhestand) erklärt, der Kesselbrink sei kein Kriminalitätsbrennpunkt. Objektiv bestehe  keine besondere Gefahr für Bürgerinnen und Bürger. Kriminalität lasse sich jedoch in einer Stadt wie Bielefeld, in der eine Vielzahl von Menschen aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen auf innerstädtischen Flächen aufeinandertreffe, nicht gänzlich auf null reduzieren.

Die Öffentlichkeit hat allerdings eine andere Wahrnehmung vom Kesselbrink. Nach einer Gewalttat mit Schlägerei und Messerstecherei wie an diesem Samstag haben in der Vergangenheit mehrfach Mordkommissionen der Bielefelder Polizei ermittelt. Das war unter anderem im Juli vergangenen Jahres und im Oktober 2017 der Fall.

Nach der Bluttat im vergangenen Juli begann in Bielefeld eine große Diskussion um die Sicherheit auf dem Kesselbrink. Gewaltdelikte, Drogenhandel und Saufgelage - die Polizei müsse stärker durchgreifen, lautete die Forderung der CDU.

Seit Dezember ist der Kesselbrink Treffpunkt für die 14-tägigen Aufzüge der Impfgegener und Kritiker der Coronamaßnahmen. Bis zu 4000 Menschen kamen im Winter zeitweise zu diesen Demos durch die Bielefelder Innenstadt. Inzwischen hat das Interesse deutlich nachgelassen.

Anfang diesen Jahres machte der Kesselbrink Schlagzeilen in ganz anderer Sache. Die Stadt Bielefeld will den Platz - teilweise - überdachen. In einer Testphase soll es mobile Schirme geben, die die Besucher zum Schutz vor Regen und Sonne ausleihen können.

Der Bielefelder Verkehrsverein kündigte Anfang April an, den zentralen Platz wieder mit Leben erfüllen zu wollen. In der zweiten Jahreshälfte sollen dort wieder verstärkt Konzerte, Events, kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen angeboten werden.

Zuletzt sorgte der Auftritt von Vizekanzler Robert Habeck am 25. April auf dem Kesselbrink für bundesweite Schlagzeilen. Bei einer Veranstaltung für den Landtagswahlkamp der Grünen wurde Habeck mit Rufen wie „Frieden schaffen ohne Waffen“ und „Kriegstreiber, Kriegstreiber“ massiv gestört.

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