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49 Jahre alter Litauer vor Gericht – Lager in Bielefeld und Delbrück

Millionen Zigaretten gefälscht

Bielefeld (WB/fw). Eine internationale Bande fälschte über Monate mehr als 17 Millionen Zigaretten und verkaufte diese illegal in europäische Länder. Wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe muss sich seit Mittwoch ein 49 Jahre alter Mann aus Litauen vor dem Landgericht Bielefeld verantworten.

Zigaretten der Marke Marlboro hat eine international agierende Bande gefälscht. Sie betrieben Lager in Bielefeld und Delbrück. Foto: dpa

Mehr als 30 Menschen sollen zwischen Februar und Oktober 2014 an der Produktion und dem Vertrieb von Millionen Zigaretten beteiligt gewesen sein. In den Niederlanden und in Belgien hatte die Bande Produktionsstätten errichtet – und die gefälschte Ware in europäische Länder vertrieben. Lager sollen sich unter anderem in Bielefeld-Sennestadt und in Delbrück befunden haben.

Band flog bereits im Jahr 2014 auf

Aufgeflogen war die Zigarettenmafia bereits vor fünf Jahren, am 14. Oktober 2014. Der Kopf der Bande wurde festgenommen und zu sieben Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Mittlerweile ist der Spediteur auf freiem Fuß.

Wenige Wochen vor der Entlassung des Hauptangeklagten ging den Fahndern am 23. Mai 2019 der 49 Jahre alte Litauer ins Netz, der mit einem europäischen Haftbefehl gesucht wurde. Der Kraftfahrer sitzt seitdem in Untersuchungshaft. 29-fache Steuerhinterziehung wirft die Staatsanwaltschaft Bielefeld dem dreifachen Familienvater vor. Der Steuerschaden soll bei 10,7 Millionen Euro liegen.

Kommunikation mit Hilfe eines verschlüsselten Chats

Die Bande ging äußerst vorsichtig vor. Kommuniziert wurde mit Hilfe eines SMS-Chats, der über einen Anbieter in Moldawien verschlüsselt worden sein soll. Die Bandenmitglieder gaben sich Codenamen, nannten sich »Junge« oder »Dicker«.

Der angeklagte Litauer soll unter dem Pseudonym »Sänger« agiert haben. In einer von seiner Anwältin verlesenen Erklärung stritt er ab, diese Person zu sein. »Ich kann gar nicht singen und niemand hat mich bisher Sänger genannt.«

Angeklagter saß in den Niederlanden in Untersuchungshaft

Für die Justiz in den Niederlanden, wo der Angeklagte viele Jahre gelebt hatte, ist der 49-Jährige aber kein unbeschriebenes Blatt. Wegen Zigarettenschmuggels saß er schon einmal in Untersuchungshaft.

Zudem leugnete er nicht, den bereits verurteilten Chef der mafia-ähnlich strukturierten Organisation gekannt zu haben. Von ihm habe er sich unkompliziert Geld für seine Geschäfte geliehen. Nächster Verhandlungstermin ist am 5. November. Es sind zehn Verhandlungstage angesetzt.

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