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Uniformierter Streifenbeamter soll Brackweder an Kopf und Schulter verletzt haben

Misshandlungs-Vorwurf gegen Polizisten

Bielefeld (WB). Ein Bielefelder (21) erhebt schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Ein Streifenpolizist des hiesigen Polizeipräsidiums soll ihn vor Zeugen bei einem Einsatz geschlagen, misshandelt und verletzt haben. Der 21-Jährige will, dass der Uniformierte strafrechtlich belangt wird. Das Polizeipräsidium Bielefeld sagt, dass sich der 21-Jährige dem Polizisten massiv widersetzt habe.

Jens Heinze

Auf dem Hof der Brackweder Südschule soll es am Abend des 2. Dezember bei einer Kontrolle zum Übergriff eines Streifenpolizisten auf einen 21-jährigen Bielefelder gekommen sein. Der junge Mann lässt über seinen Anwalt Strafanzeige erstatten. Foto: Thomas F. Starke

Unbestritten von beiden Seiten ist, dass es am Montag, 2. Dezember, gegen 22.30 Uhr einen Polizeieinsatz auf dem Hof der Südschule an der Wilhelm-Thielke-Straße in Brackwede gegeben hat. Nach einer Sachbeschädigung an einem Auto habe es einen Zeugenhinweis gegeben, sagte Polizeisprecherin Sonja Rehmert auf Anfrage. Die Polizisten hätten drei junge Männer kontrollieren wollen.

Das stimmt, sagt der 21-Jährige Bielefelder. Er habe sich auf dem Rückweg vom Sport nachts mit zwei Freunden auf dem Schulhof treffen wollen. Dabei sei er direkt auf die bereits laufende Polizeikontrolle zugekommen.

Polizei rückt mit mehreren Streifenwagen an

Die mit mehreren Streifenwagen angerückten Polizisten hätten die Ausweise verlangt, erinnert sich der junge Staplerfahrer. Die Uniformierten hätten ihn und seine Freunde auch auf dem Schulhof fotografiert, sagt der 21-Jährige. Dies sei mit den Ermittlungen begründet worden.

Plötzlich habe ihn ein Polizist an der Kapuze seiner Winterjacke weggezogen und gegen einen Streifenwagen gedrückt – angeblich, um die Gruppe der drei jungen Männer zu trennen. „Ich habe dem Polizisten drei oder viermal gesagt, er solle sich beruhigen“, erzählt der Staplerfahrer. Er habe sich wegdrehen wollen, um sich aus dem Griff zu lösen: „Der Polizist holte mit einer Faust aus. Ich habe mich instinktiv geduckt, die Faust traf mich am Hinterkopf.“

Dann sei er zu Boden gebracht worden. „Der Polizist hat nur versucht, mir weh zu tun“, sagt der Bielefelder. Man habe ihn an den Handgelenken und an den Füßen gefesselt. Die Handschellen seien auf dem Rücken so eng angelegt worden, dass sie sich in seine Gelenke geschnitten hätten. Zudem habe der Polizist ihm den kleinen Finger der linken Hand so heftig umgedreht, dass der Finger angeschwollen sei. Später habe sich der Uniformierte mit einem Bein auf sein Gesicht gekniet.

Wunden seien nicht ärztlich untersucht worden

„Ich habe vor Schmerzen geschrien und geweint“, erinnert sich der 21-Jährige. Als er am Boden liegend die Dienstnummer des Beamten verlangte und mit einer Strafanzeige wegen Körperverletzung drohte, habe der Polizist „Halt die Schnauze!“ gebrüllt, seinen Kopf an den Haaren gepackt und auf den Boden geschlagen. Mit den gefesselten und geschwollenen Händen auf dem Rücken sei er mit einem Gefangentransporter der Polizei ins Präsidium gefahren und dort in eine Zelle gesperrt worden, erzählt der Staplerfahrer. Später habe man ihn freigelassen. Seine Wunden in der rechten Gesichtshälfte und seine schmerzende rechte Schulter seien nicht ärztlich untersucht und behandelt worden.

Noch in der selben Nacht versuchte der 21-Jährige vergeblich, in zwei Bielefelder Polizeiwachen Strafanzeige gegen den Uniformierten, der ihn verletzt haben soll, zu erstatten. Mit dem Satz „Da ist keine Straftat passiert.“ sei die Anzeige beim ersten Mal zurück gewiesen worden, sagt der Bielefelder. In der anderen Wache habe ein Polizist gesagt, dass der 21-Jährige wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte angezeigt worden sei. „Der Polizist hat mir erzählt, dass es bei Widerstand erlaubt ist, dass die Polizei einen hauen und festnehmen darf“, berichtet der Staplerfahrer. Er könne nicht auf die Widerstandsanzeige der Polizei mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gegen einen Polizisten reagieren, soll ihm in der Wache erklärt worden sein.

„Ich habe Zeugen.“

„Ich habe Zeugen. Meine beiden Freunde haben auf dem Schulhof alles gesehen“, sagt der 21-Jährige. Er lässt sich jetzt von Rechtsanwalt Dr. Detlev Binder vertreten. Der Jurist kündigt noch vor Weihnachten eine Strafanzeige wegen Körperverletzung im Amt gegen den Polizisten an, der den Staplerfahrer misshandelt haben soll.

„Die Angaben meines Mandanten zum Geschehen klingen glaubwürdig“, sagt Rechtsanwalt Binder. Die Gesichtsverletzungen des Staplerfahrers seien sowohl auf Beweisfotos als auch mit einem ärztlichen Attest dokumentiert.

Dass die Polizei zweimal keine Anzeige vom 21-Jährigen aufnehmen wollte, könne als Strafvereitelung gewertet werden.

Die Kopfverletzungen des 21-Jährigen Foto:

Das sagt die Polizei

Polizeisprecherin Sonja Rehmert gab auf WESTFALEN-BLATT-Anfrage folgende Stellungnahme ab: „Am Montag, 02.12.2019, kam es gegen 22.30 Uhr zu einem Polizeieinsatz auf einem Schulgelände an der Wilhelm-Thielke-Straße in Brackwede. Nach einem Zeugenhinweis zu einer Sachbeschädigung an Kfz wurde dort eine Gruppe von drei jungen Männern von der Polizei kontrolliert.

Nach den bisherigen Erkenntnissen kam es im Rahmen der Personenkontrolle, bei der sich zwei Männer vom Kontrollort zu entfernen versuchten, zu Widerstandshandlungen eines 21-jährigen Bielefelders gegen einen eingesetzten Polizeibeamten. Der Mann wurde daraufhin zu Boden gebracht, aufgrund seiner massiven Gegenwehr an Händen und Füßen fixiert und zur Verhinderung weiterer Straftaten in Gewahrsam genommen.

Darüber hinaus liegt beim Polizeipräsidium Bielefeld ein Bericht zu dem Vorwurf des 21-Jährigen gegen die an dem Einsatz beteiligten Polizeibeamten wegen Körperverletzung im Amt vor. Der Bericht wird zur rechtlichen Bewertung an die Staatsanwaltschaft Bielefeld übersandt.“

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