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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Vater und drei Söhne eines Jesidenclans

Mit 200 Kilo Drogen gedealt

Bielefeld (WB). Sie sollen mit mehr als 200 Kilo Rauschgift gehandelt und dabei mehr als eine dreiviertel Million Euro verdient haben : Die Staatsanwaltschaft hat gegen den Chef (53) eines als hoch kriminell bekannten Bielefelder Clans und drei seiner Söhne (19/32/33) Anklage erhoben. Die allesamt in Untersuchungshaft sitzenden Kurden jesidischen Glaubens sollen sich vor der 3. Großen Strafkammer des Landgerichtes Bielefeld verantworten.

Jens Heinze

Symbolbild. Foto: dpa

Der erste Prozess läuft schon

Im Zuge der Ermittlungen wegen der Drogenkriminalität stellten Kripofahnder fest, dass Cihan M. (33) auch zwei Einbrüche begangen haben soll. Am 11. Juli und am 31. Dezember 2018 soll er mit Komplizen in Wohnungen in Kirchdornberg und in Halle eingebrochen sein. Die Beute war jeweils fünfstellig. Teile des Diebesgutes wie eine Rolexuhr, eine Luftpistole und ein Versace-Schal wurden am 16. März bei der Durchsuchung des Hauses des Jesidenclans im Bielefelder Westen sicher gestellt.

Seit Freitag muss sich Cihan M. wegen dieser Einbrüche vor einem Bielefelder Schöffengericht verantworten. Der 33-Jährige sagte kein Wort. Der Prozess mit aufwendiger Beweisführung wird am 6. September fortgesetzt.

Blutrache-Mord vor dem Bielefelder TÜV, illegaler Waffenbesitz von der Pumpgun bis zur Pistole, eine Schussabgabe mit einer lebensgefährlich verletzten Frau und immer wieder Verurteilungen wegen Drogenkriminalität – dafür ist die kurdisch-jesidische Großfamilie M. seit fast zwei Jahrzehnten in Bielefeld bekannt und gefürchtet.

Am 16. März dieses Jahres sorgten die massiv vorbestraften Clanmitglieder wieder für Aufsehen. Dutzende Polizisten, darunter schwer bewaffnete Spezialeinsatzkräfte, durchsuchten stundenlang das Haus der jesidischen Großfamilie im Bielefelder Westen. Die Fahnder stellten die Restbestände der gedealten Drogen sicher – mehr als 60 Kilo Marihuana, Haschisch und Kokain.

Seit mindestens Anfang 2015, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, sollen Clanchef Adil M. und seine Söhne Cihan (33), Özgür (32) und Diyar (19) Rauschgiftgeschäfte im großen Stil betrieben haben. In Spenge – dort war Cihan M. offiziell gemeldet, der tatsächlich an der Apfelstraße wohnte – soll der Clan versucht haben, eine eigene Drogenplantage anzulegen.

Cihan M., eigenen Angaben zufolge seit seinem 12. Lebensjahr drogensüchtig, ist wie andere Mitglieder seiner Familie wegen Drogendelikten massiv vorbestraft. Der 33-Jährige steht aktuell wegen Einbrüchen vor dem Amtsgericht.

Am Freitag wurde dem Bielefelder ein zweiter Haftbefehl wegen der mutmaßlichen Rauschgifttaten verkündet.

Ebenfalls vor dem Landgericht angeklagt ist ein Komplize (31) des Jesidenclans. Dieser Deutsch-Türke soll massiv an den Drogendeals beteiligt gewesen sein. Vor ihren Verhaftungen standen die Angeklagten lange im Visier der Kripo. Autos und Telefone der Verdächtigen waren verwanzt, die Ermittler überwachten jeden Schritt.

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