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Klaus Brinkmann schließt vor Weihnachten seinen Fachbetrieb in Bielefeld-Schildesche

Mit 84 Jahren endet die Schuhmacher-Ära

Bielefeld (WB). Aufhören wollte er nicht. Aber das aufrechte Arbeiten an den Maschinen in der Werkstatt machte seine Knochen mürbe: „Ich kann nicht mehr lange auf den Beinen stehen“, bedauert Klaus Brinkmann. Der 84-Jährige hat daraus die Konsequenz gezogen und schließt nun seinen kleinen, alteingesessenen Schuhmacher-Fachbetrieb.

Volker Zeiger

Schuhmachermeister Klaus Brinkmann (84) schließt am 20. Dezember seinen Betrieb an der Beckhausstraße und will sich endlich ausruhen – vielleicht auch neben Andenken wie der vom Vater übernommenen Nahtnähmaschine und dem polierten Stiefel aus Messing. Foto: Volker Zeiger

„Ich mache meinen Beruf gerne“, erklärt der Schildescher und bedauert doch ein wenig, dass er die tägliche Arbeit an abgetretenem Schuhwerk beenden will. Geboren wird er in Bethel, zieht als Einjähriger mit den Eltern nach Schildesche an die Beckhausstraße, Ecke Am Vorwerk, wo sein Vater Paul ein Haus gebaut hatte. Hier eröffnet Schuhmachermeister Paul Brinkmann einen Schuhmacher-Fachbetrieb. Seinem Sohn Klaus gefällt das Berufsbild. Er beginnt 1952 in Bethel die passende Lehre, während der väterliche Betrieb um Werkstatt und Laden vergrößert wird.

Deutsch-amerikanische Schuhreparatur-Werkstatt

Nach der Gesellenprüfung kommt Klaus Brinkmann in den väterlichen Betrieb. Im Alter von 20 Jahren lernt er die 19-jährige Annemarie Lässig, gebürtige Dresdnerin, kennen. Beide heiraten vier Jahre später. Sie interessiert sich für die Schuhmacherei. Kein Wunder: „Mein Vater war Schuhmachermeister und hatte in Dresden das Geschäft namens ‚Deutsch-amerikanische Schuhreparatur-Werkstatt’“, erklärt Annemarie Brinkmann. Aber in die Fußstapfen des Vaters einzutreten, das mochte sie nicht, sie wird Großhandelskauffrau.

Im Jahr 1966 – acht Jahre nach der bestandenen Meisterprüfung – übernimmt Klaus Brinkmann die Schuhmacherei vom Vater und bekommt dessen erste Nahtnähmaschine geschenkt, eine aus der Produktion der Bielefelder Adler-Werke. Das Schätzchen, „das noch hervorragend funktioniert“, wie Klaus Brinkmann sagt, steht als Blickfang im Schaufenster des Ladens. An der Wand hängen die Meisterbriefe von Vater und Sohn und Klaus Brinkmanns „diamantener Meisterbrief“. Brinkmann ist einer von nur noch vier selbstständigen Meistern seines Fachs in Bielefeld, die Innungsmitglieder sind.

Am 20. Dezember letztmals geöffnet

„Am 20. Dezember ist mein Geschäft letztmals geöffnet“, verkündet Klaus Brinkmann. Die Reparaturaufträge für ein Dutzend Schuhe – neue Absätze draufsetzen oder komplettes Besohlen – will er bis dahin erledigt haben. Danach sind Ausruhen und Abschalten angesagt. Weihnachten kommt die Großfamilie – zwei Söhne, fünf Enkel – in Schildesche zusammen.

Im neuen Jahr will Brinkmann nachholen, was bisher zu kurz kam: das Lesen, und er will von Woche zu Woche längere Strecken gehen oder wandern –der Knochen wegen“. Ehefrau Annemarie will ihn begleiten. „Das habe ich mir auch vorgenommen“, sagt sie.

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