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Projekt Beatz4owl hilft 15- bis 25-Jährigen in schwierigen Lebenssituationen

Mit Musik, Sport und Spiel aus der Krise

Bielefeld (WB). Jugendliche in Lebenskrisen brauchen Hilfe, ergreifen jedoch nur selten selbst die Initiative. Beatz4owl heißt ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer in Jugendarbeit engagierter Vereine und Verbände, die mit ungewöhnlichen Angeboten Jugendliche ansprechen und zum Mitmachen auffordern.

Kerstin Sewöster

Sie machen Beatz4owl möglich (von links): Oliver Wittler, Daniel Stänicke, Ulrich Böhm, Beate Scigala-Blatt, Olaf Seeliger, Vivien Haberling und Christine Meier. Foto: Bernhard Pierel

Über Themen wie Hip-Hop, Rap, Breakdance, Sport (Calithenics) und auch mit digitalen Spielen bekommen die Pädagogen Zugang zu den Jugendlichen – und umgekehrt erleben die jungen Leute Erfolge, was ein erster Schritt sein kann auf dem Rückweg in den Bildungsprozess oder die Arbeitswelt. Neben dem Jobcenter sind auch die Rege, das Jugendamt, der Verein BAJ und Creos Lernideen bei dem Projekt mit im Boot.

Die Schwierigkeiten, die Jugendlichen aus der Bahn werfen können, sind vielfältig. Jan ist von sechs Schulen geflogen und hat sich selbst aus der Erziehungshilfe entlassen. Arshia verbrachte Stunden in seinem Zimmer, hörte depressive Musik, ritzte sich und besuchte nur sporadisch die Schule. Und Onucan führte einen Kampf mit sich selbst, wusste nicht, wie er sich in seiner neuen Schule, wo er das Fachabitur machen wollte, öffnen sollte. „Das war wie ein Teufelskreis. Ich wachte jeden Morgen auf und fragte mich ‘was stimmt nicht mit mir?’“

Das sind nur drei Beispiele junger Menschen, die über Beatz4owl einen neuen Blick auf ihr Leben bekommen haben. Über das Projekt, das Anfang 2019 gestartet war, wurden 117 Jugendliche angesprochen, 42 nahmen schließlich teil. Durchschnittlich verweilen die Jugendlichen sieben bis zehn Monate in dem Projekt. Es wird davon ausgegangen, dass fünf Prozent aller 15- bis 25-Jährigen in schwierigen Lebensphasen stecken und nicht an Bildungsangeboten teilnehmen.

Teamarbeit erlernen

Für Onucan war Musik der Ausweg. „Wenn ich den Rhythmus habe und rappe, geht es mir besser“, sagt der heute 20-Jährige. Aktuell sucht er einen Ausbildungsplatz; er möchte als Fachkraft im Fahrbetrieb der Stadtwerke arbeiten. Auch der 18-jährige Arshia hat dank Sport und Musik wieder Fuß gefasst, will die elfte Klasse wiederholen und sein Abitur machen. „Ich war damals ein Lappen, jetzt ich will mich verändern“, sagt er.

Ganz gleich ob beim Computerspiel oder im Tonstudio – mit Beatz4owl werden die Jugendlichen an eine Tagesstruktur herangeführt, lernen im Team zu arbeiten und Verantwortung zu übernehmen. Wichtige Schritte raus aus der Isolation.

Vor Beatz4owl gab es bereits das Pilotprogramm Respekt, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales finanziert wurde. Die Resonanz war so gut, dass die Vereine BAJ, Creos Lernideen und Beratung GmbH die Unterstützung für junge Menschen in schwierigen Lebenslagen in Bielefeld fortsetzen wollen. Beatz4owl läuft bis Ende 2020, doch BAJ-Geschäftsführer Dr. Markus Schäfer geht davon aus, dass das Projekt fortgeführt wird. Und er sieht es auch als eine Art Entwicklungswerkstatt. Ein Ziel sei zum Beispiel künftig auch noch mehr Mädchen und jungen Frauen anzusprechen, die bislang nur vereinzelt teilnehmen.

Mehr Hilfen benötigt

Beate Scigala-Blatt, stellvertretende Geschäftsführerin im Jobcenter, das das Projekt zu 80 Prozent finanziert, sieht in Beatz4OWL eine wichtige Möglichkeit „zielführende Wege ins Berufsleben“ aufzuzeigen. „Wir haben eine Lotsenfunktion“, betont Scigala-Blatt. „Der Spaß ist ein Einstieg, um dann auf anderer Ebene arbeiten zu können“, ergänzt Oliver Wittler, Bereichsleiter Jugend bei der Rege mbH, die für 20 Prozent der Projektkosten aufkommt.

„Die Jugendlichen haben alle ihre Karrieren hinter sich. Wir geben die Möglichkeiten, aber sie müssen bereit sein“, sagt Daniel Wagenbreth. Der Streetworker und seine Kollegen sind die ersten und wichtigsten Ansprechpartner für die Projektteilnehmer. „Wir arbeiten über Beziehung, aber das ist sehr personalintensiv“, sagt Wagenbreth. Und: „Es gibt mehr Jugendliche, die unsere Hilfe benötigen.“

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