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Kleiderhersteller prüft strafrechtliche Schritte gegen Boutiquenverkäuferin

Mode für 20.000 Euro unterschlagen?

Bielefeld (WB). Die zwangsgeräumte Boutiquenverkäuferin (67) aus der Altstadt, die deutschlandweit Bräute um ihr Geld und ihre Hochzeitskleider gebracht haben soll, will ein neues Modegeschäft eröffnen.

Jens Heinze

Symbolbild.

»Ich will mit dem Laden umziehen. Ich möchte in Bielefeld bleiben«, sagte sie gegenüber dem WESTFALEN-BLATT. Die wegen zahlreicher Betrügereien mittlerweile siebenfach vorbestrafte Bielefelderin saß bereits mehrfach im Gefängnis und ist im sechsstelligen Bereich hoch verschuldet. Außerdem läuft seit Januar 2016 ein Insolvenzverfahren gegen die Frau.

Die 67-Jährige räumte auf Nachfrage dieser Zeitung ein, dass Teile der Einrichtung des im Mai 2014 eröffneten Brautmodengeschäftes bis heute nicht bezahlt seien. Ein Tischlerbetrieb und ein Glaser, der die großen Anprobespiegel lieferte, würden seit Jahren auf ihr Geld warten.

Geplante Eröffnung eines neuen Ladens

Am 21. März setzte ein Gerichtsvollzieher an der Straße Am Bach die Zwangsräumung der Privatwohnung und der Brautmodenboutique durch. Grund in beiden Fällen waren fünfstellige Mietschulden der 67-Jährigen.

Trotzdem bestätigte ein Geschäftsfreund (57) der Frau die geplante Eröffnung eines neuen Ladens: »Wir wollen schnellstmöglich in der Innenstadt eine Boutique aufmachen.« Der Geschäftsfreund, ein Bielefelder Autohändler und Gastronom, ist den Angaben der 67-Jährigen zufolge einer von zwei stillen Teilhabern ihres Handels mit Braut- und Abendkleidern.

Aktuell besorgt der Unternehmer emsig Geldsummen im inzwischen fünfstelligen Bereich. Das Bare übergibt die Boutiquenverkäuferin zwecks Rückabwickelung von Kaufverträgen an Bräute, die seit Monaten vergeblich auf ihre bestellten und bezahlten Hochzeitskleider warten.

Diese sollten von der polnischen Firma Agora in Wroclaw/Breslau nach Bielefeld an die Frau, eine gebürtige Polin, geliefert werden. Die Kleider wurden aber von der Boutiquenverkäuferin bei Agora nie bestellt, erfuhren die enttäuschten Bräute auf Nachfrage in Polen. Was die 67-Jährige mit dem Geld der Kundinnen gemacht hat, das ist nicht bekannt.

Agora-Chefin erwägt unterdessen strafrechtliche Schritte

Agora-Chefin Grazyna Galczynska erwägt unterdessen strafrechtliche Schritte gegen die Boutiquenverkäuferin. »Wir prüfen, ob Strafanträge wegen Unterschlagung und Betruges gestellt werden«, sagte Agora-Anwalt Piotr Jankowski. Der Jurist wirft der 67-Jährigen vor, Agora-eigene Ausstellungskleider aus der zwangsgeräumten Boutique Am Bach 2 in ihr benachbartes Lager am Niederwall geschafft zu haben. Dort würde die Hochzeitsmode als Pfand an auf ihr Geld wartende Bräute heraus gegeben. Zudem bestehe der Verdacht, das die Verkäuferin Ausstellungskleider der Firma Agora als Neuware veräußert habe, sagte der Anwalt.

Wie berichtet, soll Agora der 67-Jährigen 139 Ausstellungsstücke für ihr Modegeschäft geliehen haben. Als Agora-Chefin Grazyna Galczynska am Montag in Bielefeld den Bestand kontrollierte, waren 39 Kleider verschwunden. Der geschätzte Schaden soll um die 20.000 Euro betragen.

»Zudem schuldet (...) Agora Geld für bereits gelieferte Kleider«, sagte Firmen-Anwalt Jankowski. Zur Höhe der Forderung wollte der Jurist nichts sagen. Die Boutiquenverkäuferin habe teilweise nur Anzahlungen nach Polen überwiesen und erhaltene Ware nicht vollständig bezahlt.

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