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Buchprojekt „Musik sehen – Bilder hören“ von Maria Otte und Willem Schulz

Musik und Fotografie im Dialog

Bielefeld/Melle

Sie wohnen nicht weit voneinander entfernt und stehen seit drei Jahrzehnten in einem regen künstlerischen Austausch. Gemeint sind die Fotokünstlerin Maria Otte (78) sowie der Cellist, Komponist, Experimentalmusiker und Performer Willem Schulz (70).

Uta Jostwerner

Die Fotografin Maria Otte und der Musiker, Komponist und Performer Willem Schulz haben ein gemeinsames Buch auf den Weg gebracht. Es lädt dazu ein, Musik zu sehen und Bilder zu hören. Foto: Thomas F. Starke

Seit genau so langer Zeit begleitet die Fotografin den Musiker bei seinen ungewöhnlichen Raumbespielungen in Konzertsälen, Innenstädten, Fabrikhallen und der Natur. Entstanden sind in jenem Zeitraum tausende Fotografien, die von Maria Otte zum Großteil digital überarbeitet wurden und somit eine eigene künstlerische Reflexion eines musikalischen Ereignisses darstellen. Vergängliche musikalische Vorgänge, transformiert in bleibende visuelle Gestalten. Ein kleiner Teil davon fand jetzt Eingang in ein gemeinsames Buchprojekt mit dem synästhetischen Titel „Musik sehen – Bilder hören“.

„Es ist ein Buch entstanden, in dem sich die optische Kunst verselbstständigt hat und das umgekehrt dazu einlädt, Musik aus ihr quasi zu saugen“, fasst Willem Schulz zusammen.

Zwei unterschiedliche Medien, die doch mehr vereint als man denkt. Raum und Zeit spielen in beiden Disziplinen eine große Rolle. Und für Willem Schulz verdichtet sich der musikalische Prozess schon immer zu einem Bild, das der künstlerischen Fotografie sehr ähnlich ist.

Auch das Experimentieren ist eine Gemeinsamkeit der beiden Künstler. Otte nutzt die Collagetechnik, die Langzeitbelichtung, die Spiegelung oder die Kontrastverstärkung als künstlerische Mittel der Verfremdung. Bildschnipsel, die nachträglich ins Foto hinein montiert wurden, fliegen wie Töne durch den Raum. Malerische Effekte werden durch scharfe Kontraste erwirkt, die eine veränderte Farbigkeit bewirken.

Ihre Mittel setzt sie Otte projektbezogen ein. Was braucht das Bild? Wann fängt es an zu klingen? Sieben Musikprojekte, die Willem Schulz mit befreundeten Musikern und Ensembles durchführte, wurden so in klingende Bilder verwandelt.

Ergänzt wird der Bildband durch malerisch-zeichnerische Partiturschriften von Willem Schulz sowie durch Spielanweisungen, die von Barbara Daiber, der Ehefrau von Willem Schulz, zu Kurzgedichten geformt wurden und die hier wie kleine Intermezzi wirken.

Produziert wurde das Buch im Eigenverlag mit einer Förderung durch den Landkreis Osnabrück und die Stadt Melle. Anlass war der 70. Geburtstag des Musikers Schulz, der bereits am 13. Juni stattfand und der ursprünglich am 19. September mit einem großen Festival in der Oetkerhalle gefeiert werden sollte: 70 Musiker sollten die Halle innen und außen sieben Stunden lang bespielen. Coronabedingt wurde die Veranstaltung auf den 10. April 2021 verschoben.

Das Buch kann bei Willem Schulz und Maria Otte per E-Mail bestellt werden und kostet 20 Euro. willemschulz@t-online.de oder m.otte@t-online.de

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