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Umfassende Modernisierung und Wartungsarbeiten – Verbrennung ruht zwei Wochen

MVA investiert in größere Brückenkräne

Bielefeld (WB). Kein Rauchwölkchen ist über den drei 108 Meter hohen Schloten der Müllverbrennungsanlage (MVA) zu sehen. Bis 4. Juli herrscht Stillstand, weil umfassende Wartungs- und Modernisierungsarbeiten anstehen. Der aufwändigste Teil vollzog sich am Mittwoch: Die tonnenschwere Brücke für einen der beiden Kräne wurde installiert.

Volker Zeiger

Schrottreif nach mehr als drei Jahrzehnten: der alte Brückenkran des Müllbunkers. Foto: Thomas F. Starke

Die MVA mit ihren Müllbunkern, Verbrennungskesseln, dem Wasser-Dampf-Kreislauf und den Turbinen ist abgeschaltet.  Nur so können, wie Betriebsleiter Thomas Pörtner erläutert, die im Turnus von zehn Jahren anstehenden Reparaturen ausgeführt und technische Bestandteile gewartet werden. Es handele sich um ein hochkomplexes Vorhaben, bei dem »viele kleine und große Einzelmaßnahmen ineinandergreifen«.

Acht Millionen Euro investiert

Größter Batzen bei der jetzt anstehenden Investition von insgesamt acht Millionen Euro ist die neue und größere Brückenkrananlage, die allein drei Millionen Euro verschlingt, wie Betriebsleiter Pörtner sagt. Jeder Kran transportiert Abfall vom Müllbunker in die Brennkessel. Mittwoch hob ein 55 Meter hoher Mobilkran den ersten neuen Brückenkran durch das extra dafür geöffnete Betondach an seinen neuen Platz. Der alte und seit 37 Jahren in der MVA benutzte Kran wurde in den vergangenen Tagen schon demontiert. Die zweite Kranbrücke mit gleichen Ausmaßen – Spannweite 25,55 Meter, Breite: 6,70 Meter – soll nach Angaben von Interargem-Ingenieur Dominik Wloka im November installiert werden.

Jede Kranbrücke wird von zwei elektrisch betriebenen Eisenbahnrädern bewegt. Auch hier legte die MVA Wert auf hohe Wirksamkeit: Die neuen Antriebsmotoren gewinnen beim Bremsen Energie zurück. Außerdem werden die Kran-Fahrzeiten schneller.

Auf der Mitte der Kranbrücke bewegt sich die so genannte Krankatze, an welcher der Müllgreifer hängt. Er fasst bis zu acht Kubikmeter Müll, drei Kubikmeter mehr als die bisherigen Greifer. Erhöht werde auch die Hub- und Senkgeschwindigkeit.

Mehr Müll wird abgewickelt

Nach Angaben von Betriebsleiter Thomas Pörtner kann durch diese Neuerungen »mehr Müll in kürzester Zeit im Bunker umgeschlagen und für die Verbrennung durchmischt werden«. Dies sei vor allem in Spitzenlastzeiten an Werktagen besonders wichtig, weil dann der meiste Müll angeliefert werde. Die MVA rechnet mit einer Jahresmüllmenge von gut 400.000 Tonnen.

Weitere Arbeiten stehen in einem der drei Verbrennungskessel an. Gereinigt werden die Roste, über denen sich der Müll während des Betriebs im 1000 Grad heißen Feuer in Asche verwandelt. Schieber, Ventile und Absperrarmaturen des Wasser-Dampf-Kreislaufs werden getauscht. Der nach der Müllverbrennung im Kessel 400 Grad heiße Dampf treibt normalerweise Turbinen an.

Abfall nach Hameln

Die ruhen jetzt und produzieren keinen Strom, den die Stadtwerke – Hauptgesellschafter des MVA-Betreibers Interargem – sonst an 59.000 Haushalte liefern. Den Ausfall macht bis übernächste Woche das Heizkraftwerk wett. Produziert wird auch kein Dampf für die Fernwärme, von der 25.000 Haushalte in Bielefeld profitieren. Es ist ja keine Heizperiode. Erneuert werden im Zuge der Wartung auch ein Wärmetauscher und eine Pumpe.

Abfall, der weiter aus Bielefeld in täglich 20 Müllwagen kommt, wird in Wechselcontainer umgeladen und nach Hameln zu dortigen MVA der Interargem gebracht. Eine Fuhre mit 40 Kubikmetern Müll im Container erspart so die Anfahrt von drei bis fünf Müllfahrzeugen. Umgeleitet werden während des Stillstandes der MVA Bielefeld 20.000 Tonnen Abfall.

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