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Ausstellung von Gabriele Undine Meyer im Bielefelder Museum Wäschefabrik

Nachdenken über Verlieren und Finden

Bielefeld (WB/sas). Von Erinnerungen, Verlust und auch vom Finden handelt die neue Ausstellung von Gabriele Undine Meyer. »Lost and Found« zeigt im Museum Wäschefabrik Installationen, die nachdenklich machen und dazu anregen, einen Blick zurück in die eigene Vergangenheit zu werfen.

Gabriele Undine Meyer vor Taschentüchern, auf denen jeweils ein eingesticktes Wort für einen Verlust steht. Foto: Oliver Schwabe

Das haben für eine 2014 entstandene Arbeit 40 Menschen jenseits der 70 gemacht: Sie haben lange Gespräche mit Gabriele Undine Meyer geführt, ihre Geschichten erzählt und Bilanz gezogen. Am Ende haben sie in einem Wort benannt, was sie verloren haben und dieses Wort niedergeschrieben. Meyer hat es für ihre Installation »Lost + Found« in der jeweiligen Handschrift auf Taschentücher sticken lassen. Die Gesprächspartner haben vor laufender Kamera aber auch gesagt, was sie gefunden haben. Beide Begriffe zusammen lassen Geschichten ahnen: Verloren: Vertrauen. Gewonnen: Stärke. Verloren: Angst. Gewonnen: Lebenfreude. Verloren: Mein Herz. Gewonnen: Zugehörigkeit. Verloren: Identität. Gewonnen: Reife...

Viel Raum für Nachdenklichkeit

»Inside Out« heißt die zweite Installation von Meyer. 18 alte Schubladen mit Innenleben bergen eine Überraschung, Gegenstände, die irgendetwas mit der Künstlerin zu tun haben. Manches lässt sich auch hier ahnen, etwa beim Blick in die Lade »Dem lieben Kinde« mit Tellerchen, Knöpfen, kleinem Kleiderbügel oder Puppenstuben-Möbeln. Anderes bedarf der Erklärung, wie etwa »Hommage an Mona«: Man blickt in eine Schublade mit luftigen Knäueln aus Haaren von Meyer; eine Arbeit von Mona Hatoum inspirierte dazu. Auch »NoGoArea« erschließt sich nicht sofort: Ausgekleidet ist die Schublade mit einer Katasterkarte von Schlesien, der Heimat von Meyers Mutter. Darauf hat die Künstlerin Bienenwachs gestrichen. Darin markieren Stecknadeln (die Mutter hat viel genäht) Wege... Auch hier: viel Raum für Nachdenklichkeit. Wie auch bei den genähten Gesichtszügen auf Baumwolltuch: 90 Porträts von Wegbegleitern, die Meyer aus den Augen verloren hat.

Eine Vitrine ist noch leer: Wenn die Ausstellung an diesem Sonntag um 16 Uhr in der Viktoriastraße 48a eröffnet wird (eine Preview gibt es bei den »Nachtansichten« am Samstag), werden die Besucher der Eröffnung gebeten, ein Fundstück mitzubringen, zu dem es vielleicht eine Geschichte gibt. Diese Objekte kommen in die Vi­trine. Zu sehen ist »Lost and Found« bis zum 16. Juni, jeweils sonntags von 11 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung (info@museum-waeschefabrik.de).

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