1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Bielefeld
  6. >
  7. Naturschutz statt Untersee 

  8. >

Konzept soll in einem Jahr vorliegen – FDP will Bürgerbegehren für Freizeitgewässer starten 

Naturschutz statt Untersee 

Bielefeld (WB/MiS). Für die Johannisbachaue soll ein Naturschutzkonzept erarbeitet werden. Dafür stimmte gestern die Plattform-Mehrheit im Umweltausschuss des Rates, die damit das Ende des Untersee-Projektes einleitete. Die FDP will jetzt Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln. um das Vorhaben doch noch zu retten.

Flugblätter fürs Seeprojekt: Kerstin Wittemeier und Axel Schubert. Foto: Thomas F. Starke

 Ein Antrag der FDP, wonach der Rat von sich aus einen Bürgerentscheid herbeiführt, fand nur die Zustimmung der CDU. Teil des Beschlusses zum Naturschutzkonzept Johannisbachaue, der mit den Stimmen von SPD, Grünen, Bürgergemeinschaft (BfB) und Linken gefasst wurde, ist auch zu prüfen, ob der Obersee einer stärkeren Freizeitnutzung zugeführt werden kann.

 In der vorausgegangenen Debatte waren noch einmal die unterschiedlichen Positionen ausgetauscht worden. Rainer Hahn (Grüne) sagte, in seiner gesamten kommunalpolitischen Laufbahn seit 1989 sei der Untersee immer wieder Thema gewesen. »In all den Jahren ist kein großer Zauberer gekommen, der das Projekt finanziert hätte. Ich schätze die Initiative von Unternehmer Wolfgang Böllhoff hoch ein, aber ich glaube nicht, dass er die 50 Millionen, die ein See kosten würde, finanziert.«

 »Die SPD möchte in der Johannisbachaue lieber den Weißstorch in einem Naturschutzgebiet als die Blaualge«, sagte Marcus Lufen (SPD) in Anspielung auf zu erwartende schlechte Wasserqualität eines Untersees. Jahrzehntelang sei nichts passiert. Deshalb sei es richtig, nun den Obersee für die Freizeitnutzung zu öffnen, meinte Alexander von Spiegel (BfB). Der Untersee sei politisch nicht durchsetzbar. Ein Teil der für ihn erworbenen Flächen könne verkauft, der Erlös für den klammen Etat genutzt werden.

Meinungswandel

 Gregor Spalek (FDP) kritisierte den Meinungswandel bei der BfB. Er hielt von Spiegel vor, noch im Wahlkampf eine ganz andere Position bezogen zu haben. Alexander Rüsing (CDU) sagte, es könne nicht sein, dass Millionen für den Aufkauf der Flächen ausgegeben worden seien und jetzt nichts passieren solle. »Gerade wenn sich Bürger für das Projekt engagieren wollen, dann sollte man das nicht unterbinden.« Wenn die Fläche unter Naturschutz gestellt werde, sei sie auch nichts mehr wert.

 Das Areal in der Johannisbachaue war 1988 für eine Bodendeponie angekauft worden, mit dem Ziel, dort später den Untersee zu bauen. Aus Sicht von Benni Stiesch (Linke) ist das Geld für den Flächenkauf auch für den Naturschutz gut investiert.

Erarbeitung des Grobkonzepts

 Drei Jahrzehnte habe es gedauert, die Stadtbahn unter die Erde zu bringen, meinte Holger Nolte (CDU). »Gutes dauert manchmal eben länger«, warb er dafür, die Option für den Untersee offen zu halten. Länger dauern wird es auch, das Naturschutz-Grobkonzept zu erarbeiten. Umweltdezernentin Anja Ritschel rechnete mit einem Jahr, weil jetzt auch die Freizeitnutzung für den Obersee einbezogen sei. Axel Schubert vom Bürgerprojekt »Mein See für Bielefeld« bedauerte vor allem das Umschwenken der BfB in der Untersee-Frage. Seine Initiative werde sich trotz der Entscheidung weiter für das Vorhaben einsetzen.

Startseite