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Rundgang mit Adalbert Niemeyer-Lüllwitz vom BUND – Kritik an Aufforstungsprogramm

Naturschützer fordern »Walddialog«

Bielefeld (WB). So dramatisch wie derzeit war die Lage in den Bielefelder Wäldern wohl noch nie, lautet die Einschätzung von Forstleuten . Nicht ganz so kritisch sehen Naturschützer die Lage. Vor allem fordern sie eine andere Strategie beim Kampf gegen die Probleme. Sie lehnen ein Aufforstungsprogramm ab und fordern einen »Walddialog«.

Hendrik Uffmann

Dort, wo es ein dichtes Kronendach gibt, geht es dem Buchenwald besser, sagt Adalbert Niemeyer-Lüllwitz. Foto: Hendrik Uffmann

Der Bielefelder Wald steht unter Stress. Dürre, Hitze, Stürme und Borkenkäfer setzen vielen Bäumen zu, erklärt zwar auch Adalbert Niemeyer-Lüllwitz (68), Mitglied im Bielefelder sowie im Landesvorstand des BUND und bis zu seiner Pensionierung 31 Jahre lang Leiter der Naturschutzakademie NRW. Aber: »Ein flächiges Waldsterben gibt es nicht, sondern ein Baumsterben bei der Buche und ein Forststerben bei der Fichte«, lautet seine Einschätzung.

Probleme durch Auslichtung

Ursachen für die Probleme sind nach Niemeyer-Lüllwitz’ Worten Wetterextreme, die durch den Klimawandel entstanden sind. Dazu beigetragen hätten jedoch auch menschengemachte Fehler. Dabei kritisiert der Biologe die bisherige Bewirtschaftung der Wälder, vor allem die Freistellung von Buchen.

Denn besonders dort, wo in den vergangenen Jahren der Wald stark durchforstet und ausgelichtet worden sei, sei jetzt das Buchensterben zu beobachten. An vielen der nun frei stehenden Bäume seien trockene Kronen und Schäden an der Rinde zu beobachten, die durch die Sommerhitze entstanden seien. »Wo es hingegen ein geschlossenes Kronendach gibt, haben die Buchen die beiden extrem trockenen Sommer gut überstanden«, erklärt Niemeyer-Lüllwitz bei einem Rundgang durch den Wald zwischen der Bildungsstätte Einschlingen an der B 68, der Klosterruine am Jostberg und dem Sender Hünenburg.

Neue Waldgeneration

In den Buchenwäldern, die in Bielefeld etwa 30 Prozent der Waldfläche ausmachten, so der Biologe, sei die Situation deshalb häufig noch recht gut, auch wenn einzelne Bäume angeschlagen seien. »Ein Teil der Altbuchen stirbt ab. Aber am Boden wächst schon eine neue Waldgeneration heran«, sagt Niemeyer-Lüllwitz. Und das mache Hoffnung. »Wir wollen den Buchenwald nicht aufgeben«, lautet deshalb sein Appell.

Was der Buchenwald jetzt brauche, sei eine Erholungsphase, in der zeitweise, am besten einige Jahre, keine Eingriffe stattfinden. Vor allem aber lehnten die Naturschutzverbände großflächige Aufforstungen ab – während die Stadt genau darauf setzt. Auch Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) hat, wie berichtet, die Bielefelder dazu aufgerufen, ab Ende des Monats zu spenden, damit ab November neue Bäume gepflanzt werden können.

Statt dessen, so Niemeyer-Lüllwitz, sollte der Wald die Chance bekommen, sich selbst zu verjüngen. »Auf ehemaligen Fichtenflächen sollte es Aufforstungen je nach Situation und Naturpotenzial nur in Gruppen geben, damit auch Raum bleibt für natürliche Ansiedlung.«

Darüber hinaus sollte möglicht viel Totholz als Biomasse im Wald belassen werden. So fordert der BUND, auf den Arealen der abgestorbenen Fichtenbestände möglichst viele der toten Bäume zu belassen. Denn beim Abfahren gebe es Schädigungen durch die schweren Forstmaschinen. Zum anderen würden auch die abgestorbenen Bäume den Boden beschatten und vor dem Austrocknen schützen.

Bislang, kritisiert der BUND, gebe es in Bielefeld noch keine Wende zu einer ökologischen Waldwirtschaft. Dies liege auch daran, so Adalbert Niemeyer-Lüllwitz, dass Fachleute außerhalb der Forstwirtschaft bislang ebenso wie ehrenamtliche Naturschützer nicht beteiligt seien.

Ziel: den Wald erhalten

Eine seiner Forderung ist deshalb die nach einem »Walddialog«. Dabei sollten Naturschutzverbände und auch alle Bielefelder Bürger bei der weiteren Entwicklung und grundlegenden Entscheidungen beteiligt werden. Denn im Ziel, sagt Niemeyer-Lüllwitz, seien sich Forstfachleute und die Naturschützer einig. »Wir wollen den Wald in all seinen Funktionen als Erholungsraum, Wasserspeicher und Beitrag zum Klimaschutz für alle Bielefelder erhalten.«

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