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Wüste Keilerei zwischen Mann, Frau und Liebhaber vor dem Amtsgericht: Fall eines versuchten Totschlags?

Nebenbuhler beißt Mann Ohr ab

Bielefeld (WB). Nur in Ausnahmefällen wird aus dem Täter eines brutalen Angriffs dann das Opfer: Der Bielefelder Reinhard V. ist dafür ein schlimmes Beispiel.Der Mann griff seine Ehefrau und deren Liebhaber an, er erhielt einen Stich ins Bein, dann wurde ihm das halbe Ohr abgebissen. Nun verhandelt das Amtsgericht den kuriosen Fall – mit V. als Angeklagten.

Uwe Koch

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Am Morgen des 1. April sollte sich der 47-jährige Bielefelder eigentlich zur Therapie in einer Suchtklinik vorstellen. Seine 31-jährige Ehefrau hatte sich sogar bereit erklärt, ihn in die Klinik zu begleiten. Ihr Freund Daniel K. (alle Namen geändert) wollte das Ehepaar mit seinem Wagen dorthin fahren. Sie packte ihm am frühen Morgen die Reisetasche, als es auf der Toilette der Wohnung zu einer bluttriefenden Auseinandersetzung kam: V. stürzte sich auf seine Ehefrau, riss ihr so sehr an den Haaren, dass ihr ein Büschel ausgerissen wurde.

Auseinandersetzung im Badezimmer

Dabei hatte V. ein Messer in der Hand. Angeblich soll er »Ich stech' dich ab« gerufen haben. Davon alarmiert, warf sich der 27-jährige Liebhaber der Frau von hinten auf den Angreifer. Vor dem Amtsgericht schilderten der Angeklagte V. und die beiden Zeugen nun ein Getümmel, das sonst nur in »Asterix«-Comics gezeichnet ist.

Wahrend Reinhard V. und Daniel K. ineinander verkeilt waren, hatte V. noch die Haare seiner Ehefrau in der Hand. In diesem Moment habe eine Nachbarin, die durch das Tohuwabohu aufmerksam geworden sei, eine Schere in die Toilette geworfen. Die Ehefrau ergriff die Schere und stieß sie ihrem Gatten in den linken Oberschenkel. Zeitgleich befand sich V. aber noch im Würgegriff des Liebhabers. Gerade als sich der 47-Jährige umdrehte und dem 27-Jährigen das Messer in die Hüfte stach, bis der Liebhaber zu: Mit seinen Zähnen riss er dem Messerstecher die Hälfte der linken Ohrmuschel ab.

Beide Ehepartner sind heroinsüchtig

Die Staatsanwaltschaft erhob danach Anklage gegen den 47-jährigen V. wegen gefährlicher Körperverletzung. Vor dem Amtsgericht trafen sich Messer- und Scherenstecher sowie Ohrenbeißer wieder – ziemlich zerknirscht. Reinhard V. schilderte den Niedergang seiner Ehe, die ohnehin aufgrund der Heroinsucht beider Partner unter keinem guten Stern gestanden habe. »Es ist die Liebe meines Lebens«, sagte er über seine Ehefrau. Tief verletzt sei er indes gewesen, dass sie während der Schwangerschaft mit dem dritten gemeinsamen Kind ein intimes Verhältnis zu K. begonnen habe.

Jedoch habe er »nicht die Absicht gehabt, den Mann zu töten«. Dennoch stellte die Staatsanwältin den Antrag, das Verfahren an das Schwurgericht des Landgerichts Bielefeld abzugeben, wegen des Verdachts des versuchten Totschlags. Das Amtsgericht hat die Entscheidung darüber vertagt.

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