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2021 soll die Ärzteausbildung in Bielefeld beginnen

Neue Medizinfakultät: Uni will Zeitplan trotz Skepsis halten

Bielefeld (WB). Wissenschaftler sind sich uneinig, ob an der Universität Bielefeld bereits vom Wintersemester 2021/22 an Medizin studiert werden kann.

Christian Althoff

In Bielefelds Hochschulviertel gibt es die ersten Räume für die Medizinische Fakultät. Foto: Christian Althoff

Uni-Rektor Prof. Gerhard Sagerer erklärte gestern: »Unser Zeitplan ist ambitioniert, aber wir wollen ihn einhalten – auch, um möglichst schnell die Versorgung unserer ländlichen Region mit Hausärzten zu verbessern.« Man werde aber keinen »Harakiri-Start« hinlegen, nur um einen Termin zu halten: »Wer sich bei uns einschreibt, kann davon ausgehen, dass er ein Top-Studium bekommt. Die ersten Studenten sind immer die besten Werbeträger für eine Uni. Da muss alles passen.«

Sagerer reagierte auf einen Bericht, den der Wissenschaftsrat gestern vorlegte. Das Beratergremium, das vom Bund und den Ländern getragen wird, hatte im Auftrag Nordrhein-Westfalens die Medizin-Hochschulstandorte im Land durchleuchtet und sich auch mit dem Konzept befasst, das die Uni Bielefeld für ihre neue Medizinfakultät entwickelt hatte.

Im Bericht des Wissenschaftsrates heißt es: »Für einen erfolgreichen Studienbetrieb ist es aus Sicht des Wissenschaftsrats unumgänglich, den zum Wintersemester 2021/22 vorgesehenen Studienstart zu verschieben.« Es fehle an einem ausgearbeiteten Lehrplan, aus dem sich der Personal-, Flächen- und Finanzbedarf ableiten lasse. Außerdem müsse in den drei künftigen Unikliniken – dem Städtischen Klinikum Bielefeld, dem Ev. Klinikum Bethel und dem Klinikum Lippe – »eine den universitären Maßstäben entsprechende Krankenversorgung« etabliert werden. Und es müsse sichergestellt werden, dass in diesen Häusern mehr geforscht werde.

Personalaufbau in vollem Gange

»Diese Hinweise berücksichtigen nicht alles, was in den vergangenen Monaten in Bielefeld geleistet wurde« sagte Dr. Claudia Hornberg, die Gründungsdekanin der Medizin-Fakultät. Der Lehrplan werde derzeit von 20 Kräften zusammengestellt, die von 180 Klinikärzten und 160 niedergelassenen Medizinern unterstützt würden. »Konkret sieht das so aus, dass wir zum Beispiel Hausärzte fragen, mit welchen Krankheiten sie es besonders oft zu tun haben und welcher Stoff ihnen für das erste Semester wichtig erscheint.« Die ambulante Versorgung habe nämlich andere Anforderungen als die klinische. Beides wolle man den Studenten vermitteln.

Auch der Personalaufbau laufe, sagt Rektor Gerhard Sagerer: »Acht nichtklinische Berufungsverfahren für Professoren sind abgeschlossen, acht sind noch im Verfahren, und demnächst schreiben wir die ersten acht klinischen Professorenstellen aus.«

Zur wissenschaftlichen Kompetenz an den drei Kooperationshäusern sagte der Rektor, dort gebe es schon jetzt renommierte Ärzte, die viele Forschungsarbeiten veröffentlicht hätten. Außerdem würden demnächst in den Krankenhäusern einige Stellen frei, die dann mit entsprechend orientierten Medizinern besetzt werden könnten.

Dass Bielefeld überhaupt eine Medizinfakultät bekommt, geht unter anderem auf NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) zurück. Er hofft, dass viele Medizinstudenten als Ärzte in Ostwestfalen-Lippe bleiben und die Versorgung auf dem Land sichern.

Langfristig 300 Studienplätze

Erst nach dem Regierungswechsel 2017 war die Entscheidung des Landes für die Medizinfakultät Bielefeld gefallen. Nur ein Jahr Zeit hatte die Uni bekommen, um ein Konzept vorzulegen. Es sieht unter anderem die Schwerpunkte Allgemeinmedizin und Behindertenmedizin vor. Laumann lobte gestern das »große Engagement« in Bielefeld und sagte, er teile die Zuversicht, dass 2021/22 gestartet werde. 48 Studenten sollen sich für das erste Semester einschreiben können, 48 für das fünfte, das klinische. Sagerer: »Es gibt an vielen Unis mehr Medizinstudienplätze als klinische Ausbildungsplätze. Deshalb hoffen wir, Studenten zum fünften Semester zu uns holen zu können – auch aus dem Ausland.« Langfristig werde es 300 Studienplätze geben.

Fakultätsgeschäftsführer Dr. Frank Lohkamp: »Das Land unterstützt uns auf unserem Weg wirklich gut. 2018 haben wir 4,5 Millionen Euro bekommen, 2019 6,5 Millionen, und 2020 Jahr werden es 24 Millionen Euro sein.« Eine Beteiligung weiterer Krankenhäuser über die drei genannten hinaus sei aktuell nicht geplant, sagte Lohkamp.

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