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Träger will Pflegeheim in Bielefeld nun doch am jetzigen Standort neu bauen - Wohnprojekt am Gellershagenpark denkbar

Neue Pläne für Laurentius-Heim

Bielefeld

Paukenschlag bei den Plänen für den Neubau des Laurentius-Pflegewohnheims in Schildesche. Nachdem seit fast zwei Jahren um den bislang vorgesehenen künftigen neuen Standort auf einem Grundstück am Rande des Gellershagenparks gerungen und gestritten wird, will der Verein Katholischer Altenhilfeeinrichtungen Paderborn (VKA) als neuer Eigentümer der Einrichtung nun das bestehende Seniorenheim am bisherigen Standort durch einen Neubau ersetzen. Das städtischem Bauamt soll bereits seine Unterstützung signalisiert haben.

Hendrik Uffmann

Das bestehende Pflegewohnheim an der Weihestraße ist in die Jahre gekommen und erfüllt nicht mehr die Bestimmungen für eine solche Einrichtung. Foto: Hendrik Uffmann Foto:

In zwei Bauabschnitten soll dieser errichtet werden und nach Fertigstellung 80 Pflegeplätze bieten. Dabei soll auch die Versorgung der Bewohner auch während der Bauphase sichergestellt werden, erklärt André Diecks, Geschäftsführer der Liborius gGmbH, einer Tochtergesellschaft des VKA.

Das bislang für den Neubau vorgesehene Grundstück an der Weihestraße, dessen geplante Bebauung zu Protesten und der Gründung einer Bürgerinitiative geführt hat, könnte allerdings trotzdem bebaut werden. „Das Grundstück am Rande des Gellershagenparks möchten wir dennoch nicht aufgeben und werden die Möglichkeiten eines in die Parklandschaft eingebundenen, barrierefreien Wohnprojektes im Kontext der Quartiersentwicklung für Senioren, Menschen mit Handicaps und Familien prüfen“, erklärt VKA-Vorstand Timo Halbe. Konkrete Bau- oder Zeitpläne gibt es dafür jedoch noch nicht.

Auf diesem Grundstück am Rande des Gellershagenparksgegenüber der Christkönig-Kirche war bislang der Heim-Neubau geplant. Foto: Hendrik Uffmann

Wie mehrfach berichtet, hatte der VKA im März 2019 seine Pläne öffentlich gemacht, das Haus Laurentius durch einen Neubau zu ersetzen. Hintergrund sind die neuen Bestimmungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen, nach denen unter anderem Einzelzimmer für die Bewohner vorgeschrieben sind. Diese Regelung muss bis spätestens Mitte 2023 umgesetzt werden.

Ein Neubau auf dem jetzigen Grundstück oder ein Umbau des in die Jahre gekommen Gebäudes hatte der VKA bislang ausgeschlossen, da beides wirtschaftlich nicht tragbar sei.

Statt dessen sollte der Neubau nur etwa 150 Meter weiter an der Weihestraße am Rande des Gellershagenparks schräg gegenüber der Christkönig-Kirche entstehen. Dies hatte jedoch zu massiven Protesten und einer kontroversen politischen Diskussion geführt.

Die Initiative „Unser Gellershagenpark“ setzte sich daraufhin dafür ein, das vorgesehene Grundstück nicht zu bebauen - unter anderem, weil dafür etwa 35 Bäume gefällt werden müssten, weil auch die nebenan stehenden Gruppen von mehr als 150 Jahre alten Eichen gefährdet seien und der Bereich eine wichtige Kaltluftschneise darstelle. Im Gegenzug hatten sich auch Anwohner und Angehörige von Heimbewohnern für den Neubau an der geplanten Stelle stark gemacht.

Im November 2019 stimmte die Bezirksvertretung Schildesche trotz Bedenken mehrheitlich für die Neubaupläne. Denn ein anderer Standort sei trotz intensiver Suche nicht gefunden worden. Ein Grund dafür war auch, dass es für das vorgesehene Areal an der Weihestraße Baurecht gibt, weil im noch gültigen Bebauungsplan von 1962 dort ein Jugendheim vorgesehen war.

Im Februar dieses Jahres hatte es dann Überlegungen gegeben, auf dem Gelände der Christkönig-Kirche einen Neubau zu errichten, für den die Kirche selbst und die angrenzenden Wohnhäuser und das Pfarrhaus hätten abgerissen werden müssen. Der Kirchenvorstand der Gemeinde hatte jedoch dagegen gestimmt.

Mit der jetzigen Ankündigung, den Neubau am bisherigen Standort zu realisieren, hat der VKA nun für eine überraschende Wendung gesorgt. Dabei dürfte auch der Zeitdruck, unter dem der Träger steht, um die neuen Bestimmungen für Heime umzusetzen, eine wesentliche Rolle spielen. Denn die Pläne für den Neubau am jetzigen Standort waren offenbar auch mit Schwierigkeiten verbunden.

Möglich sind nun allerdings zwei Neubauten - neben dem Pflegeheim das Wohnprojekt auf dem umstrittenen Grundstück. Das bestehende Haus Laurentius habe sich im Laufe der Zeit von einem klassischen Pflegeheim zu einem Kompetenz- und Begegnungszentrum im Quartier entwickelt, erklärt Leiterin Maria Bores. Mit dem Neubau und möglichen weiteren Wohnangeboten am Gellershagenpark solle es ein breitgefächertes Beratungs- und Hilfsangebot geben.

„Wir sind froh und sehr erleichtert über die Entscheidung des VKA“, reagierte Schildesches Bezirksbürgermeister Martin Sauer (Grüne) auf die Pläne für den Heim-Neubau an bisheriger Stelle. Es habe intensive Gespräche mit dem Träger gegeben bei denen auch darauf hingewiesen worden sei, dass es wenig Sinn mache, das Projekt gegen den breiten Widerstand durchzusetzen. Denn es habe im Verfahren bislang schon viele Einwendungen gegeben, auch ein wasserrechtliches Gutachten haben noch erfolgten müssen. „Wir haben dem Träger gesagt, dass wir zu dem Angebot der Stadt, das Grundstück am Gellershagenpark zu nutzen, stehen, aber dass wir nicht glücklich damit sind“, so Martin Sauer.

Auch die Bürgerinitiative „Unser Gellershagenpark“ begrüßt die Entscheidung des VKA, den Neubau des Pflegewohnheims Haus Laurentius am bisherigen Standort vorzunehmen. Andrea Lankeit von der Initiative betont jedoch, dass diese auch weiterhin für den Erhalt des Gellershagenpark einstehen werde.

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