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Laschet (CDU) und Stamp (FDP) uneins – Erzbistum Paderborn verteidigt seine Position – Kreis Gütersloh ruft zu Verzicht auf

Neuer Disput um Gottesdienste in NRW

Gütersloh (WB/as/...

Der Kreis Gütersloh hat am Dienstagabend in Abstimmung mit den Bürgermeistern der 13 Städte und Gemeinden alle Glaubensgemeinschaften aufgerufen, Weihnachten keine Gottesdienste zu veranstalten. Zahlreiche Kirchengemeinden in OWL haben bereits angekündigt, auf Präsenzgottesdienste zu verzichten.

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Der Paderborner Dom. Foto: Jörn Hannemann Foto:

„Nicht in den Gottesdienst zu gehen – das muss in diesem Jahr unbedingt sein“, sagte Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU). Der Kreis meldete am Dienstag eine Inzidenz von 280 und sieben weitere Tote.

Stunden zuvor hatte Nordrhein-Westfalens Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp (FDP) die Kirchen aufgerufen, deutschlandweit alle Präsenz-Gottesdienste zu Weihnachten abzusagen. „Die völlig unabsehbare Entwicklung der Pandemie und die Nöte auf den Intensivstationen in vielen Teilen Deutschlands“ machten dies seiner Meinung nach unausweichlich, sagte Stamp.

Wenig später meldete sich NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und sprach sich gegen ein Verbot der Präsenz-Gottesdienste aus. Es gebe eine Absprache der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin, Präsenz-Gottesdienste unter Einhaltung strenger Hygiene-Auflagen zuzulassen, sagte Laschet. Er selbst werde an keiner Christmette teilnehmen.

Joachim Stamp erklärte: „Als praktizierender Christ fällt es mir schwer, zum generellen Verzicht auf Präsenz-Gottesdienste aufzurufen.“ Ihm sei bewusst, dass viele Gemeinden hervorragende Hygienekonzepte entwickelt hätten. „Aber es ist in dieser Lage schwer zu verantworten, dass sich größere Menschenmengen treffen und sich dann doch außerhalb des Gottesdienstes angesichts des Weihnachtsfest begegnen und auch umarmen werden.“

Viele evangelische Kirchenleitungen in NRW hatten wegen der Corona-Lage bereits ihren Gemeinden geraten, auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten. Im Rheinland, wo die Entscheidung den örtlichen Kirchen überlassen wurde, hatten nach Angaben eines Sprechers zwischen 80 und 90 Prozent von sich aus die Gottesdienste abgesagt.

Die katholischen Bistümer lehnen einen generellen Verzicht bislang ab, aber viele katholische Gemeinden in Ostwestfalen-Lippe haben Präsenz-Gottesdienste bereits abgesagt.

Das Erzbistum Paderborn verteidigte am Dienstag seine Entscheidung, Gottesdienste unter verschärften Auflagen zu ermöglichen. „Viele Gläubige erwarten zu Recht, dass die katholische Kirche die Sakramente feiert. Auch deshalb ist es dem Erzbistum Paderborn ein Anliegen, dass zu Weihnachten Gottesdienste, insbesondere die Feier der Eucharistie, stattfinden können“, sagte Generalvikar Alfons Hardt.

So waren die Plätze für den Weihnachtsgottesdienst im Paderborner Dom auch schnell ausgebucht – und die Warteliste ist lang. Doch mittlerweile entscheiden sich auch immer mehr katholische Gemeinden in der Region, auf Präsenz-Gottesdienste zu verzichten. Einige Beispiele:

Der Pastoralverbund Salzkotten überträgt Heiligabend von 18.30 Uhr an per Livestream einen Wortgottesdienstes aus St. Lauren-tius in Thüle (www.thuele.eu/messe), ebenso am 1. Weihnachtstag von der Heiligen Messe um 9 Uhr und am 2. Feiertag um 10.30 Uhr. Die Kirchen sind tagsüber zum Besuch der Krippe und zum Gebet geöffnet.

Auch der Pfarrgemeinderat Kirchborchen hat sich dazu entschlossen, die geplanten Freiluft-Wortgottesdienste und das Krippenspiel an Heiligabend nicht durchzuführen. Ein aufgezeichneter Gottesdienst findet sich vom 24. Dezember an auf der Internetseite www.pastoralverbund-borchen.de. Die Gottesdienste in der Kirche in Kirchborchen sollen aber wie vorgesehen stattfinden.

Im Pastoralen Raum Werre-Weser werde es bis einschließlich 8. Januar keine Gottesdienste geben, teilt dessen Leiter Pfarrer Manfred Pollmeier mit. Alle zehn Gemeinden des Pastoralen Raumes Wittekindsland haben die Gottesdienste bis zum 10. Januar abgesagt. Die Kirchen bleiben für die stille Einkehr geöffnet.

Auch im Altkreis Halle (Pastoralverbund Stockkämpen) sind Gottesdienste abgesagt. Gleiches gilt für die Veranstaltungen in Bielefeld, im Pastoralverbund Warburg und im Pastoralen Raum an Egge und Lippe.

Im Pastoralverbund Lübbecke entfallen Präsenzgottesdienste an allen drei Festtagen nur in Espelkamp, wo sie ja auch vom Kreis verboten sind. Die Gemeinde in Espelkamp überträgt Gottesdienste auf Youtube. In Lübbecke, Pr. Oldendorf und Rahden finden Gottesdienste mit Anmeldung statt, aus Lübbecke wird zusätzlich ebenfalls bei Youtube übertragen.

Zu den unterschiedlichen Regelungen teilt Generalvikar Alfons Hardt am Dienstag mit, dass das „Erzbistum Paderborn ein Flächenbistum mit unterschiedlichen Regionen“ sei. Ebenso un­terschiedlich stelle sich das Infektionsgeschehen dar. Hardt: „Wenn sich einzelne Kirchengemeinden aufgrund hoher regionaler Corona-Infektionszahlen dazu entscheiden, zu Weihnachten keine Präsenzgottesdienste zu feiern, respektieren wir dies selbstverständlich. Gleichzeitig gibt es Regionen in unserem Erzbistum mit niedrigeren Fallzahlen, die den Verantwortlichen vor Ort mehr Raum für die Planung und Feier von Gottesdiensten ermöglichen.“

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