Am Niederwall in Bielefeld sind am Wochenende Stadtbahngleise- und Weichen ausgetauscht worden

Neues Gleisdreieck in 50 Stunden

Bielefeld (WB)

Vier Weichen, jede davon 14 Tonnen schwer, acht bis zu 18 Meter lange Gleisstücke und ein Gleiskreuz auf den Millimeter genau in nur gut 50 Stunden zu erneuern: Das war am Wochenende die Herausforderung für die Gleisbauer, die im Auftrag der Verkehrsbetriebe Mobiel am Niederwall gearbeitet haben.

Hendrik Uffmann

Im Schichtbetrieb haben die Gleisbauer am Wochenende rund um die Uhr gearbeitet, um den Streckenabschnitt am Niederwall zu erneuern. Foto: Bernhard Pierel

Dort, an der Einmündung zur Nikolaus-Dürkopp-Straße, einem der wichtigsten Knotenpunkte im Bielefelder Stadtbahnnetz, waren nach 30 Jahren an den Weichen und Gleisen Abnutzung und Materialermüdung so groß, dass nur noch eines half: der komplette Austausch.

Simon Klassen, bei Mobiel Leiter des Bereichs Gleise und Strecken

Allerdings rollen über diesen Abschnitt Tag für Tag 500 Stadtbahnwagen. Eine Sperrung hätte daher enorme Auswirkungen auf den gesamten Bahnverkehr in Bielefeld gehabt, erklärt am Samstagabend Simon Klassen, bei Mobiel Leiter des Bereichs Gleise und Strecken. „Deshalb müssen wir die Bauzeit so kurz wie möglich halten.“

Zu diesem Zeitpunkt laufen die Arbeiten schon gut zwölf Stunden. Am Freitagabend hatten die Gleisbauer damit begonnen, die verschlissenen Gleise und Weichen auszubauen. Mit Schneidbrennern durchtrennten sie den Stahl und hoben die Tonnenschweren Elemente aus den Schotterbett. Im nächsten Schritt sei dann neuer Schotter eingeebnet worden, erklärt Klassen. Ein großer Teil der neuen Schienen liegt am Samstagabend bereits wieder an Position – zumindest ungefähr. Denn die Herausforderung sei es, tatsächlich auf den sprichwörtlichen Millimeter genau die Elemente einzupassen.

Perfekt aufeinander abgestimmt heben zwei Baggerfahrer eines der vorgefertigten Gleisstücke in das Schotterbett. Foto: Bernhard Pierel

Doch die Zeit ist knapp. Und so wird parallel gearbeitet. In Richtung Hermannstraße haben die Schweißer damit begonnen, die neuen Schienen mit dem vorhandenen Gleisen zu verbinden. Das gleißende Licht der Schweißflamme überstrahlt sogar die hellen Scheinwerfer, mit denen die Baustelle ausgeleuchtet ist.

Am anderen Ende der Baustelle in Richtung Rathaus sind unterdessen die Gleisbauer dabei, einen der 18 Meter langen vorgefertigten Abschnitte aus Schienen und Betonschwellen in Position zu bringen. Vermesser haben zuvor mit gelbem Fettstift die exakten Angaben auf den Stahl geschrieben.

Noch ein Stück weiter heben zwei Baggerfahrer das letzte Schienenelement von der Straße in das Gleisbett. Auch sie müssen präzise und aufmerksam arbeiten. Denn die Ausleger ihrer Bagger bewegen sich zwischen den Bäumen am Niederwall, den Leitungsmasten und den Fahrdrähten, über die die Stadtbahnen mit Strom versorgt werden. Und da direkt nebenan der Betrieb auf den Linien 3 und 4 in Richtung Stieghorst und Tor-6-Gelände weiterläuft, stehen diese unter Spannung.

Doch die Baggerfahrer sind ein eingespieltes Team. Fast wie von einer Hand gesteuert nehmen sie die beiden Enden des 14-Tonnen-Gleisstücks auf und bugsieren es an seinen Platz.

Mit Geräten, die aussehen wie überdimensionale Wagenheber, bringen die Gleisbauer Schienen und Schwellen auf die richtige Höhe, bevor Schotter darunter verstopft wird, so dass sie auch exakt in ihrer Lage bleiben.

Sind diese Arbeiten abgeschlossen, erklärt Simon Klassen, muss noch die Elektrik für die Weichen angeschlossen werden. Bei der Abnahme wird schließlich alles noch einmal vermessen, dann fährt ein Schienenfahrzeug über den neu verlegten Streckenabschnitt, um ihn zu testen.

Und an diesem Montagmorgen um 4 Uhr, so der Plan, fahren dann wieder die Stadtbahnwagen über die neuen Gleise und Weichen.

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