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Der frühere Oberbürgermeister Eberhard David feiert heute seinen 75. Geburtstag

Neugier als erste Motivation

Bielefeld(WB). Der frühere Bielefelder Oberbürgermeister Eberhard David feiert heute seinen 75. Geburtstag. David war der letzte ehrenamtlich tätige OB in Bielefeld, wurde dann zweimal zum hauptamtlichen Oberbürgermeister gewählt. Seine politische Karriere aber begann, als er mit 27 zum ersten Mal für die CDU in der damals noch selbstständigen Gemeinde Senne für den Gemeinderat kandidierte. WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Burgit Hörttrich sprach mit ihm über Politisches und Privates.

Der Senner Eberhard David schätzt die Bretagne mit der Partnerstadt Concarneau und mag Bretagne-Krimis. Foto: Bernhard Pierel

An welchen Moment während Ihrer Amtszeit erinnern Sie sich besonders gern?

Eberhard David: Die Wiedereröffnung des renovierten Stadttheaters 2006. Das war ein Glücksfall – nicht zuletzt auch deswegen, weil Kosten- und Zeitplan eingehalten worden sind. Nach der Gründung der Stiftung hatten alle Beteiligten den Ehrgeiz, dass es klappt. Das war mir eine Herzensangelegenheit.

Und was war der finsterste Augenblick?

David : Anlässlich einer Ratssitzung demonstrierten Kinder und Jugendliche gegen die Kürzung von Mitteln im Jugendhilfeetat. Ich versuchte die Demonstranten über die Hintergründe zu informieren. Beschämend war für mich aber das Feixen und Anfeuern von hauptamtlichen Mitarbeitern der Wohlfahrtsverbände. Hier wurden Kinder und Jugendliche durch Hauptamtliche instrumentalisiert.

An welche Ihrer Amtszeiten denken Sie besonders gern zurück?

David: Die erste Amtszeit als hauptamtlicher OB. Alles war neu, ich musste viel lernen, wobei mir tolle und sachkundige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr geholfen haben. Aber wir waren ein großartiges Team und es hat viel Spaß gemacht.

Eberhard David

Würden Sie sich als junger Mann heute in der Politik engagieren? Was wäre dann Ihre Motivation? Und was war Ihre Motivation, als Sie in die CDU eingetreten sind, zum ersten Mal in Senne Kandidat wurden?

David: Als Kandidat in der Senne war ich zunächst nur neugierig. Erst durch die Anleitungen »Altgedienter« wurde mir bewusst, welche Gestaltungsmöglichkeiten, aber auch welche Verantwortung ein Ratsmitglied hat. Ich würde auch heute noch immer bereit sein, mich für mein Gemeinwesen zu engagieren. Kreativität und Engagement als ehrenamtliches Ratsmitglied bereichert eine Stadt, Hauptamtliche müssen kontrolliert werden und der Bürgerwille muss wieder zu Geltung kommen.

Was würden Sie einem jungen Politiker heute raten? Ist es ein Ziel, ein politisches Amt zu bekleiden? Und ist es den enormen Zeitaufwand tatsächlich wert?

David: Wer sich für seine Stadt interessiert, für den kann die Kommunalpolitik ein schönes Hobby sein. Und für dieses Hobby lohnt es sich auch, Zeit zu investieren. Berufliches Fundament und Absprachen mit der Familie sind notwendig.

Eberhard Davidµ

Wie ist heute Ihr Verhältnis zur Kommunalpolitik?

David : Ich habe keine Berührungsängste, schalte mich aber in keiner Weise ein. Ich bin aber immer noch der Überzeugung, dass zehn Bezirksvertretungen Ballast für eine Stadt wie Bielefeld sind. Bielefeld braucht weniger Bezirksvertretungen, die aber mit mehr Kompetenzen ausgestattet sind und dem Rat direkt zuarbeiten können. Das würde auch die Fachausschüsse entlasten. Was in der Politik so los ist, erfahre ich jetzt aus der Zeitung.

Wo engagieren Sie sich jetzt im Ruhestand?

David : Ich bin im Beirat der Theater- und Konzertfreunde, im Stiftungsbeirat des Welthauses, Vorsitzender des Fördervereins Ramsbrocks Hof und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins der Radrennbahn.

Alles Dinge, die Sie mögen?

David : Meine Frau und ich gehen sehr gern in klassische Konzerte und auch ins Theater, den Ramsbrocks Hof habe ich richtig lieb gewonnen und ich war immer ein leidenschaftlicher Radler. Mit der Radrennbahn verbinde ich viele Erinnerungen, sie war früher Sport-, aber auch Veranstaltungszentrum. Zum Beispiel mache ich mit beim Unkrautzupfen. . .

Und das Welthaus?

David : Da sind es vor allem die Beziehungen zu Esteli in Nicaragua. Ich habe während meiner Amtszeiten alle Paten- und Partnerstädte besucht. Die Arbeit des Welthauses weiß ich zu schätzen. Dort hat man sogar eigens die Satzung geändert, damit ich auch nach meinem 75. Geburtstag weiter dem Stiftungsbeirat angehören kann.

Jetzt noch ein Fazit Ihrer Politik-Jahre möglichst in einem oder zwei Sätzen:

David : Ich habe vieles gesehen und erlebt, was ich sonst nicht gesehen und erlebt hätte. Und viele Menschen kennengelernt, die ich sonst nie kennengelernt hätte.

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