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Barockgemälde von Jacob Jordaens ist Dauerleihgabe

Oetker gibt Bild nach Kassel

Bielefeld/Kassel (WB). Die Gemäldegalerie Alte Meister der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hat am Dienstag ein Bild aus der Kunstsammlung Rudolf-August Oetker in Bielefeld erhalten. Das Unternehmen stellte ihr das großformatige Gemälde »Junge Dame mit Kind und Hund in einer Landschaft« des flämischen Barockmalers Jacob Jordaens (1593-1678) als Dauerleihgabe zur Verfügung.

Matthias Meyer zur Heyde

»Junge Dame mit Kind und Hund in einer Landschaft« – neues Prachtstück in der Jacob-Jordaens-Sammlung in Kassel. Foto: MHK

Dr. Justus Lange, der die Gemäldegalerie Alte Meister der MHK leitet, präsentierte das Gemälde gestern erstmals der Öffentlichkeit. Es war zuletzt 1968/69 in einer Jordaens-Ausstellung in Ottawa in Kanada zu sehen. Das Bild zeigt eine junge Dame und einen Jungen mit Hund. Der Künstler Jordaens präsentiert sich mit dem Werk auf der Höhe seines Schaffens und verbindet Porträtmalerei mit der Darstellung von Tieren in einer pastoralen Landschaft.

Während der kleine Junge links den Hund als Symbol der Treue umschlingt, ist auf der rechten Seite ein Brunnen mit Putto zu sehen, an dem eine Schafherde trinkt,: eine Verklärung des ungezwungenen Landlebens. Im Zentrum steht die kostbar gekleidete junge Frau, die Rosen in der Hand hält. Das legt nahe, dass das Gemälde im Kontext einer Eheschließung entstand. Darauf könnte letztlich auch der Papagei neben ihr hinweisen, der in der Emblematik des 17. Jahrhunderts als Symbol der Liebe fungierte.

Einer der drei wichtigsten flämischen Barockmaler

In seiner anspielungsreichen Bildsprache zeigt sich der Künstler als ein Meister seines Fachs. Kunsthistoriker betrachten Jordaens neben Peter Paul Rubens und Anthonis van Dyck als einen der drei wichtigsten flämischen Barockmaler, die die »Antwerpener Schule« im 17. Jahrhundert prägten – jeder auf individuelle Art. Rubens wird als Humanist angesprochen, van Dyck als typischer Patrizier. Anders als seine beiden kulturell belesenen, weitgereisten und mehrsprachigen Kollegen war Jordaens niemals im Ausland. Im Gegensatz zu ihnen war seine Kunst weniger stark an die Hofmalerei gebunden – ungeachtet der Tatsache, dass er viele Großaufträge bedeutender Höfe erhielt. Jordaens ließ sich gerne von Ovids »Metamorphosen« inspirieren, ein klarer Hinweis, dass er mit antiken Themen sehr wohl vertraut war.

Die Initiative, das barocke Werk nach Kassel zu geben, ging vom Haus Oetker aus. »2013 hatten wir gemeinsam mit dem Museum für Schöne Künste in Brüssel eine weithin beachtete Doppelausstellung über Jacob Jordaens«, sagte die MHK-Sprecherin Sabine Köhler dem WESTFALEN-BLATT. Das Kasseler Thema »Jordaens und die Antike« habe Oetker aufmerksam gemacht. Der Grund, dass das Haus den Jordaens nach Kassel gab, habe seinen Ursprung wohl in dem Umstand zu suchen, dass das Unternehmen kein eigenes Museum besitze – »hier in der Gemäldegalerie Alter Meister jedoch kann es angemessen präsentiert werden.«

Zuletzt im Depot der Alten Pinakothek in München

Das Werk, das jetzt im dritten Obergeschoss auf Schloss Wilhelmshöhe zu bewundern ist, ergänze auf hervorragende Weise den Bestand der Jordaens-Gemälde – einen der größten in Deutschland – in der Museumslandschaft Hessen Kassel. »Wir werden die Übergabe aus dem Hause Oetker zum Anlass nehmen, noch intensiver zu Jordaens zu forschen«, kündigte Sabine Köhler am Dienstag an. »Für das Gemälde gilt das von seiner Entstehung über seinen Werdegang durch die Jahrhunderte bis zu seiner Ankunft in Kassel.« Eine Erkenntnis hat man schon gewonnen: Die »Junge Dame mit Kind und Hund in einer Landschaft« befand sich zuletzt nicht etwa in Bielefeld, sondern im Depot der Alten Pinakothek in München.

Ein perfekter Anlass, das Bild zu sehen, bietet sich ab dem 12. April. Dann wird auf Schloss Wilhelmshöhe die Ausstellung »Kassel . . . verliebt in Saskia – Liebe und Ehe in Rembrandts Zeit« eröffnet (bis 11. August), eine der zahlreichen großen Schauen zu Rembrandts 350. Todestag. Saskia Uylenburgh war die Ehefrau des Künstlers, die er repräsentativ porträtiert hat. Kassels neuer Jordaens bleibt dann hängen.

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