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IHK-Verkehrsforum: Versicherungen drosseln aber zu hohe Erwartungen

Offen für autonomes Fahren

Bielefeld (WB). Automatisiertes Fahren ist kein unfallfreies Fahren. In diesem Punkt sind sich Versicherer und Autobauer einig. Unterschiede gab es Montag beim IHK-Verkehrsforum in Bielefeld, was die Einschätzung möglicher Fortschritte beim Thema Sicherheit im Straßenverkehr betrifft.

Bernhard Hertlein

Diskutierten beim Verkehrsforum über autonomes Fahren (von links): Harald Grefe (IHK), Ane-Kristin Reif-Mosel (Schenker), Marko Gustke (Verband der Autoindustrie), Matthias Kühn (Versicherungswirtschaft), Hubertus Goldkuhle (Daimler) und Klaus Esser (KE Consult).

Während der Kölner Verkehrsexperte Klaus Esser und Daimler-Manager Hubertus Goldkuhle hervorhoben, dass in 90 Prozent aller Verkehrsunfälle menschliches Versagen die Ursache ist, betonte der Fachmann der Versicherungswirtschaft, Matthias Kühn, eine noch viel größere Zahl von Unfällen werde durch die Geistesgegenwart und richtige Reaktion von Autofahrern verhindert. Diese Qualität müssten Computerhirne erst noch erreichen.

Kühn geht davon aus, dass die Unfallschäden durch die weitere Teilautomatisierung nur leicht zurückgehen. Das sei zumindest so lange der Fall, wie sich von Menschen gesteuerte Fahrzeuge und Roboterautos auf den Straßen begegnen – also »mindestens noch 25 Jahre«. Zu den beherrschbaren Herausforderungen gehören, so Goldkuhle, das Erkennen von Fußgängern, vor allem kleinen Kindern, der Fahrbahn unter Schnee sowie das Auseinanderhalten von Ampeln und Leuchtreklame.

Unternehmen erkennen die Relevanz

Der Verlauf des IHK-Verkehrsforums zeigt: Die Unternehmen in der Kfz-, Dienstleistungs- und vor allem Logistikbranche in Ostwestfalen erkennen die zunehmende Relevanz, die das autonome bzw. teilautonome Fahren für sie hat. Schließlich wird die Lücke beim Fahrpersonal zusehends größer. Kühn kann sich allerdings den fahrerlosen Lkw auf deutschen Autobahnen in absehbarer Zeit nicht vorstellen. Der zeitweise beschäftigungslose Fahrer könne andere Arbeiten etwa im Bereich der Disposition erledigen, müsse aber, wenn das Signal komme, jederzeit aufs Lenkrad zugreifen können.

Einig waren sich die Referenten, dass die deutschen Autohersteller kaum hinter der neuen amerikanischen Konkurrenz von Google und Tesla hinterherhinken. Im Übrigen bleibe es dabei, dass Autos, die noch weitgehend den Status von Prototypen hätten, auf deutschen Straßen nichts zu suchen hätten. Goldkuhle verwies darauf, dass 61 Prozent der Bevölkerung autonomes Fahren aus technischen Gründen ablehnen. Sie gelte es zu überzeugen. Im Übrigen müsse die Politik noch die rechtlichen Voraussetzungen schaffen.

Digitaler Abbiegeassistent

In der Zwischenzeit erwarten die Experten weitere Fortschritte beim teilautomatisierten Fahren. Segensreich sei der digitale Abbiegeassistent, der schon einige schlimme Unfälle mit Fahrradfahrern und Fußgängern beim Rechtsabbiegen verhindert habe. Esser lobte als besonders hilfreich zudem Stau-, Park-, Parkhaus-, Spur- und Konvoi-Assistenten.

Bei einer Abstimmung der IHK im Anschluss an die Veranstaltung zeigte sich, dass die Unternehmer dem automatisierten Fahren weitaus offener entgegensehen als die Allgemeinheit. 40 Prozent erklärten, sie würden sich künftig in jedem Fall in ein autonomes Auto setzen. Nur 10 Prozent lehnten das ebenso entschieden ab.

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