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Nach Urteil gegen Messerstecherin (15) aus Bielefeld

Opferanwalt prüft Revision

Bielefeld (WB)

Wird das Therapie-Urteil beim Prozess um den versuchten Mord unter Bielefelder Schülerinnen zum Fall für den Bundesgerichtshof? Opferanwalt Peter Rostek hat angekündigt, die Revision zur höchsten Strafrechts-Instanz gegen die am Mittwoch verkündete Entscheidung des Jugend-Schwurgerichts zu prüfen.

Jens Heinze

Symbolbild. Foto: dpa

Das Urteil, wonach die angeklagte 15-jährige Messerstecherin eine Therapie machen, aber nicht ins Gefängnis einfahren muss, ist noch nicht rechtskräftig. Die 4. Große Strafkammer des Landgerichts Bielefeld sprach die Jugendliche zwar wegen gefährlicher Körperverletzung schuldig, setzte aber kein Strafmaß fest. Die Nebenklage hat bis Mitte nächster Woche Zeit, Revision zum Bundesgerichtshof (BGH) einzulegen und dieses Rechtsmittel nach Zugang des schriftlichen Urteils zu begründen.

Wie berichtet, hatte die angeklagte 15-Jährige beim fünf Monate dauernden Prozess gestanden, ihre damalige Klassenkameradin und ehemals beste Freundin am Abend des 26. April 2020 im Keller ihres Elternhauses niedergestochen zu haben. Die Anklage listet zwölf Messerstiche auf. Zudem erlitt das Opfer, das in eine Falle gelockt wurde, bei Schlägen und Tritten ein Schädelhirn- und ein Bauchtrauma.

Opferanwalt Peter Rostek

„Meine Mandantin ist fassungslos. Sie ist psychisch nachhaltig von der Tat gezeichnet, die Narben der Stichwunden machen ihr Probleme“, sagte Opferanwalt Rostek nach dem Urteil. Er hatte fünf Jahre Haft wegen versuchten Mordes gefordert.

Das Jugend-Schwurgericht befand aber, dass wegen einer Persönlichkeits-Fehlentwicklung der 15-jährigen Angeklagten eine Haftstrafe nicht sinnvoll sei. Stattdessen muss die Jugendliche wegen ihrer im Zustand verminderter Schuldfähigkeit begangenen Affekttat eine einjährige Psycho-Therapie absolvieren.

Verteidiger Baris Devletli meinte, die jugendliche Angeklagte müsse die Tat während der Therapie aufarbeiten. „Das Gericht konnte keinen Plan für einen Mord feststellen“, sagte der Rechtsanwalt. Devletli verwies auf den von den Richtern festgestellten sogenannten strafbefreienden Rücktritt vom Mordversuch: Die Schülerin habe während ihrer Tat freiwillig eine Tötungsabsicht aufgegeben. Die 15-Jährige sei keine Kriminelle. „Meine Mandantin ist vor dem Messerangriff auf ihre Mitschülerin nie straffällig geworden“, sagte der Verteidiger.

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