Bielefelder Produzentengalerie: Ausstellung „Windows“ zeigt Motiv des Fensters als Schnittstelle von drinnen und draußen

Ordnung ins Chaos bringen

Bielefeld (WB)

Seit Leon Battista Alberti im 15. Jahrhundert in seiner Abhandlung über die Malerei die Metapher vom Bild als einem offenen Fenster zur Welt aufgestellt hat, ist das Fenstermotiv verknüpft mit einer an die Zentralperspektive gebundenen Illusionsmalerei, die die dreidimensionale Wirklichkeit der äußeren Welt auf die zweidimensionale Ebene des Bildträgers überträgt.

Uta Jostwerner

Fotorealistische Illusionsmalerei und Abstraktion bringt Andrea Ridder in ihren Fensterbildern unter einen Hut. Foto: Thomas F. Starke

Doch über seine abbildende Funktion hinaus verführen die Eigenschaften der Flächigkeit, Rahmung und rasterartigen Binnengliederung des Fensters ebenso wie die Transparenz und das Spiegelungsvermögen des Glases zur künstlerischen Auseinandersetzung mit den Grenzen von innen und außen. Ein beliebtes Wirkungsfeld also für Maler aller Epochen. Diesbezüglich sowie darüber hinaus aufgrund ihrer meisterhaften, illusionsmalerischen Techniken befindet sich die Bielefelder Malerin Andrea Ridder mit ihrer neuen Serie von Fensterbildern in bester Gesellschaft.

Im vergangenen Jahr, als Corona das öffentliche Leben zum Erliegen brachte, ermöglichte ihr ein Stipendium des Landes NRW, einen Zyklus von Fensterbildern zu erschaffen, der in der Produzentengalerie zu sehen ist – aktuell gut einsehbar durch die große Schaufensterscheibe.

„Bei mir herrschte damals das totale Chaos. Durch Corona waren mir sämtliche Einnahmen weggebrochen. Vor meiner Haustür erschütterte der Lärm einer Straßenbaustelle meine Atelierwände, und im Atelier selbst herrschten wegen eines Rohrbruchs monatelang die Handwerker. Diesem Chaos bin ich durch eine kontrollierte und sehr realistische Malerei entgegengetreten“, sagt die gebürtig aus Paderborn stammende Künstlerin.

Zum einen ist es ihr gelungen, die Fensterdarstellung auf eine reine Flächenkomposition zu reduzieren, die zugleich in altermeisterlicher Weise den Oberflächenstrukturen von Rollos, Glas oder Hauswänden nachspürt. Zum anderen wirft Andrea Ridder einen Blick auf die Bedeutung des Fensters für den Menschen und das mitmenschliche Zusammenleben.

Ein Fenster dient dem Schutz vor äußeren Einflüssen und unerwünschten Blicken. Auf der anderen Seite ermöglicht das Öffnen des Fensters, Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen. „Das Fenster ist die Membran zwischen innen und außen, dem Ich und dem Du. Gerade in Zeiten der Pandemie, in denen viele Menschen in Quarantäne und Isolation zu Haus bleiben müssen, ist das Öffnen des Fensters häufig der einzige Kontakt zur Außenwelt, sieht man einmal vom Internet und dem Telefon ab“, erläutert die Künstlerin, die ihre Ausstellung im Anschluss bundesweit in leerstehenden Räumlichkeiten zeigen möchte.

„Windows – oder die Abwesenheit des Menschen in der Malerei“ ist noch bis zum 8. Juni in der Produzentengalerie in der Rohrteichstraße 36 zu sehen.

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