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Auftakt zum „Planungsdialog“ mit mehr als 1000 Teilnehmern

OWL wehrt sich gegen geplante neue ICE-Trasse

Bielefeld (WB)

Die von einer neuen ICE-Trasse betroffenen Kreise und Kommunen in Ostwestfalen-Lippe haben sich überaus klar gegen das Projekt ausgesprochen und die Deutsche Bahn AG aufgefordert, die bestehende Trasse „ergebnisoffen“ in die Planungen aufzunehmen.

Andreas Schnadwinkel

Um den geplanten Ausbau der Bahnstrecke zwischen Bielefeld und Hannover gibt es Streit. Foto: WB

„Die Umwelt- und Naturschäden eines Trassenneubaus sind nicht mit dem Klimaschutz zu vereinbaren“, sagte Anna Bölling (CDU) am Donnerstagabend beim Auftakt des öffentlichen „Planungsdialogs“ mit 1000 Teilnehmern zwischen der Deutschen Bahn und Vertretern der Anrainer.

Die Landrätin des Kreises Minden-Lübbecke nutzte ihr Statement zu einem Plädoyer für den Erhalt Mindens als ICE-Bahnhof. Bei den bislang vorliegenden fünf Trassenvarianten verlöre Minden den ICE-Halt. „Eine Entscheidung, Minden abzukoppeln, wäre unverhältnismäßig. Berufspendler, Großunternehmen und Mittelständler der Region brauchen Minden als ICE-Bahnhof“, sagte Bölling und warnte auch davor, Bad Oeynhausen noch weiter mit Infrastruktur zu belasten. Bölling: „Ich fordere die Deutsche Bahn dringend auf, die Bestandstrasse und den Ausbau der Verbindung Minden-Haste in die Planung aufzunehmen.“

Sonja Gerlach ist Bürgermeisterin in Porta Westfalica Foto:

Auch Porta Westfalicas Bürgermeisterin Sonja Gerlach (CDU) forderte eine „ergebnisoffene Planung, bei der die Fahrtzeit kein Tabu“ sein dürfe. „Die Planung bewegt und beunruhigt eine ganze Region, weil wir etwas zu bewahren und zu schützen haben. Es wird Zeit, dass wir die Spekulationen und die Verunsicherung beenden. Die Bestandsstrecke ist die nachhaltigste, verträglichste Lösung“, sagte Gerlach und zeigte sich konfliktbereit: „Wir stimmen der Modernisierung zu. Und hier endet der Konsens.“

Herfords Landrat Jürgen Müller (SPD) lehnte einen Neubau für seinen „schon jetzt von Infrastruktur durchschnittenen Kreis“ ab und verlangte von der Bahn, die Priorität auf den Nah- und Regionalverkehr zu legen und nicht auf den Fernverkehr. „Wir haben eine Bevölkerungsdichte von 556 Einwohnern pro Quadratkilometer. Durch die Trasse würden Neubauflächen zerstört, und der Siedlungsdruck würde die Landwirtschaft weiter verdrängen. Nehmen Sie die bestehende Trasse in den Fokus, und nehmen Sie Abstand davon, eine neue Trasse in der Region zu planen“, so Müller.

Bahn-Projektleiter Frank Heuermann stellte im Anschluss an die Ausführungen der heimischen Politiker klar, dass die Bestandsstrecke „natürlich Teil der Planung“ sei. Auch betonte Heuermann, dass die Vorgabe bei der Verkürzung der Fahrtzeit zwischen Bielefeld und Hannover „bis zu 31 Minuten“ betrage – und nicht „31 Minuten“.

Offenbar ist die Fahrtzeit nicht in Stein gemeißelt.

Um im geplanten künftigen Deutschland-Takt mit der Bahn unter vier Stunden von Köln nach Berlin zu kommen, soll die Fahrtzeit zwischen Hannover und Bielefeld von derzeit 48 auf bis zu 31 Minuten sinken. Dieses Ziel sei nur mit einer neuen ICE-Trasse erreichbar, meinen die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium. Fünf Modell-Varianten, wie der Ausbau aussehen könnte, sind Grundlage der Planungsberatungen. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 1,9 und 5,9 Milliarden Euro. Streitpunkte sind, in welchem Umfang die neuen Gleise in Landschaft und Natur eingreifen, was die Belastung für Anlieger an Neubau- und auch bestehenden Streckenabschnitten sind, und natürlich Kosten und Nutzen. Bürgerinitiativen in OWL (Vlotho und Porta Westfalica) mobilisieren seit längerem gegen eine neue Trasse.

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