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In Bielefeld-Quelle geraten Bürger mit dem Gesetz in Konflikt, weil sie Gartenerweiterungen zu stark befestigt haben

Pachtflächen bedrängen Schutzgebiet

Quelle

Welcher Eigenheimbesitzer erweitert sein landschaftlich reizvoll gelegenes Grundstück nicht gerne um bis zu 159 Quadratmeter – sofern ein günstiges Pachtangebot vorliegt? Am Mustangweg im Queller Neubaugebiet Alleestraße haben 13 Parteien eine solche Chance wahrgenommen. Doch nun steht ihnen Ärger ins Haus.

Markus Poch

13 Gärten ragen mit angepachteten Flächen (rot markiert) ins Landschaftsschutzgebiet Ostmünsterland. Deshalb müssen die Pächter Auflagen erfüllen. Foto: Heinz Stelte

Die Flächen, die Landbesitzer Hermann Meyer zu Borgsen seit 2019 verpachtet, ragen ins nördlich angrenzende Landschaftsschutzgebiet (LSG) Ostmünsterland. Das allein ist kein Drama. Allerdings sind innerhalb eines solchen Geländes mit Blick auf den Naturschutz allerlei Nutzungsauflagen zu erfüllen.

Und hier liegt das Problem der 13 Hauseigentümer: Etliche von ihnen haben das nicht beachtet. Ihre Gärten sind durch die Pachtflächen zwischen 83 und 159 Quadratmeter größer und spätestens seit Herbst 2020 zumeist stabil und für viel Geld eingezäunt geworden. Schon diese Einzäunung darf nicht sein.

Das LSG Ostmünsterland ist 1574 Hektar groß. Es erstreckt sich über weite Teile des Landschaftsraumes zwischen dem Teutoburger Wald im Norden, der Bielefelder Stadtgrenze im Westen und Süden sowie der Bahnlinie im Osten. Wie im Landschaftsplan ausführlich aufgelistet, sind dort zum Beispiel „bauliche Anlagen“ untersagt, die mit dem Erdboden eine Verbindung eingehen.

Zu solchen Anlagen zählen unter anderem Gartenzäune, Hütten, Terrassen und Spielplätze. Auch dürfen dort keine Grillgeräte benutzt oder Hunde frei laufen gelassen werden. Verboten ist zudem, Bäume und Pflanzen zu beseitigen oder auch nur zu beschädigen. Wald, Heide und Magerrasen dürfen nicht „in eine andere Nutzungsart“ umgewandelt werden.

Der Landschaftsplan stellt also klar: Auf solchen Flächen geht es um sensible Fragen des Naturhaushaltes und des ökologischen Gleichgewichts, die gerade in einer Großstadt wie Bielefeld zu respektieren sind. Auf diese These pocht ein aufmerksamer Bürger aus der erweiterten Nachbarschaft des Mustangweges. Er, der anonym bleiben möchte, hat den Stein ins Rollen gebracht. Manche Anwohner würden wohl eher sagen, er habe sie angeschwärzt. Doch ihm geht es ums Prinzip.

„Wer beschützt die, die sich nicht selber beschützen können?“, fragt der besorgte Queller und antwortet sogleich: „Es ist das Recht“, sagt er. „Nicht nur die Menschen, sondern auch Landschaftsschutzgebiete werden durch unser Rechtssystem geschützt.“ Deswegen müssten Vorgaben aus Bebauungsplänen eingehalten werden, was am Mustangweg aktuell nicht der Fall sei. Der Queller fordert: „An dieser Stelle muss sich das Umweltamt einschalten und Verantwortlichkeit zeigen. Sonst zerrinnt uns irgendwann alles, worauf es in der Gesellschaft ankommt, zwischen den Fingern.“

Was tut das Umweltamt? „Wir haben die Prüfung der Sachlage mit Bekanntwerden aufgegriffen“, versichert dessen Leiterin Tanja Möller. Es sei derzeit weder vorgesehen, das LSG um die Gartengrundstücke zu verkleinern, noch das Bebauungsplan-Gebiet über seine Grenzen hinaus zu vergrößern. Die Stadt Bielefeld verschaffe sich gerade einen Überblick über Sach- und Rechtslage. Das werde einige Zeit in Anspruch nehmen. Zu einzelnen Anwohnern bestehe bereits Telefonkontakt.

Die Anwohner sind verunsichert. Manche behaupten, sie hätten „natürlich niemals für tausende Euro“ Zäune errichtet, wenn sie das Problem gekannt hätten. Sie fragen sich, ob nicht der Verpächter darauf hätte aufmerksam machen müssen.

„Mir ging es hauptsächlich darum, die Fläche zwischen Gärten und Wald vor der Vermüllung zu schützen. Deshalb habe ich sie verpachtet“, erklärt Hermann Meyer zu Borgsen. „Das Gelände war jahrzehntelang landwirtschaftlich genutzt, und ich wusste nicht mehr genau, wo die Grenze ist. Dieser Fehler ist mir unterlaufen. Aber dramatisch finde ich das nicht. Die Anwohner werden mit dem Umweltamt sicher eine gute Lösung finden.“

In seinem Vertrag hatte Meyer zu Borgsen die Pächter lediglich darauf hingewiesen, dass Gartentore in Richtung Wald nicht zulässig seien. Auch daran hielten sich nicht alle. Die Grünen wollen das Thema an diesem Donnerstag in der Bezirksvertretung Brackwede auf den Tisch bringen.

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