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In Bielefeld wollen die Grünen Einfamilienhäuser nicht verbieten – aber sie werden immer mehr zum Luxus

Passt dieser Traum noch in die Zeit?

Bielefeld

Ausgeträumt? Einfamilienhäuser werden in Bielefeld immer mehr zum Luxus. Nicht selten eine halbe Million und mehr muss inzwischen investieren, wer ihn sich erfüllen will.

Michael Schläger

Im Neubaugebiet an der Neulandstraße in Theesen entstehen aktuell eine Reihe von freistehenden Einfamilienhäusern Foto: Bernhard Pierel

Und dann kommen noch die Grünen und wollen den Menschen diesen Traum ganz vermiesen.

„Das ist natürlich Quatsch“, ärgert sich Jens Julkowski-Keppler, Fraktionschef der Grünen im Bielefelder Rat, über die aktuelle bundesweite Debatte. In Bielefeld wollten die Grünen Einfamilienhäuser nicht nicht verbieten. Und auch Anton Hofreiter, Fraktionschef im Bundestag, sei mit seinen Aussagen „bewusst falsch verstanden“ worden.

Aber die Debatte, wie viel (bezahlbare) Flächen in Bielefeld noch für Wohnungsbau zur Verfügung stehen, wird schon seit längeren geführt, nimmt aktuell wieder Fahrt auf, weil mögliche künftige Siedlungsflächen für den Regionalplan, der bis 2035 Gültigkeit haben wird, angemeldet werden müssen.

„Der Wohnungsmarkt ist in allen Bereichen angespannt, ganz gleich ob bei Geschosswohnungen oder bei Einfamilienhäusern“, sagt Jens Julkowski-Keppler. „Wir wollen mehr preisgünstigen Wohnraum schaffen, damit ihn sich auch Durchschnittsverdiener leisten können.“ Die Preisspirale nach oben solle durch die städtische Baulandstrategie durchbrochen werden. Dabei tritt die Stadt als Grundstückzwischenhändler auf, will Flächen zu bezahlbaren Preisen abgeben.

Ein „Testballon“ für diese Strategie könnte das Baugebiet Amerkamp in Oldentrup werden. Dort sollen auf 16 Hektar 300 Wohneinheiten entstehen, darunter auch 100 Eigenheime. „Die Grundstücke werden nach sozialen Kriterien vergeben“, betont Julkoswki-Keppler.

„Aktuell ist der Markt überhitzt“, sagt auch Jens Hagedorn von der Abteilung Wohnungsbauförderung und Wohnungsaufsicht im städtischen Bauamt. Jährlich kommen rund 200 Eigenheime in Bielefeld hinzu. Aktuell sind es rund 32.400 von 173.00 Wohneinheiten in der Stadt. Den Wunsch nach den eigenen vier Wänden kann Hagedorn gut nachvollziehen. „Aber aus dem Einfamilienhaus wird im Alter oft ein Ein-Personen-Haus“, sagt er. Dies müsse auch bei der Stadtplanung berücksichtigt werden.

CDU-Fraktionschef Ralf Nettelstroth, wie sein grüner Kollege Julkowsi-Keppler auch im Stadtentwicklungsausschuss des Rates, fürchtet, dass die Stadt für den anhaltenden Bedarf am Ende nicht genügend Flächen zur Verfügung hat. „Ein Versäumnis der alten Paprika-Mehrheit.“ Gehe es in den konkreten Planungsprozess, stelle sich zudem oft heraus, dass viele mögliche Flächen am Ende für eine Bebauung nicht geeignet seien, weil der Eigentümer nicht verkaufen wolle oder andere Probleme auftauchten. Deshalb sei ein Vorrat wichtig. Und nicht nur die Grundstückspreise, sondern auch die Baukosten machten das Einfamilienhaus immer mehr zum Luxusgut – trotz aktuell niedriger Zinsen.

5000 bis 6000 Wohnungen sollen in Bielefeld in den kommenden fünf Jahren entstehen, so wünscht es sich Jens Julkowski-Keppler. „Darunter werden auch Eigenheime sein.“ Damit die am Ende die Klimabilanz nicht verhageln, könnte aber bei deren Ausgestaltung eingegriffen werden. Photovoltaik oder eine Dachbegrünung wären auch aus grüner Sicht denkbare Vorgaben.

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