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Dietmar Wischmeyer feiert mit 750 Besuchern „Schwarze Weihnacht“

Pestilenz am Glühweinstand

Bielefeld (WB). Wenn verzweifelte Schausteller ins Frittierfett aschen, Plüschratten föhnen und Weihnachtsmärkte in der Vorstadt ihren suizidalen Charme versprühen, dann läuft Dietmar Wischmeyer zur Höchstform auf. Der „pestilenzartige Geruch der Schmurgelpfannen“ auf den Märkten und die Kunst, aus Abfall und Giftmüll überteuerte Lebensmittel zu erzeugen, animieren den Satiriker zu ganz neuen Betrachtungen zum Fest der Liebe.

Kerstin Panhorst

Der vor allem aus der Sendung „Frühstyxradio“ bekannte Satiriker Dietmar Wischmeyer gab in der Bielefelder Stadthalle seine ganz persönliche Sicht auf den alljährlichen Weihnachtswahn zum Besten und lief dabei zu Höchstform auf. Foto: Panhorst

„Solange es in Deutschland noch Menschen gibt, die nicht nach dem Glühweintrinken direkt tot umfallen, müssen wir vor Ebola und griechischen Restaurants keine Angst haben“, erklärt Wischmeyer den 750 Besuchern im ausverkauften kleinen Saal der Stadthalle.

Eine Ironiekaskade

Der durch seine Radio-Comedy beim Sender FFN bekannt gewordene Kabarettist ist mit seiner „Schwarzen Weihnacht“ gekommen und lässt den Stern der Hoffnung für die Menschheit strahlend hell aufgehen, um ihn dann mitsamt der ganzen festlichen Stimmung in einer Ironiekaskade wieder untergehen zu lassen. Wenn der Besuch der Verwandtschaft, oder – wie Wischmeyer sie nennt – des „trüben Genpools“, ansteht schickt er Stoßgebete in den Himmel („Herr, lass das Pack von uns weichen“) und steht kurz vor dem Sozialinfarkt. Genüsslich parodiert er den stets schwatzenden Onkel Heinz und die plötzlich auftauchenden Familienmitglieder aus dem Sauerland und gibt nebenbei Tipps für Geschenke („Tretminen mit Zeitzünder“). Wohlhabende Menschen könnten über „20 Hektar Favela in Rio zum selber Wegbaggern“ nachdenken, für die Gattin soll es lieber kein Parfüm sein, denn das könne auf „der schweißigen Pelle des Alttieres“ unangenehm riechen. „Einer Frau schenkt man auch keinen Alkohol, auch wenn sie noch so eine therapieresistente Schnapsdrossel ist“, weiß Dietmar Wischmeyer, der festes Ensemblemitglied der ZDF „heute Show“ ist.

Bielefelder Fahrradklingel-Orchester

Zu seiner Anti-Weihnachts-Gala hat sich der 62-Jährige zudem eine illustre Gästeschar mit gebracht. Er selbst reaktiviert seine bekannte Figur „Der kleine Tierfreund“, Roberto Nero singt seinen Hit „Der Weihnachtsfraß muss rein“, der niederländische Superstar Herpes van der Lüden gibt ein Weihnachtslied über Fanta mit Korn zum Besten und das Königlich Bielefelder Mechanik e.V. Fahrradklingel-Orchester spielt an den Lenkern versiert Neuinterpretationen von Klassikern wie „Kling Glöckchen“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“.

Das Orchester ist ein Überbleibsel aus Wischmeyers Bielefelder Zeit, als er hier Literaturwissenschaften und Philosophie studierte und später auch Lehrvertretungen an der Universität übernahm. Damals trafen sich im Falkendom regelmäßig einige Fahrradenthusiasten, die sich nun für die exklusiv in Bielefeld stattfindende einzige „Schwarze Weihnacht“ noch einmal für ein musikalisches Intermezzo zusammengefunden haben. Die Lieder widmete das Fahrradklingel-Orchester übrigens dem verlorenen Würstchenstand auf dem Bielefelder Bahnhofsvorplatz, dem alle Mitglieder noch immer hinterher trauern.

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