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Kritik an Schließungsplänen – erster Infoabend zu Sekundarschulen in Bielefeld

Plakataktion für den Erhalt der Bosseschule

Bielefeld (WB). Die Eltern der Bosse-Realschule wollen mit 100 Plakaten, die rund um die benachbarten Grundschulen aufgestellt werden sollen, für den Erhalt ihrer Schule werben.

Michael Schläger

Daniela Schmidt-Müller (Fünfte von links) setzt sich gemeinsam mit weiteren Eltern für den Erhalt der Bosseschule ein. Auf 100 Plakaten werben sie mit den »Pluspunkten« der mehr als hundert Jahre alten Schule im Bielefelder Westen. Foto: Mike-Dennis Müller

»Wir fühlen uns bei der Elternbefragung nicht fair behandelt«, sagt Daniela Schmidt-Müller, Schulpflegschaftsvorsitzende der Bosse-Realschule. Die Schule soll auslaufend geschlossen werden, wenn es zum Schuljahr 2018/19 genügend Anmeldungen für eine Sekundarschule Gellershagen geben sollte, die im Gebäude der Brodhagenschule untergebracht würde. Eine zweite Sekundarschule ist in der bisherigen Kuhlo-Realschule geplant. Auch diese Realschule würde auslaufend geschlossen, gäbe es genügend Anmeldungen. In Baumheide soll in der bisherigen Hauptschule dagegen eine neue Realschule eröffnet werden.

Elternbefragung startet am Mittwoch

Morgen startet die Stadt offiziell ihre Elternbefragung, mit der der Bedarf für die Sekundarschulen ermittelt werden soll. Abgefragt werden soll bei den rund 6000 Eltern von Dritt- und Viertklässlern in Bielefeld aber auch, welche Schulform sie sich alternativ für ihre Kinder wünschen. Bis zum 27. September soll die Umfrage laufen, die Ergebnisse anschließend kurzfristig vorgestellt werden.

»Die Eltern werden im Vorfeld nicht objektiv informiert«, meint Daniela Schmidt-Müller. Stattdessen seien dem allgemeinen Informationsschreiben der weiterführenden Schulen, in dem bereits auch die neuen Sekundarschulen aufgelistet seien, zusätzlich zwei Werbeflyer der geplanten Neugründungen beigefügt worden. »Es kommt das Gefühl der gesteuerten Meinungsbildung auf.«

Dem widerspricht Georg Müller, Leiter des städtischen Amtes für Schule. »Wir sind genauso verfahren, wie es in anderen Städten, in denen Sekundarschulen eröffnet werden sollten, auch gemacht worden ist«, sagt Müller. Das Vorgehen entspreche auch den Vorgaben der Detmolder Bezirksregierung. Man müsse benennen, was neu ist.

FDP schließt sich der Kritik an

Die Gründung zweier neuer Sekundarschulen war von der Ampel-Koalition im Rathaus aus SPD, Grünen und Piraten/Bürgernähe gemeinsam mit der CDU beschlossen worden. So will man darauf reagieren, dass es bald keine Hauptschulen mehr in Bielefeld geben wird. Sekundarschulen arbeiten ähnlich wie Gesamtschulen, verfügen aber nicht über eine eigene Oberstufe.

Unterdessen schließt sich die FDP der Kritik der Bosse-Eltern an. »Um unbedingt die ersten städtischen Sekundarschulen in Bielefeld einzuführen, wollen Verwaltung und Politik Realschulen schließen, obwohl dort schon jetzt mehr Anmeldungen als Plätze vorhanden sind«, sagt Jan Maik Schlifter, FDP-Vertreter im Schulausschuss des Rates. »Da wird es mit der Kommunikation von Vor- und Nachteilen offenbar nicht so genau genommen.«

Stein des Anstoßes ist auch ein Satz im Einladungsschreiben für den Info-Abend zur geplanten Sekundarschule in der Kuhlo-Realschule. Darin heißt es: »Die neue Schulform bietet im Vergleich zu den Ihnen sicherlich bekannten Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen weitere Vorteile«.

100 Mütter und Väter bei Info-Abend

Der Info-Abend in der Kuhlo-Realschule hat am Montag stattgefunden. Eingeladen waren die Eltern von neun benachbarten Grundschulen. Rund 100 Mütter und Väter waren gekommen. Vorgestellt wurden das Konzept der dort geplanten Sekundarschule und die nun anstehende Elternbefragung.

Am Mittwoch wird im Gebäude der Brodhagenschule das Konzept der dort geplanten Sekundarschule Gellershagen vorgestellt. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Dabei sein werden auch die Eltern der Bosse-Schule. »Ein Rederecht hat man uns aber nicht eingeräumt«, bedauert Daniela Schmidt-Müller.

Sie hofft deshalb, dass die jetzt angelaufene Plakataktion etwas bewirkt. An der Bosseschule, die aktuell von 460 Kindern besucht wird, werde eine »super Arbeit« geleistet: »Die Klassen sind voll, die Schüler sind glücklich, doch da geht die Politik einfach darüber hinweg.«

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