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Kontroverse Debatte in der Bezirksvertretung Stieghorst über Positionspapier

Pläne der Stadt für Briten-Siedlungen

Bielefeld (WB). Fast 19 Hektar groß sind die sechs Wohnsiedlungen, die nach dem Abzug der britischen Streitkräfte in Bielefeld frei geworden sind. Derzeit gibt es darin insgesamt 420 Wohneinheiten, meist in Reihen- und Doppelhäusern. Welche Potenziale diese Siedlungen haben, welche Gebäude stehen bleiben könnten und welche Möglichkeiten zur Nachverdichtung es gibt, dazu hat die Stadt Bielefeld nun erstmals ein Positionspapier vorgelegt.

Hendrik Uffmann

In der Siedlung oberhalb des Lipper Hellwegs sieht die Stadtverwaltung an manchen Stellen Nachverdichtungspozial. Foto: Hendrik Uffmann

Bislang gehören die Liegenschaften dem Bund und werden von der Bundesanstalt für Immobilienangelegenheiten (BImA) verwaltet. „Ende des vergangenen Jahres hat es diesen Strategiewechsel gegeben“, erklärte Michael Kellersmann vom Bereich Stadtentwicklung im städtischen Bauamt in der jüngsten Sitzung der Bezirksvertretung Stieghorst, in der das Positionspapier zum Thema Konversion vorgestellt wurde.

Obwohl dies bedeute, dass die Stadt zunächst keinen Zugriff auf die Häuser habe, definiert das Papier nun erstmals die Vorstellungen der Stadt, wie die sechs Wohnstandorte weiterentwickelt werden könnten. Geprüft wurde aber auch, ob die Stadt Grün- und Sportflächen und Spielplätze von der BImA kaufen kann – und in einzelnen Fällen auch Gebäude wie das ehemalige Offizierscasino in Heepen –, um dort soziale Infrastruktur wie etwa Kindertagesstätten zu entwickeln .

Insgesamt geht es um sechs Siedlungen im Stadtgebiet: am Dreierfeld in Heepen mit 7,8 Hektar Fläche und 146 Wohneinheiten, im Musikerviertel an der Johann-Sebastian-Bach-Straße (2,9 Hektar, 38 Wohneinheiten), oberhalb des Lipper Hellwegs in Sieker (3,8 Hektar, 110 Wohneinheiten), an der Königsberger Straße in Stieghorst (2,4 Hektar, 54 Wohneinheiten), an der Straße Am Niederfeld in Stieghorst (1,3 Hektar, 52 Wohneinheiten) und an der Kölner Straße in Brackwede (knapp 0,5 Hektar, 20 Wohneinheiten).

Bewertet haben die Planer des Büros Drees und Sommer im Auftrag der Stadt auch das Wohnumfeld, das bestehende Baurecht, Denkmalschutz und die Möglichkeit der Nachverdichtung – also auf der vorhandenen Fläche mehr Wohneinheiten unterzubringen.

Lipper Hellweg

Von den drei Siedlungen in Stieghorst biete die am Lipper Hellweg das größte Nachverdichtungspotenzial, so die Planer. In einem Bereich direkt am Lipper Hellweg sowie westlich der Sven-Hedin-Straße könnten dazu auch bestehende Häuser abgerissen werden und Neubauten entstehen oder Häuser aufgestockt werde. Östlich der Sven-Hedin-Straße sowie an der Friedjof-Nansen-Straße seien eingeschossige Anbauten an die jetzigen Häuser möglich. Am Lipper Hellweg könnte laut der Planer außerdem eine Kita entstehen.

Königsberger Straße

Das Viertel an der Königsberger Straße sei eine städtebaulich erhaltenswerte Siedlung, erläuterte Kellersmann. Die breiten Straßen und der alte Baumbestand sollten bleiben. Ein größeres Nachverdichtungspotenzial gebe es nicht. Allerdings können sich auch hier die Planer eingeschossige Anbauten an den bestehenden Häusern vorstellen.

Am Niederfeld

In der Siedlung am Niederfeld gebe es Möglichkeiten zur Nachverdichtung im Bereich der jetzigen Schrebergärten, ansonsten könne die Struktur grundsätzlich erhalten bleiben, so Michael Kellersmann. Auch hier gebe es Bedarf für eine Kita. Schützenswerten Baumbestand sehen die Planer hier nicht.

Mit dem Positionspapier wolle die Stadt nun in die weiteren Verhandlungen mit der BImA gehen, erklärte Kellersmann

Hans-Dietmar Hölscher (Linke) und Marc Burauen (Grüne) kritisierte den Strategiewechsel der BImA, durch den die Stadt zunächst keinen Zugriff auf die Liegenschaften habe. Gerhard Henrichsmeier (CDU) sagte, es sei „bemerkenswert“, dass die Siedlungen als erhaltenswert eingestuft würden, während die Bausubstanz an der Sperberstraße als so marode eingeschätzt worden sei, dass dort die Gebäude nun abgerissen werden. Roland Lasche (Grüne) fragte, ob die BImA bei der Vermietung darauf achte, dass es mit den umliegenden Siedlungen zu einem „nachbarschaftlichen Zusammenleben“ komme. „Wer geht in die Häuser? Und wie ist die soziale Struktur, die dort entsteht?“, wollte Lasche wissen. Die Bundesanstalt habe zugesagt, dass sie auf eine soziale Durchmischung achten werde, sagte Kellersmann.

Werner Thole (CDU) betonte, dass seine Partei gegen jeden Abriss von Gebäuden sei. „Für eine Nachverdichtung sind wir aber immer zu haben“, so Thole.

Dem Positionspapier stimmte die Bezirksvertretung Stieghorst schließlich mit acht Ja-Stimmen bei sieben Gegenstimmen von der CDU und zwei Enthaltungen zu.

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