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Bezirksvertretung Brackwede kippt alten Beschluss: SPD lenkt nach Rolle rückwärts nun auch offiziell ein * mit Kommentar

Platz in Bielefeld wird nach Augustyniak benannt

Bielefeld (WB). Jetzt also doch: Die Grünfläche in den Queller Breeden wird nach dem in Afghanistan getöteten Soldaten Martin Augustyniak benannt. Diesen Beschluss fasste die Bezirksvertretung (BZV) Brackwede am Dienstag mit 13 zu 2 Stimmen – inklusive der Stimmen der SPD. Erwartungsgemäß hat sich die SPD-Fraktion damit dem Druck aus der eigenen Partei und der Öffentlichkeit gebeugt. Dagegen stimmten Linke und Grüne.

Markus Poch

Der künftige Augustyniak-Platz im Queller Breedenviertel: Gedenkstein (links) und Stele erinnern bereits an den 2010 in Afghanistan gefallenen Soldaten. Foto: Thomas F. Starke

Diesem banalen Beschluss, den die BZV Brackwede ein erstes Mal schon im Januar 2019 bei einer Gegenstimme der Linken getroffen hatte, war in den vergangenen Tagen eine äußerst emotionale Diskussion vorausgegangen: Über die sozialen Medien und andere Kanäle hatte diese sich bundesweit und nach WESTFALEN-BLATT-Informationen bis zum SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil hoch geschaukelt.

Denn bei der planmäßig letzten Sitzung der BZV im August nahm die Brackweder SPD – wie berichtet – plötzlich Abstand von ihrem ursprünglichen Beschluss und verhinderte damit die bereits beschlossene Umbenennung des Platzes. Man wolle keinen solchen „Heldengedenkplatz“ schaffen, begründete der scheidende Fraktionschef Hans-Werner Plaßmann die neue Haltung seiner Fraktion.

Nach Bekanntwerden dieses Umstandes mussten sich die Brackweder Sozialdemokraten aus allen Himmelsrichtungen beschimpfen lassen; nicht nur von der Brackweder CDU-Fraktion, die dieses Verhalten als „Rolle rückwärts“ und als „Schlag ins Gesicht der Angehörigen“ wertete, sondern auch vom Reservistenverband der Deutschen Bundeswehr und vom Verein Veteranenkultur. Letztere erinnerten beide daran, dass der damals 28 Jahre alte Hauptgefreite Martin Augustyniak sein Leben „für unsere demokratische und freie Gesellschaft“ gab. Man habe deshalb einen Ort schaffen wollen, der zum Erinnern und Nachdenken anregt; einen Ort, an dem man Menschen wie Augustyniak Respekt und Anerkennung zollen kann.

Nach einigen Tagen Bedenkzeit hatte Oberbürgermeister Pit Clausen seine Brackweder Genossen darum gebeten, ihre Entscheidung zu korrigieren. Die Brackweder SPD wollte die Verantwortung daraufhin auf die neue, noch zu wählende BZV abwälzen. Dagegen lehnte sich wiederum die CDU-Fraktion auf, verlangte zur Korrektur des Beschlusses die Ansetzung einer Sondersitzung.

Kommentar

Man darf darüber streiten, ob es angemessen ist, einen im Kampf getöteten Soldaten dadurch zu würdigen, dass ein öffentlicher Platz nach ihm benannt wird; zumal auf dem noch namenlosen Platz bereits ein Gedenkstein und eine Stele an diesen Mann erinnern. Darüber hinaus liegen Augustyniaks sterbliche Überreste auf dem Queller Friedhof in einem Ehrengrab, an dem die Kriegsgräberfürsorge alljährlich zum Gedenktag einlädt. Das alles ist auch ohne einen „Augustyniak-Platz“ schon eine Menge an Würdigung.

Dennoch wurde in der Brackweder Bezirksvertretung konstruktiv um die mögliche Benennung des Platzes gestritten. Am Ende einigte man sich darauf, Augustyniak auf diese Weise zusätzlich zu ehren. Mit der Entscheidung, ihr Ja-Wort zuerst zurückzunehmen, um dann am Dienstagabend auf massiven Druck von außen auch diese Entscheidung zu revidieren, hat die Brackweder SPD dem Ansehen der Stadt und sich selbst keinen Gefallen getan. Der Bürger wünscht sich Politiker, die weniger wankelmütig sind. Markus Poch

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