Massive Kritik in der Bezirksvertretung Mitte an den hohen Jahnplatz-Kosten in Bielefeld

„Pleiten, Pech und Pannen“

Bielefeld (WB)

22,3 statt 13,9 Millionen Euro soll der Umbau des Jahnplatzes kosten. In der Bezirksvertretung Mitte haben die Politiker am Sonntag ihrem Unmut über die Kostenexplosion Luft gemacht. Dirk Vahrson, Projektleiter und stellvertretender Chef des städtischen Amtes für Verkehr, gab sich zerknirscht, betonte abergleichzeitig, dass die höheren Kosten unvermeidbar seien.

Michael Schläger

60 Prozent teurer als geplant wird der Jahnplatz-Umbau. Nächsten Dienstag beginnt die zweite Bauphase. Foto: Thomas F. Starke

André Langeworth (CDU) sagte, es fehle an stichhaltigen Begründungen für die Preissteigerungen. So werde angeführt, dass die Einbeziehung zusätzlicher Flächen in den benachbarten Straßen zu Steigerungen von mehr als fünf Millionen Euro geführt hätten. „Diese Flächen waren aber schon in einer Darstellung enthalten, die bereits im Oktober 2019 vorlag, noch vor dem Bewilligungsbescheid.“ Dass die Haltestellendächer größer und damit 1,5 Millionen Euro teurer würden, sei von niemandem beantragt oder beschlossen worden. „Eine Diskussion dazu hat nicht stattgefunden.“ Und dass die Beleuchtung gleich dreimal so teuer werde, sei schlicht nicht nachvollziehbar.

Die Arbeitsgruppe Jahnplatz, in der unter anderem Politiker, Bauleute und Kaufmannschaft vertreten sind und die die Bauarbeiten eigentlich begleiten sollte, sei zuletzt im November 2019 zusammen gekommen, also noch vor Baubeginn. Langeworth mutmaßte, im Kommunalwahljahr 2020 sei absichtlich nicht eingeladen worden, sollten die Kostensteigerungen womöglich nicht auffallen.

Das wies Vahrson entschieden zurück. Vielmehr sei an die Verwaltung nicht der Wunsch herangetragen worden, dass sich die Arbeitsgruppe treffen sollte. Er verwies auf den enormen Termindruck, unter dem der Jahnplatz-Umbau stehe, versprach aber, dass nächstes Jahr alles pünktlich fertig werde. Im ursprünglichen Förderantrag, der bereits auf das Jahr 2018 zurückginge, seien die zusätzlichen Flächen nicht enthalten gewesen. Ständig habe sich im Bauablauf etwas geändert, habe auf neue Herausforderungen eingegangen werden müssen. Vor allem im Tiefbau habe es Erschwernisse gegeben. Die größeren Dachflächen bedeuteten eine deutliche Konstruktionsaufwertung.

Veronika Rosenbohm (SPD) gab sich mit den Erklärungen nicht zufrieden. „Es ist nicht akzeptabel, dass es kein Kostencontrolling gibt.“ Anfangs habe die Politik den Bürgern erklären müssen, warum der Jahnplatz-Umbau überhaupt notwendig sei. „Jetzt werden wir beschimpft, wie viel Geld wir ausgeben.“ Sie hätte erwartet, dass die Politik eher über die Kostensteigerungen informiert worden wäre. Für Peter Ridder-Wilkens (Linke) sind die Preissteigerungen am Jahnplatz ein weiteres Beispiel für zahllose „Pleiten, Pech und Pannen“ in der Stadtentwicklungspolitik.

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